Ayurvedisch kochen

Was ist Ayurveda?

Häufig liest man, Ayurveda sei die "älteste Medizin der Welt”. In der langen Tradition liegt ein Qualitätsversprechen, denn alt bedeutet ja nicht per se gut. Ayurveda ist ein ganzheitliches Medizin-Konzept, dessen Ziel es ist, gesund und glücklich zu bleiben. Ayurveda hat seinen Ursprung auf dem indischen Subkontinent. Es gibt Parallelen zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM). 

Balance als Ziel

Ayurveda betrachtet den Menschen als eine  Einheit von Körper, Geist und Seele, welcher im Zusammenspiel mit Umwelt und Kosmos steht. Die Grundlage für ein gesundes, glückliches und langes Leben ist dabei das individuelle Gleichgewicht der einzelnen Elemente zu erhalten. Dies geschieht über die Ernährung, aber ebenso die Lebensführung. Krankheitssymptome bedeuten, dass etwas aus der Balance geraten ist.

Die Doshas

Nicht nur der Mensch, sondern alles, was wir in unserer Welt wahrnehmen, setzt sich gemäß der ayurvedischen Lehre aus den Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther zusammen. Die fünf großen Elemente verbinden sich zu drei Grundenergien: Raum und Luft bilden zusammen VATA. Feuer und Wasser verbinden sich zu PITTA. Wasser und Erde ergeben KAPHA. Jeder Mensch setzt sich aus diesen drei Grundenergien zusammen - jedoch in einer ganz individuellen Mischung. Ayurveda beschreibt diese als PAKRITI: Das ist die Grundkonstitution mit der wir auf die Welt kommen. VIKRITI beschreibt Störungen der Grundkonstitution: Gibt es ein Ungleichgewicht, das es auszugleichen gilt? 

Literatur zum thema

Ayurveda & ich

Ich landete bei Ayurveda über Ausprobieren. Ich las Tipps für meinen Lebenswandel und gegen Reflux und deren Ursprung lag immer öfter im Ayurveda. Ich probierte sie aus und stellte fest, dass sie mir halfen (beispielsweise den Tag mit einem Glas warmem Wasser zu beginnen, um den Stoffwechsel anzuregen). Ich nahm mir vor, Ayurveda über 8 Wochen zu testen. Bei Margit Witt-Horchler von Villa Veda hatte ich meine Konstitution bestimmen lassen und meine Beschwerden geschildert. Auf Basis dessen gab sie mir Empfehlungen, die ich mehr oder weniger dogmatisch einhielt. 

Nach 8 Woche kam ich zu der Erkenntnis, dass Ayurveda meine Reflux-Beschwerden ebenso wenig beseitigt hatte, wie andere Methoden auch. Doch ich fühlte mich wohler in meiner Haut und fand, dass die ayurvedischen Rezepte mir gut tun. Oft denke ich nach einem ayurvedischen Essen: Das ist genau das, was ich gebraucht habe. Ähnliche Erfahrungen und einen wunderbar ausführlichen Ayurveda-Selbstversuch habe ich auf vegan.athletes gelesen. Ich empfehle ihn jedem, der von den Experimenten anderer profitieren möchte. 

Wie ich koche

Ayurveda kennt keine Verbote, nur Empfehlungen. Das kommt mir mit meiner mangelnden Konsequenz gerade recht. Manchmal schmecken Dinge gut, die ayurvedisch nicht empfehlenswert sind. Dann nehme ich die Konsequenzen in Kauf. Diese Rezepte nenne ich AYURVEDISCH ANGEHAUCHT. Beispielsweise beinhalten sie Zutaten, die für meinen Typ (VATA-PITTA) empfehlenswert sind, aber eine Kombination, von der Ayurveda abrät, z. B die Kombination von Eiern mit Milchprodukten wie in diesem Pancake-Rezept. Die Begründung ist, dass sich die Verdauung dieser Lebensmittel gegenseitig beeinträchtigt. Es gibt eine Reihe solcher ungünstiger Kombinationen:  Ich habe beim Blog in-good-health einen schönen Überblick zum Thema Nahrungsmittelkombinationen im Ayurveda gefunden. Wer mag, kann sich dort über einige solcher Kombinationen informieren.

Beim Kochen lasse ich mich von verschiedenen Blogs inspirieren. Ich habe einen Ayurveda-Kochkurs bei Martina Kobs-Metzger von Cuisine Vitale besucht und besitze drei ayurvedische Kochbücher. In Kombination mit allgemeinen Empfehlungen für die Vata-Pitta-Konstitution wähle ich meine Rezepte und Zutaten aus. Diese Rezepte sind AYURVEDISCH in dem Sinne, dass sie eine wohlbringende Kombination aus Lebensmitteln und Gewürzen beachten, die für den Vata-Pitta-Typ oder für alle Dosha-Typen empfehlenswert ist. Außerdem haben sie mir vorzüglich geschmeckt, denn dann habe ich das Bedürfnis, sie mit Euch zu teilen.

Was findet Ihr hier nicht? Rezepte speziell für den Kapha-Typ. Es sei denn, ich bekomme bei einem Test raus, dass mein Liebster diese Grundkonstitution hat. 

Dosha-Tests

Wie findet ihr heraus, welche Grundkonstitution Ihr habt, und ob die Doshas in Balance sind? Entweder Ihr geht wie ich zu einer ayurvedischen Ernährungsberatung oder Ihr sucht euch, wie ich ebenfalls,  einen der zahlreichen Tests im Internet. Bei Banyan Botanicals findet Ihr beispielsweise zwei Tests, einen zur Ermittlung des Pakriti und einen für die Ermittlung des Vikriti. Neuerdings muss man sich dafür allerdings ein Profil erstellen. Wer das nicht möchte, findet bei veda.ch ebenfalls einen guten Test, bei dem das Profil optional ist.

Die Grundkonstitution zu bestimmen ist in Wirklichkeit gar nicht so einfach, die Tests geben also allenfalls eine Richtung. Bei der Ernährungsberatung steht der Mensch im Fokus, und seine Beschwerden, also weniger die Frage "Welcher Typ bin ich?". Und dann: Ayurveda ist vor allem Erfahrungswissen. Es schult die Selbstwahrnehmung. Mit anderen Worten: Probiert es einfach aus.

Allgemeine Regeln

Neben dem, was wir essen, beeinflusst auch die Art und Weise, wie wir essen unser Wohlbefinden. Ayurveda empfiehlt Folgendes:

  • Maßvoll genießen: Im Idealfall ist der Magen zu 1/2 mit Nahrung gefüllt, zu 1/4 mit Flüssigkeit und der Rest bleibt leer. 
  • Der Fokus liegt auf dem Essen, denn das Verdauungssystem liebt es entspannt. Also Glotze aus, hitzige Diskussionen vertagen.
  • Am besten mit Liebe frisch gekocht. Hier im Alltag intelligente Kompromisse machen. 
  • Alle Geschmacksrichtungen - süß, salzig, sauer, bitter, herb und zusammenziehend - sollten harmonisch vertreten sein.
  • Vor dem Essen und nach dem Essen trinken, doch nicht währenddessen. Die Flüssigkeit verdünnt den Verdauungssaft und beeinträchtigt seine Wirkung. Ein Glas warmes Wasser neben dem Essen kann ein guter Kompromiss sein.
  • Mittags ist die Verdauungskraft am stärksten, am Morgen und Abends wird entsprechend der ayurvedischen Lehre eher leicht gegessen – sowohl was die Zutaten, als auch was die Menge betrifft.
  • Keine ungünstigen Nahrungsmittelkombinationen, wie beispielsweise frisches Obst und Milchprodukte, die im Magen zu gären beginnen. Ich verwies an anderer Stelle auf diesen Artikel, der ungünstige Kombinationen in einem guten Überblick auflistet.
  • Im Idealfall fühlt man sich nach dem Essen wohl – nicht schwer, nicht müde, nicht belastet. Ayurveda kennt kein Essens-Koma.

Kann ich die Liste downloaden/ausdrucken? - Ja, kein Problem:

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Ayurvedische Ernährungsregeln als PDF
Ayurvedische Ernährungsregeln.pdf
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Ayurveda ist kein Dogma, es geht hier also nicht darum, alles perfekt umzusetzen. Im Alltag geht es mehr darum, intelligente Kompromisse zu machen und bewusst entscheiden zu können. Wenn ich unstillbare Gelüste auf Pizza verspüre, kann ich beispielsweise entweder eine Pizza nach ayurvedischen Ernährungsregeln selbst backen, oder ich kann die Pizza mittags verzehren, wenn das Verdauungsfeuer am stärksten ist und entscheiden, dass es mir das wert ist. 

Viel Spaß beim Ausprobieren! Ayurvedisch essen streichelt die Seele! Hier geht's zu den Rezepten!