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Kitchari (Detox Ayurveda-Style)

Mit dem ayurvedischen Detox-Klassiker Kitchari soll nach einer Party-Nacht wieder alles gut werden. Daniel und ich hatten es am Wochenende krachen lassen, in Dörverden auf der Hochzeitsfeier einer alten Schulfreundin von mir. Es gab Rum-Cola mit Limette, Weisswein und Sekt mit Orangensaft. Eine Herausforderung für einen sensiblen Magen wie meinen.

Kitchari

Für 4 Portionen brauchst du:

100 g Basmati-Reis

50 g Mungbohnen oder gelbe Linsen

2 kleine Karotten

1/2 Fenchelknolle

2 TL Ghee

1 TL Cumin, gemahlen oder die Samen

1/2 TL Kurkuma

1/2 TL Koriander, gemahlen

1/2 TL Salz

600 ml Wasser

Frischer Basilikum

Gut zu wissen:

Wenn das Kitchari simmert am besten nicht mehr umrühren: So wird das Gericht sämiger.

So geht's

  1. Reis und Linsen und fließendem Wasser abspülen bis das abfließende Wasser klar ist
  2. Das Gemüse würfeln.
  3. Das Ghee im Topf erhitzen und die Gewürze leicht anrösten, bis das Aroma sich entfaltet hat.
  4. Die Gemüse-Würfel hinzugeben und kurz andünsten.
  5. Reis und Linsen hinzufügen und mit 600 ml Wasser ablöschen.
  6. Unter Rühren zum Kochen bringen, salzen und die Hitze klein stellen. So eine halbe Stunde köcheln lassen. 

Kitchari. Ganz sanft. Guten Appetit!

Hochzeiten

Da ist so viel Gefühl dabei: schön traurig. Heiraten fand ich lange überflüssig, aber es berührt mich, wenn zwei Menschen offen sagen, dass sie sich begleiten wollen, in guten wie in schlechten Tagen. Das dazugehörige Fest soll ein Höhepunkt des Lebens des Brautpaars sein, und eine berauschende Party für alle Gäste. Zu viel für einen Abend? Perfektionsanspruch und Dogmatismus sind bei der Vorbereitung meist nicht weit, auch wenn alle eigentlich ein "ganz entspanntes Fest" haben wollen. Umso schöner, wenn das gelingt: So wie auf der Party von Svenja und Roman am Samstag.

Emotional sind solche Feiern aber nicht nur aufgrund der explosiven Mischung von Anspruch und Realität. Als Brautpaar lädt man alle ein, die einem etwas bedeuten. Familie, Freunde, alte Freunde. Menschen, die einen berührt haben, die einem beigestanden haben, mit denen man gelacht, getanzt, geweint hat. Alle sollen dabei sein, bei diesem wichtigen Fest. Was auf der einen Seite heißt: Wir wollen uns die Welt zu Füßen legen!, heißt auch: Schaut her, was wir für tolle Freunde haben!, was wir schon alles miteinander geschafft haben! Oder geht das nur mir so? Für mich wäre eine Hochzeit eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt. Ich weiß nicht, ob ich selbst das bewältigen könnte. Beruhigend finde ich jetzt zumindest die Vorstellung, dass an einem solchen Tag meist sowieso nicht alle können.

Hochzeiten haben auch immer etwas von Klassentreffen. Svenja (die Braut) kenne ich seit fast 20 Jahren. Wir sind in Bremen zusammen zur Schule gegangen. Süsse Siebzehn. Baileys kann ich immer noch nicht wieder trinken. Kochen hat schon damals eine zentrale Rolle in meinem Leben gespielt. Musikalisch waren wir nicht kompromissbereit. Hätte ich damals gewusst, zu welchen Takten ich heute das Tanzbein schwinge, ich wäre an mir selbst verzweifelt. Man trifft Leute, die man lange nicht gesehen hat und fragt:

Und, bei dir so?

Sinnvoller Small Talk geht irgendwie anders, doch leider erinnert man sich kaum an die Leidenschaften der anderen aus Teenager Zeit. Man freut sich, dass mit 30 aus den meisten irgendwie irgendetwas geworden ist. Große Überraschungen gibt es kaum. Mindestens einer oder eine hat den Sprung in die heutige Zeit nicht geschafft. Die gleichen Klamotten, die gleichen Gebärden, der gleiche Musikgeschmack, wie damals mit Achtzehn. 

Ich bleibe mit gemischten Gefühlen zurück: Voller Nostalgie für eine vergangene Zeit, die bedeutend ist, die ich aber nicht zurück holen möchte. Mit einigen der Gäste hätte ich gerne wieder mehr Kontakt, andere vergesse ich am besten gleich wieder. Wir waren um 5 Uhr in der Früh im Bett. „Das,“ sagen die meisten, während sie den kleinen Kindern das Brötchen schmieren, „hatten wir schon lange nicht mehr!“ Wir haben getanzt! Wir haben getanzt, als gäbe es kein Morgen mehr!

Kulinarisch habe ich mich an einen ayurvedischen Grundsatz gehalten, der sagt: Was die Seele sich wünscht, kann nicht schlecht für sie sein. Im Vergleich zu den letzen Monaten würde ich sagen, meine Seele verlangte Völlerei und exzessiven Alkoholkonsum. Als ich mit einem Glas Wasser auf dem Hof stand und Svenja zu mir sagte: „Dich auf einer Feier zu sehen, ohne Rotwein-Glas in der Hand, ist ganz ungewohnt.“, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass meine Leber bereits einiges leisten musste. Und dass es okay ist, wenn ich ihr jetzt Ruhe gönne (Rotwein, wirklich? War das mein Getränk mit Siebzehn?).

Also bereitete ich für den Tag nach der Hochzeit das Kitchari vor, das ihr hier oben seht. Kitchari ist ein klassisches Gericht der ayurvedischen Panchakarma-Küche - zur Heilung und Entgiftung. Ich wollte es immer schon mal ausprobieren, hatte die Gelegenheit aber nie genutzt. Das Rezept findet sich im großen Ayurveda-Ernährungsbuch.  Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.