Bei Monikas Restaurant im Wohnzimmer

Monikas "Restaurant im Wohnzimmer" in der Isestraße in Hamburg öffnet seine Pforten einmal in der Woche, und zwar freitags um 18h Uhr. Dann kochen hier Monika und Manu ein Menü für gut 15-20 Gäste. Monikas Küche ist köstlich, das Wohnzimmer wohnlich und die Mischung der Gäste immer wieder spannend. Das Warten lohnt sich!

Wo?

Bei Monika zuhause

Isestraße (Hamburg)

Buchbar über studiocatering@gmx.de

Kennenlernen beim Aperitif

Ich war über einen Artikel aufmerksam geworden und hatte mich sofort per E-Mail angemeldet. Zu Tisch bei Monika hieß es, die Atmosphäre sei herzerwärmend und der Erlös des Abends werde  an die Waldpiraten gespendet. 

Ein paar Tage vorher hätte ich beinahe gekniffen: Ich hatte zwei Plätze reserviert, doch nun fand ich niemanden, der Lust oder Zeit hatte, mich am besagten Freitag-Abend zu begleiten. Ich war mir sicher, dass es eine lange Wartelist gibt, immerhin hatte ich fast 5 Monate auf den Termin gewartet. Also schrieb ich Monika, ob es einen Nachrücker gebe, ansonsten würde ich meine Plätze einem glücklichen Paar vermachen und ein anderes Mal kommen. Papperlapapp, schrieb Monika, du bist nicht die einzige, die allein kommt - und du hast immerhin fünf Monate auf den Termin gewartet. 

Ja, wie albern, dachte ich. Natürlich fahr ich hin. Also stieg ich am Freitag aufs Rad und radelte zu Monika in die Isestraße. Ich klebte mir ein Namensschild auf und legte ein paar Scheine in die Spendenbox. Manu, Monikas Partnerin aus Zeiten, in denen sie gemeinsam das Catering für Reinhold Beckmann machten, reichte mir einen Campari-Orange als Aperitif. Ich sagte Hallo zu den übrigen Gästen und stellte mich kurz vor. Alle, bis auf einen, kamen aus Hamburg. „Wir duzen uns hier alle.“, hatte Monika mich begrüßt. Ich war erleichtert, ich arbeite seit Jahren in einem lockeren Umfeld und fühle mich oft unbeholfen, wenn es zu formell wird. 

Den Weg zu Monika fanden wir alle auf ähnlichen Wegen: Über das Internet, über Zeitungs- oder Zeitschriften-Artikel, über Freunde. Insgesamt waren wir 16 Gäste. Fast alle reizte die Vorstellung, für einen Abend mit Leuten zusammen zu kommen, die man nicht kennt, und die man unter anderen Umständen vermutlich auch nicht kennenlernen würde. „Ich unternehme viel mit Freunden,“ sagte eine ältere Dame mit der ich später für ein Foto posierte, „doch da bin ich ja immer unter meinesgleichen.“

Am Anfang herrschte noch Unsicherheit, doch sie legte sich, als wir am Tisch Platz nahmen. Monika macht es einem leicht: Jeder Abend sei anders, sagte sie, nett sei es, wenn im Laufe des Abends die Plätze gewechselt würden oder jeder sich kurz vorstellen würde. Man spürt, dass Monika Erfahrung darin hat, eine große Gruppe an Leuten zu bewirten. Ich fühlte mich wie beim perfekten Dinner, ohne Show-Effekte und Gekreische. Das Essen und die Begegnung stehen im Vordergrund.

Das Menü

Das Menü war eine herrliche Mischung aus Bodenständigkeit und mediterraner Küche, mit ein wenig Schärfe. Beef Stroganoff mit Kartoffeln, Nudeln und Gemüse, vorab gab es eine bunte Antipasti-Platte mit Salat, fein gewürzten Scampi, gefüllten Pilzen und Ei, sowie ein feines Carpaccio mit Orangenscheiben.

Langsam kamen wir ins Gespräch. Die gemeinsame Herkunft, Lebenswege und Reisen – das sind beliebte Themen am Anfang, und aus diesen Bruchstücken formte ich mir ein Bild der Gäste an der großen Tafel: Da war Andreas, der PR-Mann aus Münster, dessen Ex-Freundinnen zufällig alle aus Hamburg kamen, seit dem fühlt er sich mit der Stadt verbunden. Und Mareike, die wie ich aus Oldenburg stammte, und nach Jahren in Berlin und Süddeutschland erkannt hatte, dass sie zurück in den Norden müsse.

Patricia, die Schwedin, die seit Jahren in Hamburg lebte, erzählte, wie sich das Stadtbild mit der Globalisierung geändert hatte: „Früher“, sagte sie, „haben wir gejubelt, wenn wir ein schwedisches Auto in Hamburg sahen. Das war eine Seltenheit damals.“ Heute gibt es kulturell eine viel größere Vielfalt. Das Integrationsprojekt – eine Herausforderung, da waren sich alle einig, nur die Lösungsansätze unterschieden sich. 

Im Grunde ist es genau die Mischung unterschiedlicher Menschen und Erfahrungsschätze, über die ich mich an solchen Abenden freue. Ich lernte Dietrich kennen, der ein ähnliches Alter wie mein Vater hat, um die 70, vermute ich. Dietrich erzählte mir, dass er seit Jahren immer wieder nach Thailand reise. Ich fragte ihn, wie sich das Land in seinen Augen in all den Jahren verändert habe. Dietrich überlegte und sagte, die Küche habe sich verändert, es werde mehr Fleisch gegessen als früher, und der Bildungsstandard der Bevölkerung sei höher. Dieser Blick beeindruckte mich: Meine Generation kommt viel rum, reist mit Rucksack oder Bulli durch zahlreiche Länder, gibt Jobs auf und bekommt im Vergleich nur einen Schnappschuss zusehen. Welch ein Kontrastprogramm zu einem Urlaub, der jedes Jahr ins gleiche Land führt, und erlaubt, zu reflektieren, wie sich ein Land über Jahre verändert. 

Von meinem Vater kenne ich auch Reise-Geschichten, und ich frage mich manchmal, welche Abenteuer wir heute überhaupt noch erleben können. Gerne erzählt mein Vater die Geschichte, als er von einer Reise zurück kam und sich mit meiner Mutter an einem Bahnhof (war es in in Kroatien?) verabredete. Kein Whatsapp, keine SMS oder nationale SIM-Card, die es ihnen erlaubte zu sagen: „Ich stehe hier, am Südausgang, und warte auf dich.“ Meine Mutter stieg in den Zug und fuhr ins Abenteuer, ohne Geld für eine Rückfahrt.

Die Pfade an den Küsten seien ausgetreten, erzählte Dietrich, vieles kenne man schon. Früher habe man sich erstmal mit Kollegen vom NDR in Verbindung gesetzt, die vor Ort waren, und die einem die Lage schildern und die besten Restaurants empfehlen konnten. Ich erinnere mich an meine Reise nach Ostafrika, wo befreundete Entwicklungshelfer meiner Tante unser Netzwerk bildeten und den einzigen Reiseführer über Uganda um aktuelles Wissen ergänzten. Etablierte Backpacker Hostels gab es 1996 noch nicht, und als Reisende fielen wir auf. Abenteuer heute? Gibt's immer noch. Abenteuer misst sich eben nicht nur an der Wildheit der Erfahrung, sondern vor allem am eigenen Erfahrungsschatz.

Gegen 23 Uhr, wie es sich für einen gelungenen Abend gehört, landete ich in der Küche. Zwischen gebrauchten Gläsern, Töpfen und Pfannen bei einer Menthol-Zigarette kehrte Ruhe ein. Die Eindrücke des Abends setzten sich. Hier, dachte ich, auf dem Fahrrad, als ich nach Hause radelte, komme ich gerne noch einmal hin. Das Warten hatte sich gelohnt.