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Portugal: Die Algarve, das klassische Urlaubsziel. Verdient, finde ich!

Wo in Europa ist es im April schon warm und trocken? An der Algarve!, dachten wir. Nun ja. Da haben wir uns getäuscht. Als erstes kauften wir einen Schirm. Den Hoodie trug ich fast die ganze Zeit und den Heizofen nahmen wir auch dankend an. Genossen haben wir die 2 Wochen Carvoeiro trotzdem. Wo es sonst noch schön ist an der Algarve, erfahrt ihr ebenfalls hier.

Die Algarve: Das klassische Urlaubsziel. Verdient, finde ich!

Für Portugal gibt es immer gute Gründe, beispielsweise die Portugiesen: In der Regel zuvorkommend, entspannt, unaufdringlich, nett. Ein weiterer, dass es viele schöne Strände und Städtchen gibt, die vermutlich auch zur Hochsaison noch weniger besucht sind als beispielsweise Mallorcas Strände oder die der Costa Brava.

Faro

Hier kommt man an. In der Hochsaison wird Faro von mehreren deutschen Flughäfen direkt angesteuert. In der Vorsaison fanden wir nur einen Direktflug von Düsseldorf aus. Vorteil: Mit Eurowings lässt sich dort das Gepäck bereits am Vorabend einchecken. Mit Baby bei einer Abflugszeit von 08:00 gold wert, ebenso für Langschläfer sicher ein Vorteil.

Von Faro geht es meist mit dem Mietwagen, Bus oder Comboio weiter zum Ferienort. Denjenigen, die nicht gleich weiter hetzen wollen, empfehle ich das Sunlight Hostel: Einfache, stilvoll eingerichtete Zimmer, familiäre Atmosphäre, zentrale Lage und ein Frühstücksbüffet, das ich als gut in Erinnerung habe.

Lagos

Auch Lagos war für mich bis 2013 nur ein Durchfahrtsstädtchen. 2013 verweilten Daniel und ich für ein paar Tage in Lagos, um von dort unsere Fahrt entlang der Costa Vicentina zu beginnen. Das Städtchen hat alles, was man braucht, jedoch ohne die Dimensionen einer Großstadt zu haben. Eine nette Innenstadt, ein paar gute Restaurants. Einzig der Campingplatz, auf dem Daniel und ich noch eine Nacht übernachteten, war ein Drecksloch. Spart euch den.

  • Essen gehen: O Escondidinho – ein kleines feines Restaurant, das sich zur Hälfte in einer Garageneinfahrt befindet. Bekannt für seine Sardinien vom Grill (am laufenden Band), doch auch andere Gerichte schmecken köstlich. An den engen Tischen kommt man, wenn man möchte, automatisch miteinander ins Gespräch.

Carvoeiro

In Carvoeiro quartierten wir uns zu Beginn unserer Elternzeitreise für 2 Wochen über Airbnb ein. Unser Host, Nina, vermietet eine kleine Anliegerwohnung, eine ausgebaute Mühle. Die Lage war traumhaft: Ruhig am Golfplatz, in Laufweite zum Strand, der Praia Vale Centianes. In den Ort selbst, der ebenfalls eine malerische Praia hat, läuft man circa 30 Minuten. 

Carvoeiro, das ließ sich erkennen, muss turbulent sein im Sommer, wenn Hochsaison ist. Jetzt im April geht es erst los, das Städtchen ist belebt, doch nicht voll. Das Wetter ist allerdings noch unbeständig und es kann frisch und feucht werden.

Was macht man in Carvoeiro?

  • Essen gehen: Júlios Restaurant war bei uns gleich um die Ecke. Etwas schicker, eine ansprechende Karte und köstliches Essen, sowie ein Service-Team, das bei uns auch den Sohn bespaßte, damit beide Eltern essen konnten.
  • Essen gehen: Le Crô. Hier gibt es Tapas. Neuere Küche, man ist experimentierfreudig. Zum Essen gibt es den passenden Wein, es werden nur Gläser ausgeschenkt, keine Flaschen. Ich habe sowohl das Ceviche, als auch Bruschetta in sehr guter Erinnerung. Und den Cheesecake als Nachspeise natürlich. Lecker. Das Restaurant ist klein, also reserviert man besser. Das geht am einfachsten über Facebook Messenger.
  • Küstenwanderungen: An der Praia Vale Centianes startet ein Küstenweg, der bis zur Praia Benagil führt (dort gibt es die berühmten Grotten, die sollte man auch sehen; es sei denn man hat ein 6 Monate altes Baby dabei). Die Wanderung ist mittelschwer, mit Baby in der Trage konnten wir nur Teilstücke gehen. Von der Praia Vale Centianes kann man ebenfalls entlang der Küste bis nach Carvoeiro laufen. Der Einstieg ist nicht einfach zu finden, im Prinzip krackselt man beim Zugang zum Strand, beim Schild der Snackbar „O Stop“ einfach den Berg hoch. So zumindest wir, nach dem wir uns ein paar Tage gefragt hatten, wo es los geht und dann schlicht Leute beobachtet haben, wie sie abstiegen.
  • Zu anderen Stränden kommt man beispielsweise mit der Rota das Falésias, einem Hop on / Hop Off Bus, der verschiedene Orte entlang der Küste abfährt. Die Route beginnt an der Praia de Carvalho auf der einen Seite und in Ferragudo auf der anderen Seite. Ein Tagesticket kostet 10 EUR pro Person. Wir fuhren nach Ferragudo, speisten köstlich bei Salsa & Sapori, und fanden einen Küstenweg um von der Praia Grande zur Praia do Molhe zu laufen, wo wir den Bus wieder bestiegen.
  • Ausflüge in die Berge der Algarve, nach Monchique, bietet Portitours. Wir hatten das Glück, dass Freunde von Daniels Eltern zeitgleich wie wir in Carvoeiro waren und Geburtstag feierten, so kamen wir in den Genuss einer Tour. Die Tour führt mit Jeeps nach Monchique. Die Besonderheit: Es geht durch das Gelände, auf weniger besuchten Pfaden also, und mit spektakulärer Aussicht. Mit 6 Monate altem Baby eventuell nicht ganz geeignet – Pablo jedenfalls wurde das Geschüttel schnell zu viel. Immerhin haben wir gelernt, off-road im Jeep zu stillen, das half ihm, trotz des Geruckels Ruhe zu finden. Wir speisten in Monchique traditionell Hühnchen mit Piri Piri, sowie Schweinefleisch in einer Marinade aus Knoblauch, Koriander und Zitronen, die ich bislang nur von Muscheln kannte: Köstlich. 

Lagoa

Lagoa erreicht man von Carvoeiro mit dem öffentlichen Bus innerhalb von ca. 20 Minuten. Die Rota das Falésias fährt ebenfalls über Lagoa. Wir waren lediglich einkaufen bei Pingo Doce, dem Supermarkt meines Vertrauens, und frühstücken in der herrlichen Pastelaria Helydoce. Ich betone das deshalb, weil mir die Süßspeisen in Portugal oft zu viel Ei und Zucker enthalten. Die portugiesischen Croissants dort schmeckten schön saftig, die Pecannuss-Taschen super lecker und die Toasts sahen auch zum Schwärmen aus. Hin da, wenn ihr euch vornehmt, Lagoa einen Besuch abzustatten. Ebenfalls sehenswert soll der Mercado Municipal sein. 

Wiederholung? Gerne!

Sowohl Carvoeiro, wie auch andere Flecken der Algarve, die ich hier nicht erwähnt habe, würde ich jederzeit gern wieder besuchen. Dazu zählen z. B Tavira & Cabanas (hier war ich 2000, es dürfte sich also einiges verändert haben) und Burgau - ein nettes Städtchen mit einem schönen Stadtstrand, den ich durchs Surfen kennen gelernt habe.

Mein Fazit also nach mehreren Versuchen Portugal in der Vorsaison:

  • Der April macht, was er will (und der März ebenso). Wer in der Vorsaison fährt, hat Chancen auf milde 20 Grad, aber eben nur 50%. Das Wetter ist noch unbeständig und ein dicker Pulli, sowie ein Regenschirm sind Pflicht. Sowohl jetzt, als auch letztes Jahr im März konnten wir das verifizieren.
  • Für die Familien: Algarve mit Baby geht auf jeden Fall. Ich empfehle allerdings Trage & Kinderwagen mitzunehmen, denn nicht immer sind die Gehwege so, wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dann haben wir lieber die Trage genommen. Am Mittelmeer sind Kinder und Babies immer willkommen, das haben wir vielfach feststellen können. Restaurant-Personal, das unseren Süßen auf dem Arm herum getragen und bespaßt hat und uns alleine essen ließ: Das war im Júlios besonders nett.
  • Für Wanderfreunde eignet sich die Algarve scheinbar ebenso wie für Golfspieler. Fernwanderwege wie die anspruchsvolle Via Algarviana (Daniel will sie unbedingt mal laufen) gibt es ebenso wie kleine Küstenpfade, die eher Spaziergänge sind, über die man sich die Gegend erlaufen kann. Geht meistens auch mit Baby.
  • In der Vorsaison ist es herrlich ruhig, hat aber den Nachteil, dass noch nicht alles offen ist. Man muss also abwägen, was einem wichtiger ist.

Das scheint übrigens auch für die Costa del Sol zu gelten. Dort, in unserer wunderschönen Ferienwohnung in Cancelada/Estepona, sitze ich gerade auf der Terrasse und schreibe diesen Artikel. Der Mini schläft, der Große spielt vermutlich Fifa. Elternzeit: eine herrliche Zeit, meistens. Oder? Hasta luego - oder até já, wie die Portugiesen sagen würden. Wir genießen noch ein wenig die Sonne der Costa del Sol, dann melde ich mich wieder.

P. S. Sonntag geht es auf den Bio-Wochenmarkt in Estepona. Ich bin gespannt! Bislang kenne ich vor allem Markthallen in Mittelmeerländern.