Dresden! ist einen Ausflug wert!

Bislang hielt ich Dresden für eine gutbürgerliche Beamtenstadt. Langweilig. Viele Touristen, schönes Umland. Das ist nicht unwahr, aber eben auch nicht alles, was es über Dresden zu sagen gibt. Die sächsische Schweiz ist wunderschön, Dresdens Neustadt wirkt cool, und die Dresdener wissen, weshalb sie viel Zeit und Liebe in die Restauration alter Bauwerke stecken.

Dresden, das Tal der Ahnungslosen, hieß es früher. Überhaupt, als ich in Leipzig wohnte, waren Dresden und Halle die klassischen Städte-Rivalitäten. Im Gegensatz zum bunten Leipzig war Halle häßlich und Dresden verstaubt. Zuletzt hörte man aus Dresden vor allem über Pegida, was in anderen Teilen des Landes schnell das Bild prägte, Dresden sei nicht nur eine langweilige Beamtenstadt, sondern hinge allgemein der Vergangenheit an und folge einer zweifelhaften politischen Gesinnung. 

Ebenfalls in Erinnerung blieb mir der "Dresdener Brückenstreit", über die Errichtung der Waldschlösschenbrücke zur Verkehrsentlastung, der Dresden den Titel als Unesco-Weltkulturerbe kostete. Schaden getragen hat Dresden davon nicht, die Touristen kommen ungeachtet. Zu recht, möchte ich sagen: Dresden hat wider Erwarten einiges zu bieten – kulturell, historisch, kulinarisch und landschaftlich. So könnte ein Wochenende in Dresden aussehen:

Rundgang durch Dresdens Altstadt

Allein oder mit richtiger Stadtführung? Beides hat seine Vorteile: Alle Informationen schön aufbereitet mit einer Führung vs. die Option sich treiben zu lassen. Dresden scheint einige nette Stadtführer abseits der großen Anbieter zu haben. Dennoch entschieden wir uns, selbst auf die Pirsch zu gehen. Es war heiß, ich im 6. Monat schwanger, also beschränkten wir uns auf das Notwendigste:

  • Die Dresdener Frauenkirche. Beeindruckend, wenn man Bilder anschaut, wie weit die Kirche nach dem Krieg zerstört war. Wir nahmen auf den Bänken Platz und während die Kameras und iPhones um mich herum klickten, überlegte ich, dass die Kirche gut dokumentiert gewesen sein musste. Tatsächlich ließ man sich bei der Restauration nach alten Plänen leiten, verwendete alte Bausätze, versuchte diese jedoch mit heute gültigen Erkenntnissen zu paaren. Auch die Zerstörung sollte im Bauwerk, als wichtigem Erinnerungsort, erkennbar bleiben.
  • Dresdener Zwinger - ein Ort für Festlichkeiten unter August dem Starken, heißt es auf der Webseite. Ein beeindruckendes Gebäude. "Die Orangen sind zurück", hieß es bei unserem Besuch: Mit dem Ziel, den Dresdener Zwinger seiner ursprünglichen Bestimmung zurück zu führen, hatte man ein Projekt ins Leben gerufen, den Zwinger wieder mit Orangenbäumen aus Italien auszustatten. Finanziert wurde das ganze teilweise über Baumpatenschaften. 
  • Die Semperoper. Nur von außen. Schön, besuchen müssen wir sie allerdings noch. Es gibt Führungen, doch dafür blieb keine Zeit.

Kunst, Kultur und Kneipen in Dresdener Neustadt

Ich war positiv überrascht. Eher Berlin, als Leipzig, dachte ich. Wir bezogen unser Quartier über Airbnb bei Martin, in der Nähe des Alaunparks. Dicht dran am Leben, aber doch ruhig. Martin hatte zwei alte Fahrräder, die sich besser fuhren, als sie aussahen. Sie trugen uns am ersten Abend sicher zum Depeche Mode Konzert im Ostra-Gehege. Das ist schon was, denn ein Traum für Radfahrer ist Dresden nicht. Radwege sind spärlich und so teilt man sich den Gehweg mit Fussgängern. Nicht selten ist das ein ziemliches Gewurschtel und Geschlängel.

Dresdens Neustadt ist lebendig, cool und übersichtlich. Im wesentlichen drei Straßen, an denen sich alles abspielt. Im Sommer sitzen die Leute an der Straßenkreuzung und ich fühlte mich an die Brick Lane in London erinnert. Kleine Cafés, viele Pubs und gute Restaurants entlang der Straßen. Auch in der Neustadt findet sich, was alle derzeit gerne mögen: Burritos oder Burger, Craft Beer und Kaffee. Trotzdem gefällt es mir hier.

Essen & Trinken

Ayurveda-nah und für Reflux-Kandidaten geeignet - man muss nur aufpassen, nicht zu viel zu essen.

  • Hierschönessen - Restaurant und mehr in der Dresdner Neustadt. Stilvolles Ambiente, entspannter Sommergarten, herrlich köstliche Gerichte. Linsensalat auf den Punkt gegart, ein Spargelrisotto mit einen Tick zu viel Biss für meinen Geschmack, doch ich weiß, dass dies durchaus zeitgemäß ist und ein köstliches Rhabarber-Crumble zum Abschluss. Ich war wunschlos glücklich.
  • Émoi - Café & Patisserie mit französischem Charme und großartigen Croissants, ebenfalls in der Dresdener Neustadt. Eine wohlige Einstimmung auf eine Woche Provence für uns, eine Portion wohliges Fernweh für andere.

Einen Tag Wandern in der Sächsischen Schweiz

Als ich in Leipzig wohnte, führte mich mein Weg häufig über Dresden in die sächsische Schweiz oder - ein anderer Name - das Elbsandsteingebirge. Schnell erreichbares Wanderglück für ein Wochenende. Für Abenteurer bieten sich Klettermöglichkeiten oder auch die Option, in einer der Höhlen ("Boofen") im Schlafsack zu übernachten. Das Wegenetz des Elbsandsteingebirges ist groß, die Wege mal mehr, mal weniger belaufen, auch abhängig von der Jahreszeit und dem Wochentag.

Es gibt eine Vielzahl von Touren und Einstiegspunkten, beispielsweise StadtWehlen, Rathen, Schmilka oder Bad Schandau - alle bestens von Dresden mit der S-Bahn erreichbar. Besser mit dem Auto erreicht man Hinterhermsdorf, wo ich mit Hunden ebenfalls bereits schön wandern war. 

  • Meine liebste Tour: Zum Prebisch-Tor an der tschechischen Grenze entlang. Eine angenehme Tagestour, die sich auch bei großer Hitze gut laufen lässt. Unter dem kühlen Blätterdach steigt man zunächst hinauf zum Prebisch-Tor. Es folgt der Abstieg über die unter 20° Grad kühle Kamnitz. Zurück zum Ausgangspunkt geht's im Kahn inklusive tschechischer Bespaßung, die man dafür kurz mal aushalten muss. Großmutters-Köpfe in Stein an jeder Ecke.
  • Die bekannteste Tour: Zur Bastei. Diese Tour ist selbst unter der Woche relativ belaufen, wobei sich das große Getümmel auf die Bastei selbst beschränkt. Die in die Berge behauene Bastei ist dennoch einen Ausflug wert. Der Aufstieg von der Stadt Wehlen aus ist kurz und war für mich als Schwangere auch gut machbar. Wer möchte, läuft bis Rathen und fährt von dort zurück, oder man läuft wie wir, an der Elbe zurück zum Ausgangspunkt Stadt Wehlen und setzt dort über die Elbe über, um zurück nach Dresden zu gelangen.
  • Die Webseite des sächsischen Tourismus-Verbands bietet eine gute Übersicht, sowie am Fuß der Seite einen Tourenplaner mit Details zu den unterschiedlichen Wanderrouten, sowie Unterkunftsmöglichkeiten. Von Dresden fährt man mit der S-Bahn ca. 1 Stunde bis zu den unterschiedlichen Einstiegsorten entlang der Elbe. Wer Stadt und Wandern verbinden möchte, so wie wir, kann das ohne Schwierigkeiten tun. 
  • Proviant: Die meisten Touren bieten Einkehrmöglichkeiten. Wasser und ein paar Snacks sollte man natürlich dennoch dabei haben. Kommt man von Dresden, so empfehle ich, die dort zu besorgen, sonst steht man am Ende um 12:30 Uhr ratlos - wie wir! - in Stadt Wehlen und erfährt, dass der Inhaber des einzigen Lebensmittelladens nun pensioniert ist, und deshalb sein Geschäft nur noch von 8-12 Uhr öffnet. In allen größeren Ortschaften und an den Bahnhöfen bekommt man aber ohne Schwierigkeiten etwas.

Fazit

Für ein abwechslungsreiches Wochenende eignet sich Sachsens Hauptstadt bestens: Leben in der bunten Neustadt, Geschichte in Dresdens Stadtzentrum, und traumhafte Landschaft einen Steinwurf entfernt. Auch kulinarisch ist man bestens versorgt, selbst mit einem säureempfindlichen Magen: Die Hipster-Küche bietet magenfreundliche Zutaten, und die eigene Disziplin sorgt für den maßvollen Genuss. Dann steht einem entspannten, abwechslungsreichen Wochenende nichts im Wege. Wir kommen wieder!