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Herrliche Ruhe in Stintino (Sardinien)

Sardinien macht glücklich, vermutlich. Stintino, wo wir im Rahmen unserer Elternzeitreise 2018 zwei Wochen verbrachten, hat alles, was man für einen entspannten Urlaub braucht: Nette Einwohner, einen gut bestückten Wochenmarkt, eine kleine Ladenzeile, gutes Essen, viel Natur und ganz viel Ruhe. Einfach herrlich.

Muh - Kühe auf dem Weg zum Torre Falcone, im Hintergund die Insel Asinara (Sardinien)

Auf Sardinien kamen wir drei irgendwie an. So geruhsam wie die Kühe auf der Wiese war auch unser Tempo. Wir waren ohne Auto unterwegs und erliefen uns Stintino und Umgebung. Die Costa del Sol, vermutlich der Tiefpunkt unserer Elternzeitreise, hatte uns geschafft: Als wir im Mai mit der Fähre von Barcelona nach Porto Torres auf Sardinien übersetzten, freuten wir uns auf Ruhe, guten Kaffee und gutes italienisches Essen. All das findet man in Stintino.

Stintino

Das kleine Städtchen (ca. 1700 Einwohner) im Norden Sardiniens hat alles, was es braucht: ein paar gute Restaurants, ein paar Supermärkte und Einzelhändler, einen kleinen, gut bestückten Wochenmarkt, ein paar gute Pasticcerien und vor allem eines: Die Ruhe weg. Am Abend, auf dem Balkon hört man: Fast nichts. Kein Verkehrslärm surrt im Hintergrund, höchstens ein paar Vögel zwitschern und wenn man Pech hat, schleift tagsüber an einem von 14 Tagen ein Nachbar Fliesen. 80% der Zeit herrscht in Stintino Ruhe. 

Wir hatten uns über Airbnb am Rand des Örtchens einquartiert. Von hier aus kommt man zu Fuß überall hin. Die Entfernungen sind nicht weit an diesem Zipfelende der Insel.  Was tut man in Stintino? Einmal das, was man generell in Italien macht: Man isst. Fregola, kleine Hartweizennudeln, die an die griechischen Kritharaki erinnern, und Fisch. Auch typisch für die Region: Ricottelle, kleine Käseküchlein aus Mürbeteig und Ricotta.

  • Essen gehen: Die Pizza mit Artischocken schmeckte mir köstlich im Il Portico
  • Essen gehen: Im Restaurant des Hotels Lina gingen wir Fregola essen: ein pikanter Eintopf, der sowohl als Suppe, als auch in der Konsistenz eines Risotto zubereitet wird. Wir aßen die Risotto Variante - köstlich. Als Vorspeise gab es Miesmuscheln, ebenfalls eine Delikatesse: Zart gewürzt, ein herrlicher Sud. Beide Restaurants waren Empfehlungen unseres Gastgebers gewesen. 
  • Selbst versorgen: Gar kein Problem. Der Markt, einmal die Woche mittwochs vormittags, hat zwei gut bestückte Gemüsestände. Es gibt Obst- und Gemüsehändler im Ort, einen Schlachter und mehrere Bäcker. Der Preis ist günstig. Für Gemüse auf dem Wochenmarkt zahlte ich ca. 10 EUR für ausreichend Gemüse für 1-2 Personen für eine Woche. 

Wenn man nicht isst, kann man wandern gehen oder an den Strand. Es gibt auch ein kleines Museum in Stintino. Der Thunfisch-Fang prägte die Region einst und das Museum bereitet diesen Teil der regionalen Geschichte auf. 

Strände

  • La Pelosa ist der Strand der Region. Glasklares, türkisfarbenes Wasser und feiner weißer Sand: Karibisch!, sagen viele. Von Stintino läuft man an der Landstraße etwa 40 Minuten dorthin. Auf dem Weg zum Strand liegen noch weitere Buchten, die entweder frei sind oder von Anbietern mit Liegestühlen und Sonnenschirmen bestückt werden. Der Strand ist traumhaft und in der Vorsaison auch nicht überfüllt. Es gibt ein paar Snackbars und einen Kiosk mit leckeren Croissants.
  • Am Rande von Stintino gibt es darüber hinaus zahlreiche kleine Buchten mit Kiesstränden, teils über Wanderwege erschlossen, beispielsweise Punta Negra oder stadtauswärts beim Porto Turistico. Das Wasser ist in den Buchten etwas wärmer als an den großen Stränden, da sie geschützter liegen. Die Ruhe dieser kleine Strände ist traumhaft. Ich lief morgens mit dem Mini die Strände entlang und empfand dies fast als Meditation. Einziger Nachteil: Die Strände sehr naturbelassen, sie werden also nicht geräumt. Strandgut wird angeschwemmt und Vögel fiedern sich dort, wenn keine Menschen sie stören. Das ist nicht jedermanns Sache.

Ausflüge

  • Torre del Falcone: Eine schöne Wanderung, die gradlinig bergauf zum Torre del Falcone führt. Von dort blickt man auf die Insel Asinara und über die gesamte Bucht, an der auch der Strand La Pelosa liegt. Allein für die Aussicht lohnt sich der Aufstieg. Von Stintino läuft man ca. 2-3h und das beste: Zurück geht’s nur bergab.
  • Isola Asinara: Die Insel war einst eine Gefängnisinsel, heute ist sie ein Nationalpark und bekannt für ihre Esel und ihre Naturlandschaft. Von Stintino kann man mit zahlreichen Anbietern Tageausflüge auf die Insel machen. Wir selbst fuhren am Ende nicht, obwohl ich die Insel gerne gesehen hätte. Ich lege sie also jedem ans Herz, der die Chance bekommt. Wir entschieden im Sinne des Minis und gönnten uns einen Tag mehr am Strand für unser kleines Wasseräffchen.

Italien & Ayurveda

Italien, das Land der guten mediteranen Küche! Aus der Perspektive des Ayurveda gibt es in der italienische Küche allerdings auch einiges, das ayurvedisch nicht empfohlen wird, weil es als schwer zu verstoffwechseln gilt. Mein Lieblingsbeispiel ist die Pizza, die mit viel Käse und Tomaten, die viel Säure bilden, eher schwer im Magen liegt. Das bekommt einem auch bei Reflux schlecht. Kerstin Rosenberg, eine der führenden Ayurveda-Expertinnen in Deutschland, hat ein kurzes Paper zu Ayurveda & Mediteranter Küche geschrieben und kurz zusammengefasst, was ich selbst besser nicht ausdrücken könnte: Kurze Tipps, wie man in Italien gut nach Prinzipien des Ayurveda essen kann.

Es ist das eine, nach ayurvedischen Prinzipien zu essen, doch das alles ist kein Dogma und man möchte nicht immer einen Bogen um die beste Pizzeria am Ort machen. Was ist können schlaue Kompromisse sein? Zum einen empfehle ich immer, schwer verdauliche Gerichte mittags zu essen, wenn die Verdauung auf Hochtouren läuft. Also Pizza mittags, leichtes Gemüsesüppchen abends.

Ein weiterer kluger Kompromiss meinerseits wäre, kleine Sünden an das Mittagessen zu koppeln. Beispielsweise danach noch kurz in die Pasticceria. Ziel ist es, dass der Magen sich zwischen den Mahlzeiten entspannen kann (und der Blutzuckerspiegel auch). Im Idealfall 3-4 Stunden. Sich daran zu halten ist manchmal nicht einfach (mir gelingt es momentan an 3 oder 4 von 7 Tagen), doch ich merke, dass mir besser geht, wenn es mir gelingt.

War's doch mal ein bißchen viel oder ein bißchen zu bunt, haltet euch an Gemüse. Oder entlastet den Stoffwechsel z. B. mit einem Kitchari. Ich habe dies im Laufe der Reise mehrfach gemacht: Manchmal reichte ein leichtes Kitchari als Abend oder Mittagessen, mal habe ich es über mehrere Tage als kleine "Detox-Kur" gegessen. Der Stoffwechsel erholt sich dann schnell wieder, den grundsätzlich schätzt er Italien: Eine Vielfalt an Gemüse, und in der Regel super frisch zubereitet.

Italien & Laktoseintoleranz

Gefühlt ist in Italien überall Milch drin, doch es gibt auch hier mittlerweile viele laktosefreie Produkte. Während ich in Deutschland meist Laktasetabletten bei mir habe, habe ich in Italien auch viele dieser laktosefreien Produkte gekauft, da die Tabletten im Vergleich zu Deutschland deutlich teurer und unhandlicher waren. Man bekommt sie aber problemlos in jeder Apotheke.

Fazit Stintino

Hin da. Wer Ruhe mag, Natur und wenig Trubel. Gutes Essen und für den Kochen Teil eines guten Urlaubs ist, für den empfehle ich dieses Örtchen wärmstens. Ob mit Baby oder ohne, mit Auto oder ohne. Die Anreise ist vielfach möglich: Flüge gibt es von Deutschland z.B. nach Olbia. Wir dagegen sind mit der Fähre übergesetzt, das geht unter anderem von Genua und Barcelona aus. Und nun: Gute Reise! Oder habt ihr Fragen? Dann schießt los!