Ayurveda am Morgen

Heute geht's mal nicht ums Essen oder Kochen, sondern um andere Aspekte der ayurvedischen Lehre, die ich lieb gewonnen habe. Eine Reihe kleiner Rituale – hier erfahrt Ihr welche, was sie bewirken und weshalb ich sie schätzen gelernt habe.

Guten Morgen mit ayurvedischer Morgenroutine

Früh Aufstehen

Wie früh? lautet wohl die erste Frage. Vor Sonnenaufgang lautet die traditionelle Antwort. Auch der Tag wird von den Doshas bestimmt, und in der Kapha dominierten Zeit nach 6 Uhr kommt man schwieriger aus dem Bett heißt es.

Zum Glück ist Ayurveda für Pragmatiker: Sich dem Ziel 80% zu nähern ist allenfalls besser, als sich dem Druck der Perfektion hinzugeben. Ich stehe also circa 6:30 Uhr auf und liebe die Morgenstunden. Ich mag die noch ruhige Energie des Tages, in der ein Versprechen auf mehr liegt. Auch die Nacht ist freilich ruhig und hat eine ganz eigene Energie, wie ich aus Nachtschichten im Call Center als Studentin erinnere. Und doch bedaure ich nichts mehr als einen verschlafenen Morgen, an dem ich gefühlt die Hälfte des Tags verpasst habe.

Zunge reinigen

60-80% der Bakterien im Mund tummeln sich auf der Zunge. Bei Mundgeruch, als Vorbeugung für Entzündungen im Mund ist das Reinigen der Zunge nicht nur in der ayurvedischen Lehre angesagt, sondern auch bei Zahnärzten. Man kann dafür einen Zungenschaber oder eine Bürste verwenden, aber auch ganz einfach die Zahnbürste. Einige Zahnärzte halten die Zahnbürste sogar für wirkungsvoller, weil sie sagen, der Schaber bleibt zu sehr an der Oberfläche der Zunge, die ja eine sehr komplexe Oberflächenstruktur mit vielen Winkeln  hat. Ich habe einen Zungenschaber und benutze ihn jeden Morgen, außer im Urlaub.

Öl für den Mund

Ayurveda kennt aber noch etwas anderes als das Zunge schaben, und zwar das Ölziehen: Hierbei nimmt man ca. 1 TL Öl (beispielsweise Sesamöl) und gurgelt bzw. zieht diesen einen paar Minuten zwischen den Zähnen hin und her. Das Öl wird nicht hinunter geschluckt, sondern ausgespuckt. Das Öl, so die ayurvedische Lehre, bindet Giftstoffe und Bakterien, die sich auf der Zunge ansammeln und sorgt dafür, dass sich diese leichter entfernen lassen. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht. Ich bilde mir jedoch ein, dass ich seit ich dies alle 1-2 Wochen mal mache, weniger Schwierigkeiten mit Aphten oder dergleichen habe und ein besseres Geschmacksempfinden. 

Öl für die Nase

Alles kriegt ein bisschen Öl: Auch die Nase. Ich mache das vor allem im Winter, wenn die Luft trocken ist, oder wenn ich das Gefühl habe, die Nase ist trocken. Dann gebe ich mit dem kleinen Finger etwas Sesamöl in beide Nasenlöcher und verreibe dies kurz. Die Schweden haben es in einer kleinen Studie ebenfalls im Vergleich mit Kochsalzlösung probiert und Sesamöl scheint hier vorn zu liegen. Hilft übrigens auch super bei trockener Luft auf Langstreckenflügen.

Öl für den Körper

Abhyanga heißt die ayurvedische Ganzkörper-Ölmassage. Jeden Tag wäre perfekt – und auf einmal begreift man, weshalb die ayurvedische Morgenroutine traditionell um 5:30 Uhr beginnt. Da wir alle keine Perfektionisten sein wollen (müssen): Ich mache das alle ein bis zwei Wochen einmal. Man sagt, die Massage verjüngt und belebt. Zweites auf jeden Fall: Eine Dusche ist schon entspannend, eine Massage und eine Dusche fühlen sich an wie ein kleiner Urlaub am Morgen, wirklich. So geht's:

  1. Ich fülle meist einen Zahnputz-Becher mit richtig heißem Wasser.
  2. Darauf stelle ich ein kleines Schälchen mit z. B. Sesamöl. Das Öl erwärmt sich so etwas, den Rest machen die Hände. 
  3. Los geht's: Bayan Botanicals hat eine nette Anleitung für die Massage an sich.
  4. Idealerweise soll das Öl einwirken. Doch was macht man so ölig im Bad? Manchmal höre ich Podcasts, Hörbücher oder Radio, manchmal springe ich einfach direkt unter die Dusche. Ist vielleicht nicht so wirkungsvoll, aber auf jeden Fall belebend.
  5. Öl abduschen: Für die Haare habe ich ein extra After-Oil Shampoo. Ich habe auch normales Shampoo probiert, da blieb das Haar strähnig. Für den Körper ein sanftes Duschgel.
  6. Schön entspannt durch in den Tag starten. 

Man kann die Selbstmassage auch abends machen, dann gehe hinterher lieber in die Badewanne als unter die Dusche – herrlich entspannend, besonders im Herbst und Winter. Oder vor bzw. nach Langstreckenflügen – nicht nur die Nasenschleimhaut wird trocken in der Luft. Außerdem erhöhen Reisen die Vata-Energie und Massagen wirken wohltuend auf sie.

Warmes Wasser

Nun ist man also sauber. Jetzt heißt es, den Rest des Körpers aufwecken. 2-3 Becher warmes Wasser kurbeln die Verdauung an. Mit Ingwer oder ohne, ganz nach Belieben. Die Betonung liegt auf warm, nicht heiß. Nebenbei wird der Flüssigkeitsverlust der Nacht gleich mit ausgeglichen. Wohl bekommt's! 

Ich erinnere mich, dass ich anfangs sehr, sehr skeptisch gegenüber warmem Wasser war. Grundlos. Schmeckt wie Wasser, ich vertrage es aber besser als kaltes Wasser. Mittlerweile, wenn es in Restaurants keinen Tee gibt, den ich mag, trinke ich auch gerne einfach warmes Wasser. Komisch angeschaut wurde ich dafür nur beim Depeche Mode Konzert in Dresden.

Yoga

Jetzt noch ein bisschen bewegen, das kurbelt Kreislauf und Verdauung an. In disziplinierten Zeiten mache ich jeden Morgen ca. 30 Minuten Yoga. In undisziplinierten Zeiten weniger (Hauptsache auf die Matte) oder gar nicht.

Ab auf's Klo

Zur ayurvedischen Morgenroutine gehört auch, den Müll von gestern rauszubringen ("Elimination"). Die Giftstoffe der Nacht von Mund und Haut wurden bereits weg geschabt oder geduscht, jetzt kommt der Darm dran.

Regelmäßiger Stuhlgang ist nach Ayurveda ein Zeichen für einen ausgeglichenen Organismus. Warmes Wasser und einige Yoga-Postionen – beispielsweise der Stuhl – befördern das.

Fertig.

Wie spät ist es? Das dauert, oder? Schon. Ich brauche mit Selbstmassage etwa 1,5 Stunden, bis ich am Frühstückstisch sitze. Um 8:30 Uhr verlasse ich das Haus. Die Massage mache ich natürlich nicht jeden Morgen. Lasse ich sie aus, brauche ich circa 45 Minuten weniger Zeit. Ich gönne mir die Massage etwa einmal pro Woche - entweder Montags oder Freitags, je nach dem, was mir wichtiger ist: Entspannt in die Woche starten oder sie entspannt ausklingen lassen? Probiert's aus und entscheidet selbst!

Habt einen schönen Tag, meine Lieben!