· 

La dolce vita in San Remo

In San Remo an der ligurischen Küste haben wir es gut gehen lassen. Hier, heißt es, blühen die Rosen besonders schön. Wer den Trubel eines lebhaften, kleinen Städtchens mag, der kann sich hier für eine Zeit nieder lassen, auch mit Baby.

San Remo: Hipster-Mini auf der Promenade

Essen! Markt!

Ihr wisst ja, ich liebe Märkte. Selig war ich, als ich sah, dass unsere Airbnb-Wohnung direkt am Mercato Coperto lag. Der Markt hatte jeden Tag geöffnet und fast jeden Morgen marschierte ich mit dem Mini dorthin und kaufte frisches Gemüse und Obst. Die Preise lagen deutlich über dem, was ich aus Sardinien gewohnt war, vielleicht gerechtfertigt durch das schier überwältigende Angebot. Ich brauchte wenige Tage, dann hatte ich meine Lieblingsstände mit Bio-Angebot, der gewünschten Frische und Freundlichkeit.

Auf dem Markt war die Saison ablesbar: Zucchiniblüten soweit das Auge reichte. Auch ich kochte sie einmal, ganz untypisch unayurvedisch, nach klassischem römischen Rezept mit Sardellen und Mozzarella – eine Kombination, die die ayurvedische Küche eher nicht empfiehlt, da Fisch und Milchprodukte ganz unterschiedlich verstoffwechselt werden. Manchmal steht der optimale Stoffwechsel eben nicht im Vordergrund, sondern die Neugier oder das Geschmackserlebnis.

Direkt neben dem Markt, in der Via Debendetti, auf dem Weg zu unserer Wohnung befand sich ein Bäcker Il Fornaio Saraceno, der schnell zu meinem Lieblingsbäcker wurde. Auf Sardinien habe ich gemerkt, ich brauche nicht viel: einen Ort für gutes Gemüse, einen guten Bäcker, guten Kaffee und 1-2 gute Restaurants. That's it. San Remo hat viel mehr Auswahl, doch im Kern bleibt es dabei. 

Zum Essen ausgegangen sind wir während unserer Elternzeitreise selten. In Ligurien macht das nichts, denn es gibt hier zwei Spezialitäten, die sich prima mitnehmen lassen: Focaccia und Farinata. Beides findet man an jeder Ecke in unterschiedlicher Qualität. Wir haben viel ausprobiert, so dass ich mich nicht erinnere, wo es mir am besten geschmeckt hat. Macht es uns einfach nach und testet euch durch!

Und dann wäre da noch italienisches Eis. Der Ort für Eis in San Remo ist die Piazza Cristoforo Colombo. Hier reiht sich ein Eisladen an den nächsten. Am besten hat mir das Eis bei der Gelateria Slurp geschmeckt, denn dort gab es ein großes Angebot von Eissorten, die vegan und köstlich waren.

die Pista Ciclabile

An der ligurischen Küste wurde aus einem Stück alter Bahntrasse ein Fahrradweg gemacht, insgesamt 24km Strecke,  der auch San Remo durchläuft. Auch als Fußgänger kann man darauf laufen. San Remo ist quirlig und laut, doch wer auf der Pista Ciclabile läuft oder fährt, der merkt davon nur vereinzelt etwas. Großartig finde ich so etwas. Die Pista verbindet Strände und Städtchen und wir sind sie fast täglich gelaufen. Fahrräder geliehen haben wir nie. Kann man aber problemlos machen: Nolo Bici hat mehrere Verleihpunkte entlang der Pista. Von einer Stunde bis zu einem oder mehreren Tagen ist alles möglich. Die Preise liegen bei ca. 15€ pro Rad/Tag. 

Läuft man die Pista vom Casino in Richtung Imperia/Genua kommt man an den Häfen und der Villa Nobel mit ihrem Garten vorbei. Der Garten selbst ist etwas für Kenner. Ich fand ihn nett: Viele Palmen, ein paar Röschen, ein paar Stiefmütterchen. Kenner wüssten vermutlich, dass hier teilweise seltene Pflanzenarten, Palmengewächse und eine hohe Monterey-Zypresse zu bewundern sind. Der Park befindet sich zwischen der Pista und einer Straße: Überquert man diese, gelangt man in den Garten der Villa Ormond, in der heute das International Institute of Humanitarian Law sitzt. Der Garten ist öffentlich zugänglich und vielfältig, wir haben allerdings nur einen Bruchteil gesehen.

Läuft man die Pista Ciclabile vom Casino aus in Richtung Ventimiglia kommt man an einigen Strandabschnitten vorbei und hat die Möglichkeit bei der Pasticceria La Foce auf einen Caffè und süße Teilchen einzukehren. Alles mit Pistazien ist hier ein Gedicht. Die Pasticceria befindet sich nur wenige Schritte abseits der Pista: Der Umweg lohnt sich!

Läuft man weiter, trifft man auf Sportplätze und einen Platz, auf dem Camper und Wohnwagen scheinbar frei stehen dürfen. Wer per Van anreist, für den mag dies eine gute Alternative sein. Die Gegend ist relativ schmucklos, doch der Blick über die Küste an dieser Stelle rau und schön.

Die Strände

In Italien sind Strände meist bewirtet oder "teils teils" (spiagga libera attrezzata)Tre Ponti ist der größte freie Strandabschnitt. Der Strand liegt sehr schön an der Pista Ciclabile. Am besten verlässt man die Pista, wenn sie die Str. Tre Ponti kreuzt, auf Höhe der Paninoteca La Cueva. Danach kommt man nur schwer runter.

Der Strand selbst besteht aus mehreren Abschnitten. Man liegt im Sand, doch ins Wasser geht man über Steine - das muss man mögen. An sonnigen Tagen ist es hier brechend voll. Es gibt Strandbars und ebenfalls einige bewirtete Abschnitte. Ich brauchte etwas, mich an den Strand zu gewöhnen: Es war heiß, ich bin ohnehin niemand, der gerne in der prallen Sonne am Strand liegt, und in meiner Erwartung war der Strand größer. Das lag vermutlich am Foto von einem menschenleeren Strand, das ich im Netz fand, und das gegen 5h morgens entstanden sein musste. Alles in allem wirkte Tre Ponti wie der lebendigste Strand, an dem Einheimische baden und feiern gehen, vor allem aus den angrenzenden Wohnvierteln, während viele andere Strände den Touristen und Wochenendreisenden vorbehalten scheinen.

Diese Strandabschnitte ähneln sich alle, preislich und vom Look. Doch auch ein bewirteter Strand hat Vorteile, vor allem mit Baby, stellten wir fest: Es gibt Duschen, Umkleiden, Liegestühle mit Sonnenschirm und im besten Fall einen Rettungsschwimmer, der bei den Kleinen für etwas Zerstreuung sorgt. 

La Pigna

San Remos Altstadt La Pigna erkunden wir mit dem Mini im Tragetuch. Durch die engen Gassen kommt man mit dem Kinderwagen schwer. Einfach wohnt es sich hier, das erkennt man. Kunst im Kleinen, Bars und Restaurants, kleine Hintergärten und Höfe erspähten wir. Den schönsten Blick über die Stadt hat man von der Kirche Santuario dell Madonna della Costa. Beim Plausch auf der Parkbank blickt man über die Stadt und auf das Meer hinaus.

Fazit zu San Remo

Ich mochte San Remo. Ich mochte unser Appartment, das von einer Katzenliebhaberin funktional-verkitscht eingerichtet war. Trotz der Nachbarn, die morgens um 6h die ersten Curries mit Knoblauch kochten. Landschaftlich gibt es reizvollere Ecken, ohne Zweifel, und doch lebte es sich in San Remo für zwei Wochen herrlich entspannt.

Es gab nicht viel zu tun, doch man findet genug Zerstreuung: Essen, shoppen, Rad fahren, Blumen schauen. Wer möchte, kann auch mal ins Wasser springen. Und wer das tut, sagt Daniel, sollte die Vorsaison wählen, denn dann sind die Strände noch frisch und aufgeräumt. Im September, wenn alle Urlauber weg sind, hinterlässt das an italienischen Stränden seine Spuren. Doch des Strandes wegen kommt man ja ohnehin nicht hierher.