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Südafrika: 2 Wochen Kapstadt – und noch etwas mehr

"Kapstadt ist nicht Afrika, das ist Europa!", sagte der Senegalesische Freund meines Mitbewohners einst. Ich weiß, was er meint: Cape Town erscheint einem wie Afrika light, vor allem, wenn man wie ich, als einzigen Vergleichspunkt Ostafrika hat. Cape Town ist bunt, entspannt. Es gibt Kunst, Wein und gutes Essen. Könnte ich in Kapstadt leben? Ja!

Die Reise kam überraschend für mich. Meine Tante lud mich 2014 ein, Sylvester mit ihr und ihrer Freundin in Betty's Bay bei Kapstadt zu verbringen, wo sie beide ein Haus besitzen. Ich machte wenig Pläne und lies die Reise weitestgehend auf mich zukommen. Ich dachte viel ans Surfen, doch verunsicherten mich die Haie – trotz der Shark Spotters, die es an den Stränden gibt. Stattdessen sah ich Pinguine, verbrachte ein entspanntes Sylvester im Kreise älterer Damen, trank Wein und genoss köstliches Fleisch und Fisch vom Braai.

Kapstadt und Umgebung

Cape Town ist gesäumt von kleinen Orten entlang der Küste, Betty's Bay, wo meine Tante und ihre Freundin ihr Haus besitzen ist einer davon. Es gibt schöne Strände, und Landschaft. von Mitte August bis Mitte Oktober kommen die Wale und die Leute zum Wale Watching. Wir sahen Pinguine im Stony Point Nature Reserve in Betty's Bay.

Der Tafelberg: Das Wahrzeichen der Stadt. Ein Ausflug lohnt sich durchaus, allein des Blicks wegen. Einsamkeit sucht man jedoch vergebens. Man kann hoch wandern oder die Seilbahn nehmen. Ich kann tatsächlich empfehlen einen der Touri-Busse zu nehmen, um zum Tafelberg zu gelangen. Zum einen braucht man sich nicht um einen Parkplatz zu sorgen, zum anderen erfährt man etwas von Südafrikas Geschichte. Die Atmosphäre ist etwas künstlich: Jeden Tag erfahren ca. 3000 Besucher in 16 Sprachen auf diese Weise wie das wirkliche Kapstadt aussieht. Ein Band spielt abwechselnd Informations-Häppchen und Afropop-Stücke. Diese Musik habe ich übrigens nur dort gehört, der Radio-Sender kfm 94.5, den wir im Auto oft hörten, spielte eher die Smash Hits der 90er.

Wir machten Anstalten, das Kap der guten Hoffnung zu sehen, doch das Wetter spielte nicht mit (oder die Zeit), also sahen wir uns die Ortschaften entlang der Küste – Muizenberg, Fishhoek, Simon's Town – an, beobachteten Seehunde am Pier vorm Restaurant und begutachteten Kunst in den zahlreichen kleinen Galerien und Handicraft Shops. Diese Gegend gefiel mir ausgesprochen gut und ich könnte mir mit Leichtigkeit vorstellen, hier mehr Zeit zu verbringen. Gutes Essen, Kunst, Kaffee, Strand und Surfen, all das an einem entspannten Flecken in Afrika, klingt traumhaft in meinen Ohren.

Franschhoek

Wein – ich liebe ihn, allen Widrigkeiten zum Trotz. Wein (wie eigentlich aller Alkohol) ist schlecht für Reflux. Außerdem kenne ich mich nicht besonders aus, sondern folge dem Urteil schmeckt oder schmeckt nicht. Wie dem auch sei, ich wollte die Weinregion um Cape Town sehen. Ich liebe den Geschmack und Geruch von Wein und die entspannte Atmosphäre, die er mitbringt. Und in der Regel auch gutes Essen.

Sylvester hatte eine der Damen, als sie hörte, dass ich aus Oldenburg stamme, vom Weingut Oldenburg Wineyards erzählt, und so entschlossen wir uns, diesem einen Besuch abzustatten. Das Weingut ist exquisit und schön gelegen, etwas versteckt, der Blick von der Terrasse zeigt in die Weinberge. Wir kamen spät, dennoch bekamen wir noch eine Weinprobe und ich nahm zwei Flaschen köstlichen Syrah mit nach Hause. Ich warte immer noch auf die richtige Gelegenheit, diese zu trinken. Daniel und ich tranken ihn neulich an zu einem herrlichen Essen. Ich frage mich oft, weshalb man die Tendenz hat, Dinge für den besonderen Moment aufzuheben, wenn es doch doch manchmal genau diese Dinge sind, die den Moment zu etwas Besonderem machen.

Franschhoek ist ein idyllisches Städtchen. Wüsste ich nicht, dass ich mich in Südafrika befinde, würde ich denken, ich sei in Frankreich. Schöne Restaurants und Gallerien rechts und links der Straßen. Viele versuchen, das meiste daraus zu machen und bieten eine Mischung aus Bed & Breakfast, Weinproben oder Restaurant und Kunstgalerie. Wir spazierten durch den Ort, sahen uns etwas Kunst an, und traten am frühen Abend den Rückweg nach Kapstadt an.

Lambert's Bay

Im Gegensatz zu Kapstadt und den Winelands herrscht in Lambert's Bay am Western Cape eine ganz andere Atmosphäre: Raue, windige Küsten, die ihre ganz eigene Attraktivität haben. Wir fuhren auf sandigen Straßen entlang von Salzseen gefühlt ins Nirgendwo, checkten ein in einem kleinen Bed & Breakfast im Ort, ließen eine Reifenpanne  an der Tankstelle reparieren, und fuhren zum Muisbosskerm, einem beliebten Outdoor-Restaurant. Hier gibt es Fisch vom Braai, Wein, Salat, etwas Brot und Marmelade. Ich verliebte mich in Angel Fish - so köstlich!

Ein weiterer Grund, Lambert's Bay einen Besuch abzustatten ist Bird Island.  Bird Island ist einer von sechs Orten weltweit an denen Cape Gannets (Kaptölpel) brüten. Hier kann man sich das Gewirr der Cape Gannets von Nahem ansehen, ein durchaus beeindruckendes Schauspiel.

Fazit

Südafrika kann ich wärmstens empfehlen – vor allem denjenigen, die Afrika kennen lernen möchten ohne großes Risiko. Tatsächlich kann ich wenig Sights oder konkrete Orte empfehlen, sondern rate, dafür zu sorgen, dass folgende Dinge auf jeden Fall in eurem Südafrika-Urlaub vorkommen: Natur, Wein, Fisch, Steak und Kunst. Angel Fish, Yellow Tail und Snouk sind die Fischsorten, die ich am köstlichsten fand. Ich liebe Rusks, Biscotti-ähnliches Gebäck, das als Snack zum Tee gereicht und in den Tee getunkt wird.

Wer einen Einblick in Südafrikas Geschichte und Politik möchte, dem empfehle ich eine der Shows von Tannie Evita anzusehen. Herrliche Satire und auch für Ausländer, die kein Afrikaans sprechen, gut zu verstehen. Und vielleicht ist etwas dran: "You don't need a holiday, all you need is Cape Town!"