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Portugal: Wandern auf der Rota Vicentina

Wechselhaftes Wetter im März, doch niemals so schlecht wie am Morgen voraus gesagt – davon ab: wunderschön! So beschrieb ich Freunden unsere 5 Tage Wandern entlang der Rota Vicentina im Südwesten Portugals. Der Fernwanderweg wurde mit europäischen Preisen ausgezeichnet, mit Recht finden wir. Portugal lohnt sich immer, auch wenn die bessere Zeit für diese Route vermutlich der April oder Mai sind. Im März dagegen wandert man fast auf sich gestellt, bei Wind und Wetter. Begebt euch auf meine Fährte und seht, was wir gesehen haben!

Praia de Odeceixe: Etappe 3 unserer Wanderung an der Rota Vicentina

„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine – und ein Zustand der Seele.“

(Josef Hofmiller, deutscher Schriftsteller, 1872 – 1933)

Über die Rota Vicentina

Die Rota Vicentina ist ein Wandernetz, das sich über ca. 400 km entlang der Costa Vicentina im Südwesten Portugals entspannt. Das Wegenetz ist gut ausgeschildert und mir fiel vor allem auf, dass das Projekt die Region und ihre Bewohner einzubinden versteht: Taxi-Unternehmen dienen als Shuttle, um Etappen auf Wunsch zu verkürzen, Unterkünfte haben die Möglichkeit, sich auf der Webseite des Verbands mit Profilen vertreten zu lassen, und jeder spricht wohlwollend darüber, was die Wanderroute für die Region bedeutet. Auch, wenn die Portugiesen selbst angeblich gar nichts für's Wandern übrig haben. 

Daniel entdeckte die Route das erste Mal, als wir in Azenha do Mar den kleinen Fischerhafen erkundeten. In Arrifana lief Daniel einen Teil der Strecke, während ich Surfen ging, und hegte seit dem den Plan, die Route einmal bewusst zu laufen.

Wir wanderten insgesamt 8 Tage. Am ersten Tag landeten wir versehentlich zunächst auf der Via Algarviana. Als Entschädigung für den Irrtum blickten wir über Hügel. Am Ende stießen wir nach 9 km wieder auf die Rota Vicentina in Rogil. Das Wetter war gnädig. Frischer Wind und kurze Regenschauer entlang des Weges, doch der Hagelschauer brach erst herein, als wir gut geschützt im Kiosk bei Tosta Mista und Kamillentee saßen und das Ende unserer Tagesetappe feierten. Genau genommen begannen wir unsere Wanderung jedoch früher, in Carrapateira.

Carrapateira

  • Fischerpfad, Rundkurs

Carrapateira kannte ich bereits von früheren Reisen. Das Städtchen hatte ich als windigen Flecken in Erinnerung, mit einem unglaublich breiten Strand und der besten gegrillten Dorade eines ganzen Urlaubs. Wir blieben zwei Nächte in der lauschigen Pensão das Dunas und liefen als soften Einstieg für unsere Tour einen Tages-Rundkurs ohne Gepäck. Zwar waren wir bereits öfter gewandert, doch bislang waren wir kaum über längere Distanzen mit Gepäck gelaufen, oder, wie ich, in der 15. Woche meiner Schwangerschaft. Die Rota Vicentina bietet neben den Fernwanderwegen übrigens einige weitere Rundkurse wie diesen.

An einem schicksalshaften Morgen, an dem der Bürgermeister des kleinen Örtchens überraschend verschied, seine Frau, die Bäckersfrau am Ort, kein Brot backte, und die Frühstücks-Bar geschlossen blieb, ließen wir uns vom Taxi zu unserer ersten Etappe nach Aljezur fahren. Nach einem Tosta Mista begaben wir uns bei einer frischen Brise zunächst auf unseren Irrweg ins portugiesische Mittelgebirge. Wenn sich Menschen sehr sicher sind, ignorieren sie alle Zeichen - sogar im Doppelpack! Wir entschieden kurzerhand die Route zu verlassen und Richtung Rogil zu laufen, wo wir auf die Rota Vicentina stießen. 

Rogil besteht aus einer Straße, ein typisches Durchfahrtsstädchen also, doch man ist überrascht: Kleine Läden finden sich hier, eine schicke Bäckerei und ein Kiosk am Platz, wo sich der Ort versammelte. Das Hotel, das wir angesteuert hatten, wurde saniert, als Alternative boten uns freundliche Portugiesinnen ein Ferien-Appartement mit Badewanne zum selben Preis, inklusive Frühstück in der dazugehörigen Bäckerei. Am folgenden Morgen schulterten wir unsere Rucksäcke und liefen von Rogil über den Odeceixe Beach Circuit nach Odeceixe Stadt. Das Städtchen selbst hatte wenig zu bieten und das Hostel glich einer heruntergekommenen WG, wie ich sie in meinen wildesten Zeiten nicht erlebt habe - doch der Strand bei Odeceixe und das Fluß-Delta zählen für mich zu einem der schönsten Flecken Portugals.

Azenha do Mar bis Almograve

  • Fischerpfad, Odeceixe bis Azenha do Mar; Azenha do Mar bis Zambujeira do Mar
  • Zambujeira do Mar bis Almograve

Von Odeceixe wanderten wir nach Azenha do Mar, mit dem Ziel dort zu Mittag zu essen. Ein Geschäftskontakt hatte mir das gleichnamige Restaurant vor einigen Jahren empfohlen, es wirkt von außen ähnlich schmucklos wie hier beschrieben. Beim ersten Mal blieben wir eher zufällig, ratlos, ob dies wirklich das Restaurant war, was Jonas gemeint hatte. Es war früh, das Lokal noch leer, doch dies änderte sich binnen 30 Minuten. Punkt 12 Uhr ist hier die Hölle los. Das Essen war köstlich und der treibende Grund, diesen Flecken zu besuchen. Dieses Mal warteten 90 Minuten auf einen freien Tisch - es lohnt sich! Diejenigen, die keine Geduld haben, können an der Theke jedoch auch einen Toast und Kleinigkeiten bestellen.

Wir übernachteten wenige Kilometer weiter in der Casa da Seiceira, einer liebevoll gestalteten kleinen Apartment-Anlage. Hier stimmte alles bis ins Detail, selbst die Bettwäsche roch wundervoll. Wir brachen am Morgen nach einem umfangreichen Frühstück auf in Richtung Zambujeira do Mar. Das Städtchen schmiegt sich malerisch in eine Bucht, doch das Wetter gab an diesem Tag kaum etwas davon Preis. Als wir die Bar Rita erreichten waren wir durchnässt und durchfroren und entschieden, an diesem Tag nicht weiter zu laufen. Am Abend nahmen wir ein leichtes Abendessen im Zentrum, das nahezu ausgestorben war. Wir lauschten dem Kellner, der uns aufklärte, weshalb alle Freisitze der Stadt gleich aussahen und teils halb fertig waren: Die Firma war insolvent gegangen, die Verantwortlichen hatten sich nach Valencia abgesetzt. Reparaturen am Konstrukt mache er nun für alle behelfsmäßig. Der Herr stammte gebürtig aus Pforzheim und sprach gutes Deutsch. Mit den Eltern war er als Kind zurück nach Portugal gekommen. Weg, sagte er, möchte er hier nicht mehr.

Mit dem Taxi ließen wir uns am folgenden Morgen bis zum Cabo Sardão bringen und wanderten von dort nach Almograve. Almograve überraschte uns als kleines Urlaubsnest mit ein paar Restaurants am Ort und einer Pastelaria, die köstliche Croissants bereit hielt. Das Städtchen ist umgeben von traumhaften Stränden, was die Popularität erklärt. 

Eine 10köpfige Reisegruppe aus Bayern störte unsere Idylle ein wenig, so viele Menschen und lautes Geschnatter waren wir nach ein paar Tagen entlang der Küste einfach nicht mehr gewöhnt.

Vila nova de milfontes

  • Fischerpfad, Almograve bis Vila Nova de Milfontes

In der Pastelaria in Almograve stärkten wir uns mit Croissant, Quittenmarmelade und Galão für die letzte Etappe unserer Wanderung, die uns von Almograve nach Vila Nova de Milfontes führte. Die Wettervorhersage war gut, es versprach zu Abwechslung warm und sonnig zu werden. Ich empfand diese und die Etappe davor als die schönsten der Wanderung, und zwar nicht nur dank des herrlichen Wetters an diesem Tag: Der Weg ist abwechslungsreich und führt durch Dünen, durch kleine Wälder und entlang von Feldern, wo man geschützt läuft. Erreicht man Vila Nova de Milfontes von Almograve her, kann man mit dem Boot über den Rio Mira übersetzen.

Vila Nova de Milfontes liegt direkt an der Flussmündung und bietet Sandstrände entlang des Ufers. In der Vorsaison ist es auch hier ruhig. Die Saison, so Pedro vom Hostel Hike & Surf, ist kurz. Im Juli und August ist das Örtchen quasi ausgebucht. Die Busanbindung ist optimal, aus fast allen größeren Städten gelangt man ohne Probleme nach Via Nova de Milfontes - dies gilt nicht für die gesamte Region, sondern ist der Popularität als Urlaubsort der Portugiesen geschuldet. Wir teilten die Begeisterung und blieben zwei Tage im verschlafenen und herrliche entspannten Städtchen. Die Infrakstruktur ist super, es gibt einige sehr nette Cafés und Restaurants. 

Von Vila Nova de Milfontes nahmen wir den Bus nach Lissabon und verbrachten zwei weitere Tage in der kleinen Metropole. Ich würde es beinahe als Wiedereingliederungsmaßnahme bezeichnen, und auch, wenn ich Lissabon im Vergleich zur Costa Vicentina diesmal als anstrengend empfunden hatte, bin ich der Meinung, die kleine Metropole eignet sich bestens, um sich wieder auf das Stadtleben einzustellen. 

Tips zur Rota Vicentina

  • Die Webseite des Verbands. Die Route, sowie Übernachtungsmöglichkeiten, alles in allem die verlässlichste Quelle.
  • Anreise über Lissabon oder Faro, und dann entsprechend mit den Überlandbussen zB von Rede Expressos oder dem Mietauto an in Richtung Costa Vicentina.
  • Taxen oder Busse (zwischen größeren Städten und entlang des historischen Weges) erlauben es, Etappen zu verkürzen. Die meisten Tagesziele liegen unter 25km und sind allgemein gut laufbar.
  • Wir haben Unterkünfte spontan, einen Tag im Voraus, gebucht, wenn wir den Plan für den kommenden Tag gemacht hatten. In der Vorsaison ist das kein Problem, in den Sommermonaten kann es empfehlenswert sein, zu reservieren.

Restaurants & Übernachtungen

  • PENSÃO DAS DUNAS (Carrapateira): Nette kleine Pension, netter kleiner Ort. Ein breiter Strand, vornehmlich für Surfer, ein paar gute Restaurants, eine Snackbar mit scheinbar den besten Burgern der Region. Die Pension ist farbenfroh und gastfreundlich.
  • CASA DA SEICEIRA (Asseiceira): Kleine, sehr schöne Apartment-Anlage mit Liebe zum Detail und einem schönen Frühstücksbuffet.
  • HIKE & SURF MILFONTES (Vila Nova de Milfontes): Kleines, stilvolles Hostel in zentraler Lage. Zum Hostel gehören ein kleiner Surfshop und eine Surfschule. 
  • RESTAURANTE AZENHA DO MAR (Azenha do Mar): Unter Einheimischen wohl bekannt, hier gibt es den besten Fisch der Region. Eintöpfe, Langusten, Dorade – je nach dem, was das Meer hergibt. Warten lohnt sich. Reste kann man problemlos als Doggy-Bag mitnehmen.
  • PORTO DAS BARCAS (Vila Nova de Milfontes): Ein traumhaftes Restaurant an der Rota Vicentina, ca. 3 km von Vila Nova de Milfontes entfernt. Aufregende Küche der Köchin Sophie. Wir hatten den Tip im Abenteuer und Reisen gefunden. Ich war sehr angetan und habe bedauert, nur einen kleinen Appetit gehabt zu haben. Wir aßen Vorspeisen und ich schwor mir, sollte ich noch einmal in diese Gegend kommen, hier noch einmal einzukehren.

Fazit zur Rota Vicentina

Die Rota Vicentina ist eine angenehme Wanderroute, die auch für Unerfahrene Wanderer wie uns gut zu bewältigen war. Die Strecke, die sich in den historischen Weg im Inland und Fischerpfad entlang der Küste teilt, ist abwechslungsreich und im März quasi leer. Mich hat sie überzeugt und mir gezeigt, dass man an der Costa Vicentina noch mehr machen kann, als Surfen. Hin da! möchte ich jedem empfehlen, auch wenn der Charme der Region deutlich subtiler scheint, als der der Toskana oder Provence.