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Italien: Strandurlaub in der Maremma

Hamburg hat es ja nicht so mit Sommer. Daniel und ich wollten sicher sein und buchten eine Woche Sonne in der Toskana. Die Sonne brannte auf uns nieder, das Essen war okay. Hört ihr da eine Enttäuschung? Ja, richtig: Entgegen meiner Erwartung schmeckt das Essen in der Toskana nicht überall super. Dennoch, Italien bleibt ein Land, indem man trotz Reflux sich Tomaten gönnen sollte. Mit anderen Worten: Wenn, dann hier!

Chi dorme non piglia pesce.
Italienisches Sprichwort ("Wer schläft, fängt keine Fische.")

Wir waren also auf Restaurants angewiesen. Die mediterrane Küche gilt als eine der besten der Welt, mein Anspruch ist entsprechend hoch. Doch obgleich die Dichte toller Restaurants in der Toskana höher sein mag als in Deutschland: Eine Garantie für köstliches Essen ist dies nicht. In unserem kleinen Ort Alberese gab es eine unterirdische Familienpizzeria, eine bessere Touristen-Pizzeria mit Weinen, Bier und Pizzen, die noch etwas Würze hätten vertragen können, sowie eine kleine Bar, in der wir mittags für köstliche Salate und leckeren caffè einkehrten. Kulinarisch hat die Woche bei mir dementsprechend einen recht diffusen Eindruck hinterlassen:

  • Frische Tomaten und herrlich cremiger Mozzarella sind die Stars der Toskana. Der Salat am Mittag in der Bar Magi war mein kulinarisches Highlight von Alberese. Ich lernte, dass es überhaupt nicht traurig ist, in Deutschland auf Tomaten und Mozzarella zu verzichten, wie ich es in Hamburg üblicherweise tue (Tomaten aufgrund der Refluxkrankheit, Mozzarella aufgrund der Laktose). Kein Problem, weiß ich jetzt, beides schmeckt nur am Mittelmeer wirklich gut, ich esse das zukünftig hauptsächlich dort.
  • Frühstücken: in Venezia göttlich, in Roma gemütlich. Wir reisten per Zug an, aufgrund von Gewitter in Hamburg zur geplanten Abflugszeit. Auch wenn die Sorgen vermutlich unbegründet waren. Über München, Venezia, Roma und Grosseto fuhren wir bis ins kleine Alberese. Für Interrail bin ich zu alt, so viel kann ich sagen. Gelohnt hat sich der Trip jedoch allein für das nette Frühstück in Venezia mit einer Freundin von Daniel. Venezias Pasticcerias sind einfach hinreißend. Ähnlich angenehm habe ich unser Frühstück im Caffè Perú in Roma in Erinnerung. Ein Tip, über spottet by locals, den ich so nur weiter tragen kann. Eine kleine Perle in der Nähe des Campo di Fiori, abseits des Touristen-Gewühls. Tolle Lampen, leckerer caffè. In der Vielzahl kann italienisches Frühstück nämlich sehr langweilig und trocken sein, nicht so hier.
  • Bier statt Wein. Ein kulinarisches Highlight hatte Alberese dann doch zu bieten und zwar Bier. Vom Craftbeer Hof erfuhren wir zwar erst bei der Abfahrt, der Wow-Effekt traf mich jedoch zu Beginn der Urlaubswoche in der Pizzeria beim Genuss eines Enki Brown Ale. Der Gaumen sagte "Oh! Was ist das denn Feines?!" Ein feines Tröpfchen, leicht aromatisch, wirklich rund.

essen & trinken

When life gives you twists and turns, chique yourself up in Italy!
Barbara Conelli

Maremma – ein feiner Flecken Italien. Die Region wird als Rad- und Wandergebiet beschrieben, fern ab vom Massentourismus, sofern man das von Italien überhaupt sagen kann. Daniel und ich quartierten uns in einem kleinen Agriturismo ein, über Groupon, bisweilen wundert es mich, dass es die Plattform überhaupt noch gibt. 

Mein Plan war klar: Sonne, essen, entspannen. Zum ersten Mal seit langem gelang mir das wirklich. Ich verbrachte einen kompletten Tag am Strand, im Schatten von Tüchern, gelegentlich ins leicht gekühlte Meer springend, versunken in Christian Krachts "Der gelbe Bleistift". Triste Tropen auf Papier, und vor mir das Mittelmeer. 

Der Strand, die Marina di Alberese, liegt am Rande des Nationalparks der Maremma. Zugang zum Park erhält man über einen rumpeligen Shuttle-Bus oder mittels einer organisierten Tour. Unser Tour-Guide, deren Namen ich vergessen habe, sprach italienisch, doch ich verstand grob dank Daniel. Daniel übersetzte und ergänzte die Erläuterungen der Dame um weitere Erzählungen aus der Zeit der Etrusker: Natur und Geschichte.

Wilder Rosmarin, Kräuter, die sich angeblich in Metaxa befinden, silberne Pinien säumen die Hügel des Nationalparks, zur Küste hin gibt es Sumpfgebiete und breite, einsame Strände. Einsam, weil es bei 33°C Hitze, einem holprigen Bus-Shuttle und einer 1-2-stündigen Wanderung durchaus Überwindung kostet, sich dorthin zu begeben. Anders beim Strand, an dem wir zum Ende unserer geführten Tour gelangten. Beinahe Badewannen-Wasser plätscherte in der Bucht, die sich Cala di Forno nannte. Touristen spielten Beach Volleyball, fütterten Rehe trotz Verbotsschildern, so etwas passiert, wenn die Sonne zu heiß am Himmel steht.


Wir blieben 3 Stunden, dann wanderten wir zurück. Die folgenden Tage verbrachten wir, den Sonnenbrand pflegend, im Zimmer unserer Agriturismo-Herberge oder im Schatten der Häuser, in Cafés, unter Bäumen. 

In Castiglione de la Pescaia, einem malerischen Städtchen an der Küste, gönnten wir uns Aperol Spritz zu Gnocchi am Mittag im Skipper Beach Club an der Promenade, im Schatten natürlich. Die Strände sind sauber, und -- auch das ist für Italien typisch -- den einzelnen Restaurants oder Hotels zugeordnet. Das Örtchen zieht viele Touristen an, in Alberese war es dagegen regelrecht einsam.

Nach gut einer Woche kehrten wir der Maremma den Rücken zu und stiegen in den Zug nach Rom. Bei 35°C fielen wir vom Dorf in die Stadt. Ich war sichtlich überfordert. Doch eines war zurück: Das Essen! Zwar hatte die Hälfte der Restaurants am Tag vor unserem Abflug geschlossen (Sonntagsruhe), wir konnten vom Kaffee, Brötchen bis hin zum Carpaccio jedoch einige Leckereien finden, die mich mit der italienischen Küche wieder versöhnten. Und der Pantheon. Immer wieder beeindruckend.

Italien tat gut. Die Bräune hält an.