Lebensträume: Meine Bucket List

Kürzlich las ich NEON, die Zeitschrift für Leute, die eine Parmesan-Reibe besitzen. Der Titel hatte mich angesprochen: „Was tun auf der Welt?“, fragte die NEON und lieferte gleich ein paar Vorschläge. Einige davon, das gebe ich zu, gefielen mir sehr gut!

Eike-Marie Bucket List

Angesichts dessen, dass meine Oma Annegret meinen Tanten, meinem Bruder und mir nach ihrem Tod letzten Herbst eine Summe vererbte, die zu klein ist, um sich eine Immobilie zu kaufen, und zu groß ist, um sie zu ignorieren, stellt sich die Frage unter ganz neuen Voraussetzungen. Wäre ich Anfang 20, Single und joblos, wäre die Antwort klar: Auf geht's, Weltreise! Doch heute...? 

Eine Überlegung, die ich bereits häufiger hatte, ist beispielsweise, meine Kurzsichtigkeit durch eine Laser-OP oder Ähnliches korrigieren zu lassen. Man sollte meinen, dies ist auch unter normalen Umständen ein greifbarer Wunsch, doch bislang habe ich mein Geld ganz klar lieber in Reisen gesteckt – der Genuss liegt da auf der Hand, im Gegensatz zu einem operativen Eingriff, der nicht ohne Zweifel oder kleine Ängste auskommt (Wenn es doch schief geht? Dann lieber doch ewig Brille & Kontaktlinsen, nicht wahr?). Ohne Kontaktlinsen oder Brille sehen zu können ist und bleibt definitiv einer meiner Lebensträume. Außerdem träume ich von:

Sehnsuchts-Reiseziele: Mongolei & Grönland

Auf der Baby Shower einer Freundin sah ich kürzlich einen Baby-Film. Ungefähr seit dem träume ich von der Mongolei. Der Film war ganz niedlich, und was mich einfach nicht mehr los lies, waren die Bilder der mongolischen Steppe. Da will ich hin!

Einen ähnlichen Effekt hatte Grönland auf mich. Ich hatte mal einen Freund, der ganz vernarrt war in Schnee und Eis. Schwer vorstellbar für mich, würde ich doch immer einen Sommerurlaub dem Skiurlaub vorziehen. Die Fotos, die Murat mir zeigte, begeisterten mich dennoch: Eine beeindruckende Landschaft. Keine Ahnung, wie ich mit der Kälte klar kommen soll, aber da will ich hin.

Mehr als zwei Wochen allein verreisen.

Das steht in der NEON auf Platz 1. Ich habe das für Daniel angekreuzt, tatsächlich finde ich wichtig das man das sporadisch macht. Man lernt dabei einiges über sich selbst. Wichtiger noch: Ich bin überzeugt, dass man mehr Kontakt zu anderen Leuten hat, als wenn man zu mehreren reist. Viele vermuten, es sei anders herum. Schon wenn man zu zweit reist, verbringt man viel Zeit im eigenen Kokon. Man ist sich selbst genug. Wenn ich alleine reise gibt es diese Momente auch, in denen ich mir selbst genug bin. In den anderen Momenten bemühe ich mich jedoch deutlich aktiver um Kontakt und lerne so mehr Leute kennen. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich nach wie vor gerne ein paar Reisen mit Couchsurfing verbringe. 

Auch als Paar finde ich es gut, gelegentlich allein zu verreisen. Auch da pendelt man sich ein. Es tut gut, sich zwischendurch daran zu erinnern, dass man auch allein in der Lage ist, sich in der Welt zurecht zu finden. Das vertieft die Bindung, da sie sich weniger aus einer Abhängig speist, sondern mehr aus dem Gefühl, dass man zusammen sein möchte, weil man es möchte.

Daniel hatte übrigens auch einige Punkte aus der NEON, die er mir nahegelegt hat, zum Beispiel mich mit meinem Bruder einmal richtig zu besaufen (Caspar, du weißt Bescheid!). Und möglichst lange Nächte durchtanzen – das könnte ich in der Tat mal wieder machen!

Ein Instrument lernen.

Den Wunsch habe ich immer noch. Er ist bereits zwei Jahre alt. Ich habe in einigen Wohngemeinschaften mit Musikern gelebt, und es heißt, sie seien intelligenter. Vielleicht kann ich da noch was aufholen? Man sagt mir nach, ich hätte kein Taktgefühl. Es gilt herauszufinden, ob dem wirklich so ist – oder ob es sich ändern lässt.

In ein Land fahren, von dem man rein gar nichts weiss.

Den Gedanken fand ich gut. Eine Kurzrecherche bei Wikipedia ergab, dass für mich folgende Ziele in Frage kommen: Armenien, Aserbaidschan, Brunei, Comoros, Äquatorialguinea, Guayana, Kiribati, Mazedonien, die Marshall-Inseln, Nauru, Palau, Suriname, Turkmenistan, Usbekistan und Moldova.

Den wirklich richtigen Ort für sich finden.

Das ist das, worum es mir geht beim Reisen. Es gibt so viele Orte, an denen Menschen ein erfülltes Leben haben. Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig. Und doch gibt es Orte, Städte, die geben einem gar nichts. Wer die Jahreszeiten mag, empfiehlt die NEON, sollte in Europa bleiben. Ich habe mal gegoogelt, wo auf der Erde das ganze Jahr über ca. 25°C sind. Madeira lautete die Antwort, die Insel des Ewigen Frühlings. Das, so scheint es, ist erst für das Alter eine wirkliche Option.

Bis dahin sollte ich mir vielleicht die Niederlande und Schweden näher ansehen. Auf jeden Fall, wenn ich Geert Hofstede Glauben schenke. Geert Hofstede war mir aus dem Studium ein Begriff, als es um das Thema Interkulturalität ging. Nicht ganz konfliktfrei damals. Heute stolperte ich im Internet über eine Analyse der japanischen Kultur nach seinem 5 Dimensionen-Modell. Ich suchte so etwas anlässlich meines Flugs nach Tokio am Dienstag, präventiv, um nicht in alle kulturellen Fettnäpfchen zu treten. Um den Wert der Analyse einschätzen zu können, schaute ich mir die Analyse von Deutschland an und checkte, ob ich mein Heimatland wieder erkannte. Das passte ganz gut, und weil ich neugierig war, füllte ich einen eigenen Fragebogen für mein ganz privates Scoring aus und lies überprüfen, wo ich in Portugal (Madeira?) anecken würde. Laut dem Modell passe ich, Eike, besser zu Schweden und den Niederlanden. Vielleicht gibt es dort einen Ort für mich? Lande ich am Ende doch noch in Groningen? Richtig ausprobiert habe ich es nie...

Richtig Kochen lernen.

Meinen Rezepten kann man ruhig vertrauen, ich kann schon ein bisschen kochen. Wenn ich daran denke, Kochen zu lernen, dann meine ich Kochen vom Profi lernen, mir Dinge aneignen, die mir bislang schwer fallen, oder wo ich gerne mehr Details wissen würde, von Leuten, die sich besser auskennen als ich. Das möchte ich beispielsweise gerne können:

Pflegen, was Spass macht

Bucket Lists, habe ich das Gefühl, sind oftmals eine Ansammlung von Dingen, die man noch nicht gemacht hat, und das ist auch richtig. Zu meinen Lebensträumen hat sich in letzter Zeit jedoch ein Traum gesellt, der in eine andere Richtung weist: Ich möchte häufiger Dinge wiederholen, nicht aufhören, bestimme Dinge zu tun. Ich möchte wieder richtig Auto fahren können, und reiten. Ich möchte wieder öfter malen und zeichnen, und für eine längere Zeit surfen fahren. Ich möchte nicht aufhören, Dinge zu tun, die mir Spaß machen, solange sie mir Spaß machen. Wie von allein schleichen sich der Alltag und das Alter ein, und man vergisst einige dieser Dinge und stellt fest, dass man sie so lange nicht gemacht hat, dass man nicht mehr sicher ist, wie sie funktionieren. Kann ich noch Schlittschuhfahren? Mal ausprobieren. Ich möchte pflegen, was Spaß macht, das gilt für Hobbies wie für Freundschaften.

Etwas kultivieren

Seit ich in San Francisco einen Mini-Workshop zum Vertical Gardening gemacht habe, seit ich die Blumen-Arrangements von A pair & a spare kenne, geht mir die Blumenladen-Idee nicht mehr aus dem Kopf. Was mache ich mit 50 oder 60?, frage ich mich manchmal, und Blumensträuße binden und Sukkulenten in Moos zu stecken, erscheint mir eine gute Antwort. Das möchte ich lernen und sehen, ob sich die Idee auch in der Realität gut anfühlt.

Abhauen, egal wohin.

Davon träume ich immer mal wieder. Immer, wenn mir alles zu viel wird. Irgendwann werde ich es einfach machen.

Einige der Anregungen aus der NEON habe ich in meinem Leben übrigens bereits umgesetzt: #15 Ehrlich zu seinen Eltern sein, #17 Seinen Großeltern sagen, dass man sie liebt (rechtzeitig, siehe oben), #23 Möglichst lange Nächte durchtanzen, #27 Einem Menschen vergeben, #25 Einen sterbenden Menschen begleiten, #30 Sich ein Haustier zulegen. Das Leben ist kurz und ereignisreich, vermutlich kann man unzählige Dinge auf seiner Bucket List stehen haben, oder nur fünf.

Mehr Gutes Tun

Nicht nur, weil das irgendwie angesagt ist – Flüchtlinge und so – sondern, weil es zufrieden macht und vielleicht sogar hilft, dem Burnout vorzubeugen. Außerdem habe ich ja öfter das Gefühl, mein Leben könnte sinnvoller sein. In unserem Zeithalter denke ich da vor allem an zwei Dinge: Der Gesellschaft etwas zurück geben, oder weniger Müll zu produzieren. Ich mag ja deshalb solche Projekte wie dieses Obstsammel-Projekt. Es erinnert mich daran, wie ich vor einigen Jahren in den Streinbrüchen um Leipzig Brombeeren, Sanddorn und Mirabellen gepflückt habe. Dabei habe ich bedauert, dass ein Großteil der Ernte dieser brachliegenden Flächen einfach verrottete (woraus ich mir gleichzeitig die Erlaubnis ableitete, mich bereichern zu dürfen).

Wichtig finde ich die Erkenntnis, dass Zeit spenden zufriedener macht als Geld spenden, dass aber beides benötigt wird. Viele großartige Projekte lassen sich nicht ohne freiwillige Helfer organisieren, aber auch nicht allein mit ihrer Hilfe. Gelingt es einem nicht, Zeit frei zu machen, ist eine Geldspende ebenso wertvoll. Und schon offenbart sich mir die Antwort auf die Frage: Was tun mit dem Erbe?, die ich am Anfang dieses Posts gestellt habe: Einen Teil des Geldes spende ich an die Obstpflücker und einen Teil an das Projekt Yoldaş, für das ich mich vor einiger Zeit bereits einmal als Mentor engagiert hatte. Und der Rest? Mal sehen, meine Liste hat ja noch einiges zu bieten.