Rückblick: Reisen & Kochen 2015

"Sollte ich einen Vorsatz für 2015 formulieren, so würde er lauten: Mehr Learning by doing.", sagte ich zu Beginn des Jahres. Ich sagte auch: "Es ist viel los. Langeweile will sich einfach nicht einstellen." Blicke ich auf 2015 zurück, kann ich sagen: Genau so ist es. Und: Mein Gott, war das anstrengend! 

2015 war ein volles Jahr!

"Ihr arbeitet zu viel!", sagte kürzlich ein Freund und Kollege über mich und seine Frau. "Naja, ich habe das schon im Blick, so viele Überstunden habe ich gar nicht.", sagte ich verteidigend, wusste aber sofort, dass er Recht hatte – und ich auch. Ich achte sorgfältig auf meine Überstunden und sorge für Ausgleich. Ich weiß Bescheid über Stressverhalten und habe doch in den letzten drei Monaten so reagiert wie die meisten von uns: Wenn es stressig wurde, habe ich nicht mehr gekocht und bin nicht zum Sport gegangen. "In stressigen Zeiten", hatte mir ein Therapeut mal gesagt, "müssen Sie darauf achten, dass sie Ihre wenige Freizeit optimal nutzen. Es gibt einfach Zeiten, da ist mehr los. Zu hoffen, dass man dann viel Zeit zur Entspannung habe, ist unrealistisch. Aber man kann darauf achten, dass einen das, was man tut, auch wirklich entspannt." Ich weiß, was das heißt: Yoga und Laufen gehen statt Couch und Netflix. Zeit für's Kochen nehmen, statt schnell etwas warm machen. Gemacht habe ich es trotzdem weitaus seltener, als ich mir gewünscht hätte. Das ist normal und vermutlich der Grund, weshalb ich in diesem Jahr mindestens 2x über Selbstdisziplin geschrieben habe, und zwar hier und hier. Ausprobiert habe ich nämlich einiges, was mich auf den Pfad der Tugend zurückbringen sollte.

Der Start ins Jahr 2015 war großartig: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in die USA gereist und war ganz verzaubert von San Francisco. 2015 habe ich einige Freundschaften wieder aufleben lassen können, andere Freunde habe ich seltener gesehen. Freunde haben Kinder geboren, Menschen sind gestorben, Freunde haben geheiratet, Wohnungen wurden aufgelöst und neue Häuser wurden gekauft, umgeräumt, ich habe alte Kollegen getroffen, neue kennen gelernt; ich habe weiter Türkisch gelernt und kann noch immer kein Instrument spielen, was ich mir 2014 einmal vorgenommen hatte, zu lernen. Es ist immer viel los, und Langeweile will sich einfach nicht einstellen. Das ist der Grund, weshalb ich von Sabbaticals nichts halte, aber viel davon, sich öfter einmal kurz rauszuziehen. Das Tempo zu drosseln, wie beim Wandern oder die Perspektive zu wechseln, indem ich von woanders arbeite als sonst. 

"Mehr Learning by doing!", hatte ich gesagt, und das gilt für's Kochen wie für die Arbeit. Kochen ist ein einziger Versuch: Wie wirken die Aromen, wie viel Temperatur braucht der Ofen, die Konsistenz der Marmelade könnte fester sein, der Teig flüssiger. Einige schöne Rezepte haben meinem Weg gekreuzt im letzten Jahr. Und doch: Die meistgelesenen Artikel 2015 sind nicht automatisch auch Artikel, die ich 2015 geschrieben habe, sondern eher all-time favorites:

Objektiv: Die 5 Am häufigsten gelesenen Artikel 2015

Kitchari ist ein Klassiker der ayurvedischen Küche, ein Magenschmeichler. Ich habe zahlreiche Varianten versucht, in der Mehrzahl schmecken sie eher lasch. Die richtige Konsistenz hinzubekommen ist, ähnlich wie bei Risotto, eine Kunst. Leichter ist da eindeutig das Kartoffelpüree, ebenfalls eine Wohltat für den Magen. 

Dass sich hier die Hochzeitsfeier meiner Freunde Lucas & Domi findet, liegt sicherlich an ihrem großen Freundeskreis. Selbst mit Abstand war dies ein herrlich entspanntes Fest, an das ich gerne zurück denke. Mit den Rusks träume ich mich regelmäßig nach Südafrika.


Subjektiv: Die schönsten Blog-Momente für mich Persönlich

  • Kochen mit Freunden. Ich kenne eigentlich kaum SchöneresEine Pasta-Maschine ist immer ein guter Anlass: Etwas aufwendig, nichts für den Alltag, aber genussvoll, wenn man sich die Mühe macht. Ich habe die Regel, dass Gegenstände mindestens einmal im Jahr benutzt werden müssen – sonst werden sie aussortiert. Das entlastet und gibt mir einen guten Grund gelegentlich zum Essen zu laden.
  • "Hast du eigentlich mal wieder dein geiles Apfel-Chutney gemacht?", fragte mich Jessy, meine Nachbarin kürzlich. Das Apfel-Chutney habe ich auch in bester Erinnerung und habe es seit der Entdeckung ein paar Mal gemacht. Herrlich fruchtig, frisch, mit einer angenehmen Schärfe. Ayurvedisch und regional/saisonal. Chutneys sind die kleinen Alleskönner der ayurvedischen Küche. Sie vereinen alle Geschmacksrichtungen und sorgen so beim Essen für einen guten Ausgleich.
  • "Tausche Granola Rezept gegen ayurvedischen Kartoffelsalat!", sagte Jessy mir auf Facebook. Sie selbst hat den Blog Fourchette & Knife und macht nebenbei Senf. Ich bekam im Gegenzug für mein liebstes Sommer-Kartoffel-Salat-Rezept ein wunderbares Müsli-Rezept. Üblicherweise hat Kartoffelsalat im Sommer vieles, das ich nicht vertrage (Tomaten, Zwiebeln, viel Fett). Meine ayurvedische Variante kommt mit wenigen Zutaten aus, die alle gut für meinen Magen sind, und wirkt herrlich erfrischend dank Petersilie und Avocado.
  • Vietnam. Dieser Urlaub und diese Küche haben mich nachhaltig geprägt. Gerade simmere ich wieder eine Suppe. Den Reisebericht fertigzustellen hat ewig gedauert, ich bin froh, dass ich es geschafft habe, ihn fertigzustellen. Apropos: Die Top 5 der angesehenen Seiten lässt darauf schließen, dass ich Reiseberichte eher für mich selber schreibe. Ich finde das nicht schlimm, denn sie liefern in der Regel einen Kontext zu den Rezepten, die ich koche. Man sucht vermutlich nicht danach, doch es mag interessant sein, sie zu entdecken.
  • Zwei Reisen sind mir dieses Jahr besonders in Erinnerung geblieben: San Francisco erwähnte ich bereits. Ebenfalls beeindruckt hat mich Galicien. 
San Francisco im Februar: Vertical Gardening, Kochbücher bei Omnivore und auf Entdeckungs-Tour am Abend in North Beach.
San Francisco im Februar: Vertical Gardening, Kochbücher bei Omnivore und auf Entdeckungs-Tour am Abend in North Beach.
Galicien im September: Teils köstliches Essen und dicke Blasen vom Caminho Portugués.
Galicien im September: Teils köstliches Essen und dicke Blasen vom Caminho Portugués.

My English speaking alter Ego

My blog is German, however I started it in English. English plays an important role in my life, even though I never lived in a country where I spoke English. At work, nearly every day in meetings or at the coffee machine I speak English. It has been like this for almost 10 years. I watch movies in English and read books in English, I wouldn't want any translations. It is the foreign language I feel most comfortable with and have little difficulties in saying what I want to say. That probably is the reason why I still cannot abandon it completely here. Every now and then I sneak in an English recipe, like a carrot crumble or hummus. I hope you don't mind.

Und 2016? 

Weniger Jammern (über Reflux und Laktoseintoleranz) und mehr Selbstdisziplin. Also noch mehr üben, üben, üben. Ich möchte viel reisen, weiter Türkisch lernen, viel kochen und mit Freunden essen. Ich möchte malen und surfen gehen, den Kopf in die Sonne halten und Pinguine sehen. Ich möchte Menschen kennen lernen, die mich beeindrucken und mir andere Perspektiven aufzeigen. Ich möchte mich weiter entwickeln. Ende 2016 möchte ich hier stehen und sagen: "Ich habe Selbstdisziplin entwickelt und mir geht es großartig!"

2016 werde ich außerdem versuchen, was mir 2015 nicht wirklich gut gelungen ist: Meine Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Dinge zu richten. Ich las irgendwann in der brand eins einen Artikel über einen Mann, der die ersten Stunden seines (kurzen) Arbeitstages regelmäßig der Frage widmet: "Was mache ich hier eigentlich? bzw. Was sollte ich als Nächstes sinnvollerweise tun?". Das klingt beneidenswert und erstrebenswert. 

Im ersten Schritt werde ich das Tempo drosseln. Den Januar verbringen Daniel und ich in Chile. Vier Wochen Chile, das klingt doch fast wie ein Sabbatical. Seit Tagen träume ich von Gletschern und Avocados. "Chile!", sagten meine Freunde in Leipzig belustigt, "Für Chile haben wir damals viele solidarische Tänze getanzt!". Ich selbst habe im Studium viel über und aus Chile gelesen. Carlos Franz Roman "El desierto" hat mich damals tief beeindruckt. Chilenischen Indie-Pop wie den der Gruppe Dënver fand ich wohltuend. Daniel sagt, er muss mir erst einmal ordentliches Spanisch beibringen. Weon kenne ich schon.