Reise: En Goede Dag in Groningen

Genau genommen ist Groningen im Herbst/Winter genauso ansprechend wie Hamburg. Es regnet und windet, doch manchmal ist ein Perspektivenwechsel alles und so war ich kürzlich wieder für zwei Tage in Groningen, anlässlich eines Konzerts und zum Arbeiten. Das kann man im "Het Concerthuis" oder beim "Uurwerker" besonders gut.

Dass ich ein wenig verliebt in Groningen bin – schon lange – brauche ich ja nicht wiederholen. Als ich sah, dass die Band dEUS, in Lissabon und in Groningen Konzerte gibt, aber nicht in Deutschland, war das für mich ein guter Grund, Groningen mal wieder einen Besuch abzustatten. Das Konzert war nicht so gut, wie erhofft, der Tag danach war dagegen mooie (oder mooi wie der Plattdüütsche sagen würde). Auf deutsch: wunderschön.

Ich fuhr am Sonntagvormittag mit dem Zug von Hamburg nach Groningen und quartierte mich über Airbnb bei Sasja und ihrem Mann in der Lingestraat in einem kleinen Raum im Dachgeschoss ein. "Lovely Surfy Attic" nannte sich das Zimmer, und das war es auch. Groninger Badezimmer, die zwei Eindrücke, die ich habe, haben dagegen viel mit den speisekammergroßen Badezimmern in Hamburg gemein: Klein, eng und ohne eigenes Fenster. Ich mag die kleinen Häuschen in den Niederlanden dennoch: Wer braucht schon viel Platz, wenn es gemütlich ist, frage ich mich? Im Sommer zieht es einen ohnehin nach draußen.

Und im Herbst? Ins Kino, sage ich. Also nutzte Ich den Sonntag-Nachmittag und ging ins Pathé, wo es es übrigens Kamillentee zur Vorstellung gibt bzw. geben kann. Ich aß bei De Kleine Moghul köstliches Curry zu Abend, dann begab ich mich zum Oosterport zum Konzert. Die Halle ist schön, nur der Sound war mir unangenehm. Ich tat, was meine Sitznachbarin tat, steckte mir Toiletten-Papier ins Ohr und fragte mich, ob dEUS vergessen hatten, dass dies ein Set mit ruhigeren Songs war, oder ob Konzerte mittlerweile generell so aufgedreht werden, dass jedes Wort, das ein "s" oder "sh" enthält, einen zusammen zucken lassen. Groningen ist klein, und so schlurfte ich nach dem Konzert durch Wind und Regen zu meinem gemütlichen Surfer-Dachgeschoss und war in 20 Minuten im Bett.

In Groningen kann man ja vor allem zweierlei: Einkaufen (auf dem Markt, in Geschäften, beim Souk) oder sich in Kneipen und Cafés die Zeit vertreiben. Das zweite hatte ich mir für den Montag vorgenommen. Ich wollte in Ruhe einige liegengebliebene Dinge von der Arbeit aufarbeiten und dabei mit leckerem Kaffee versorgt werden. 

Het Concerthuis

Ein geruhsamer Start in den Tag im Concerthuis

"Berlin-like" sagte Sasja, sei Het Concerthuis. Retro-Chic heißt das, und mir gefiel das gut. Es ist eine Wahrnehmung, die ich generell von Groningen, Berlin und auch Leipzig habe: Cafés und Bars sind hier stärker durch einen eigenen Stil geprägt, selbst wenn es Gemeinsamkeiten und Trends gibt, denen sie folgen. In Hamburg ist so etwas nicht leicht zu finden, schnell wird es zu schick, zu niedlich, zu bio, zu stylish.

Morgens um 10 an einem Montag war nichts los im Concerthuis, nur ich, drei Herren und ein Boxer hielten sich im vorderen Teil des Concerthuis auf. Ich klappte meinen Rechner auf, Wifi gibt es nahezu überall, genoss den guten Espresso und Ingwertee, und machte mich an die Arbeit.

Ich arbeite zwischenzeitlich gerne aus Cafés, ich mag die Ruhe und das geschäftige Treiben gleichermaßen. Ich habe es zu schätzen gelernt, dass das Essen und der Café an den Tisch kommen, ich mich um nichts kümmern muss. Niemand steht an meinem Tisch und möchte etwas, und ich komme zu den Dingen, die im Büro-Alltag meist liegenbleiben.


De Uurwerker

Gegen Mittag musste ich mir ein wenig die Beine vertreten und wechselte zum Uurwerker. Auch dies ein Café, Bar, Restaurant mit vielen Eigenschaften. In der Nähe der Uni fand ich hier eine Ecke, die der lernenden Kundschaft vorbehalten war. Meine Kollegen hatten mir den Ort empfohlen, sie hatten kurze Zeit zuvor hier ein Meet-Up für niederländische Kunden veranstaltet.

Der Uurwerker liegt etwas versteckt in einer Seitenstraße/Platz, die Webseite ist ähnlich unübersichtlich und so stand ich erst einmal orientierungslos im Türbogen, nicht wissend, ob ich jetzt am Ziel war, oder nicht. Das Personal ist nett und gutaussehend, von da an lief alles wie von selbst.

Die Arbeitsecke ist ruhig und gemütlich, man hört das Klappern von Teetassen, das Wifi-Passwort heißt "heinecken", und das sagt auch etwas aus. Im Uurwerker gibt es Self-Service, man bestellt an der Theke, dann werden herrliche Pasta mit Hähnchen gebracht, oder Espresso, ganz wie es einem beliebt. Die Niederländer würzen stark, habe ich den Eindruck, das bedeutet: Für mich und meinen Magen ist es nur in Maßen zu genießen.


Gegen 19 Uhr trat ich den Rückweg nach Hamburg an. Am Bahnhof in Groningen steht ein Klavier. Es regnete und windete, und ein junger Mann spielte, den Rucksack hatte er neben das Klavier fallen lassen, Jeff Buckley's Hallelujah. Nicht fehlerfrei, aber gut genug, um dem Abend ein wenig Melancholie zu verleihen. Groningen, es war schön bei dir, wie immer. Bis zum nächsten Mal!