Reise: La Isla Cies

"Unheimlich schön", sagte die Süddeutsche Zeitung (Heft 16/2015) über die kleine Insel - von der ich bis dahin noch nie gehört hatte. "El caribe Gallego", sagen die Galicier selbst, und bei gutem Wetter wird es trotz Zugangsbeschränkung voll auf der Insel. Wir blieben drei Tage: Wir wanderten, tranken café con leche und beobachteten das Treiben auf dem (einzigen) Campingplatz der Insel.

Täglich 2200 Leute dürfen auf die Isla Cíes. Die Insel galt als Geheimtipp, doch seit der Guardian die Insel lobpreiste, sei die Hölle los, sagte Jorge vom Hostel in Pontevedra. 2200 Menschen für eine Insel klingt erst einmal nicht viel – doch man spürt den Unterschied: Sowohl der Wechsel von Donnerstag auf das Wochenende, ebenso wie die Abfahrt der letzten Fähre am Tag um 19 Uhr zeigten uns, was es ausmacht, wenn die Insel voll ist. Eine offizielle Kontrolle gibt es nicht wirklich – die zwei konkurrierenden Fährunternehmen legen in Eigenverantwortung fest, wie viele Leute sie auf die Insel bringen. Wenn die Fähre um 19 Uhr ablegt, hat man die Insel wieder für sich. Für sich, das bedeutet gemeinsam mit den insgesamt ca. 800 Leuten, die der Campingplatz aufnehmen kann.

Wunderschöne, einsame Strände am Morgen

Yoga am Strand, sagt man ja, ist traumhaft, und so zog ich in der Frühe los, um am Strand meine Glieder zu strecken. Ich mag Zelten, doch nach einer Nacht auf der Thermarest sind meine Glieder erstmal steif. Die Playa de Roda, der Premium-Strand der Insel, stellte sich beim ersten Versuch als sehr zugig dar. In einer windgeschützten Ecke und mit kalten Füßen im noch kälteren Sand versuchte ich am ersten Morgen eine gute Figur abzugeben. 

Die Insel ist klein, und so probierte ich an den folgenden Morgenden weitere Strände aus. Mein Lieblings-Strand wurde Nosa Señora de Carracido: Außer mir waren lediglich ein paar Möwen am Strand. Der Strand ist vom Wind geschützt und die Bucht liegt morgens im Schatten und ist in ein feines Blau getaucht.

Yoga in der Frühe am Strand, kurz bevor die Sonne rum kommt
Blick von der Playa Nosa Señora de Carracido auf das Meer am frühen Morgen nach der Yoga-Session

Mit der Zeit hatte ich den Flow raus. Der Sand auf der Isla Ciés ist klebrig und ich hatte keine Matte oder Handtuch dabei, also konzentrierte ich mich auf Figuren im Stand. Als halber Mond blickte ich auf den blauen Horizont und fühlte mich wackelig, aber fabelhaft. Ich nutze eine App, bei der einem ein tiefenentspanntes Mädchen bei sphärischen Klängen ins Ohr säuselt, was man tun muss. Am Anfang fand ich das hilfreich, da ich mich so aufs Gleichgewicht konzentrieren konnte, und nicht überlegen musste, was als nächstes kommt. Irgendwann verabschiedete ich mich jedoch vom Mädchen und lauschte lieber den Wellen.

Camping auf der Insel: Einfach, aber Funktional

"Ein Hippie-Camping-Platz" stellte Daniel kurzerhand fest, als wir am ersten Tag unser kleines Zwei-Mann-Zelt aufbauten. Ganz klar, vor Dauercampern im übergroßen Wohnmobil ist man hier sicher, denn auf der Insel fahren keine Autos. Wer ein geräumiges Zelt möchte, dem bietet sich die Möglichkeiten, eines der fest installierten Zelte vor Ort zu mieten, die mit Feldbetten ausgestattet sind.

Der Campingplatz hat alles, was man braucht: Feuerstellen zum Grillen, einen kleinen Supermarkt, ein Restaurant, je nach Bedarf mit Service oder im Self-Service, eine Bar und Spaßprogramm (Yoga, Pilates, Kayak-Touren).

Die Bar ist der Dreh- und Angelpunkt des Campingplatzes. Sie öffnet um 10 Uhr. Morgens beim ersten Café doble con leche blickten wir von der Terrasse auf die erste Fähre: "Da kommen sie wieder!", dachte ich, während ich den Kopf in die Sonne hielt. Die Bar ist simpel, aber funktional: Jeder Platz ist mit 4 Steckdosen ausgestattet, so dass man beim Kaffee das Smartphone mit Strom versorgen konnte. Einige der Steckdosen sind auch von außen zu erreichen, und so waren die Plätze nahe der Fenster oft am begehrtesten.

In der Bar des Campingplatzes erkannte man schnell, wer länger blieb. Selbst wenn man nur wenige Worte miteinander wechselte, fühlte man sich doch als kleine Gemeinschaft. Die Tagesgäste beobachtete man aus der Ferne und man freute sich, wenn am Abend wieder Ruhe einkehrte.

Kayak-Ausflug zur Illja San Martiño

Als wir den Faro de Ciés bestiegen, sahen wir in der Ferne eine Kayak-Gruppe zur Nachbarinsel übersetzen. „Lass' uns das doch auch machen!“, schlug Daniel vor, und so buchten wir für den folgenden Tag an der Rezeption eine 3stündige Kayak-Tour “sin experiencia previa / ohne Vorkenntnisse“ – auch wenn wir am Ende feststellten, dass unser Begleiter, nennen wir ihn Juan, natürlich lieber mit Kennern gefahren wäre. Das verwundert nicht, denn er fährt seit circa 30 Jahren Kayak, bei Wind und Wetter und beinahe sogar für die Olympischen Spiele. In einer Gruppe von 5 Leuten und Juan zogen wir los. Juan gab uns an Land eine kurze Einführung ins Kayak fahren, dann ging es aufs Wasser. Die ersten Minuten übten wir, umkreisten Bojen unter Juans Anleitung, dann ging es in Richtung Illja San Martiño. Wir kannten die Insel und ihren bezaubernden Strand ja bereits aus der Ferne:

Die Illja San Martiño

Wir hatten die Namen nicht ausgetauscht, daher waren Daniel und ich im Zweier-Kayak "El doble". Die Namen der anderen erfuhren wir im Rahmen des Lernprozesses ("¡Eva! ¿A dónde vas?“). Wir hielten uns an der Küste, um nicht von großen Wellen erfasst zu werden, dann überquerten wir den schmalen Bereich zwischen Isla Ciés und der Isla San Martiño. Juan war ein Naturbursche, er führte uns entlang der Klippen und ergänzte die Kayak-Tour durch einen infoteil über die Tier- und Pflanzenwelt des kleinen Archipels: Er zeigte uns Vögel, essbare Algen, Anemonen und Kaulquappen, die wir andernfalls nicht wahrgenommen hätten. Die Inselgruppe zählt zum Nationalpark Islas Atlánticas und ist unter anderem für ihren Vogelreichtum bekannt.

Wir genossen ein wenig die Idylle der Insel. Da man für das Anlanden eine Genehmigung braucht, schien es, war hier weniger los als auf den Stränden der Isla Ciés. Ich stieg tatsächlich auch einmal ins Wasser, entschied mich bei den folgenden Gelegenheiten jedoch dagegen: 18°C Wassertemperatur, das ist schon wirklich kalt. Nur so, vermute ich, kann sich Galicien vor Massentourismus schützen. Rein nach der Optik müssten die Strände ganzjährig voll sein.

Playa de San Martiño

Mit gut einer Stunden Verspätung kehrten wir zur Isla Ciés zurück. Juan überredete uns zu Dehnungsübungen, die wir mehr oder weniger willig mitmachten. Vermutlich bewahrten sie mich vor einem Muskelkater. Selbst mit Abstand würde ich den Ausflug mit dem spleenigen Juan, dem Kayakfahren und dem wundervollen Strand als einen Höhepunkt der Reise betrachten. 

Wie vertreibt man sich sonst die Zeit auf der Insel? Man geht an den Strand, oder man läuft eine der kleinen Wanderrouten, die zu schönen Aussichten, Vogel-Beobachtungsstationen und Leuchttürmen führen. Die Routen sind:

  • Ruta del Faro de Cíes: Sie führt in den Süden der Insel zum Leuchtturm Faro de Ciés und bietet einen schönen Blick zur Nachbarinsel San Martiño.
  • Ruta del Faro da Porta: Der Faro da Porta ist ein kleiner Leuchtturm unterhalb des Faro de Ciés, der Weg läuft ein Stück gemeinsam, dann steigt man zu Faro da Porta hinab oder zum Faro de Ciés hinauf.
  • Ruta Alto do Príncipe: Hier hat man einen wunderschönen Blick über die Insel und die Playa de Roda.
  • Ruta Faro do Peito: Hier läuft man zum Nordteil der Insel und blickt hinüber zur Isla de Ons, auf den Faro do Peito und auf eine Höhle, die Furna de Monteagudo, in der früher Piraten ihre Schätze versteckt haben (vielleicht).

Alle Wege sind zwischen 3 und 7 km lang und sehr entspannt zu laufen.

Kulinarisch darf man nicht viel erwarten auf der Insel. Das kleine Restaurant Serafín ist wohl das beste, vor allem die Lage ist hübsch. Neben dem Restaurant gibt es zwei weitere Möglichkeiten mit Self-Service, eine auf dem Campingplatz und eine im Hafen, sowie einen kleinen Brötchen-Imbiss, der am Wochenende öffnet. Der Café con leche der Bar jedoch – das war für meinen Geschmack der beste des ganzen Urlaubs. 

Mein Fazit: Die Isla Ciés, gerne noch einmal. Aber hier leben, Nein Danke – und das geht ja auch gar nicht.