Hamburg Kinners: Das Alte Land

Es ist Frühling! Ab auf's Rad! Am Morgen sah es noch gar nicht danach aus - am Ende erfreuten uns die Sonne, die Apfelblüte, und unverhofft Freunde auf halber Strecke. Was ich an Hamburg besonders mag: Das Umland ist schön und abwechslungsreich. Wie jedes Jahr um diese Zeit frage ich mich: Warum mache ich das eigentlich nicht jedes Wochenende?

Tatsächlich ist das etwas, was ich an Hamburg wirklich schätze: Das Umland ist schön und abwechslungsreich. Ob zu Fuss, mit dem Fahrrad oder per Kanu. Ein Ausflug in das Alte Land lohnt sich aus folgenden Gründen: Schöne Alleen, Wiesen, Felder, Deiche, Äpfel, Äpfel, Äpfel, Marmeladen und Kuchen. Von Hamburg ist dies  schon allein deshalb ein lohnenswerter Ausflug, da man mit der Fähre nach Finkenwerder übersetzt: Einmal über die Elbe, für den Hamburger fühlt sich das schon an wie Urlaub. Es folgte eine windige, raue Strecke um das Airbus-Gelände, doch dann folgten Deich und Glücksgefühl.

Den Ausflug organisierte Sven vom Freizeitnetzwerk Hamburg. Ich hatte mich dem Ausflug mit zwei Freundinnen , die ich von der Kochplattform Yumwe kannte, angeschlossen. Sven organisiert Freizeit für HamburgerInnen über 30: Gemeinsame Hobbies, Stadtteil-Führungen oder Ausflüge ins Umland. Ich fand Gefallen nach einer netten Führung durch Hamburg St. Georg und schätzte, dass die TeilnehmerInnen über 30 waren. Ausflüge und Stadtgeschehen gibt es auch bei Couchsurfing, ich habe jedoch das Gefühl, hier konzentriert es sich auf die Zielgruppe Anfang 20, wo trinken und Party machen noch stärker im Zentrum stehen - Dinge, die mich nicht so sehr interessieren. Lieber Natur, Essen oder Live-Konzerte.

Wir schlängelten uns am Deich entlang bis zum Obsthof Quast und kehrten dort auf ein zwei Stück Kuchen und Kaffee ein. Der Hof hat einen kleinen Hofladen, der neben Marmeladen auch zahlreiche Äpfel, eingelegtes Gemüse, Würste und Eier zum Verkauf anbietet. Ich kaufte eine Marmelade – Birne-Eberesche (Wie schmeckt Eberesche?) – und eine Wurst für Herrn Saavedra, der zu Hause geblieben war.

Auf der Sonnenterrasse mit Blick auf die Apfelbäume genossen wir unser Stück Kuchen, sprachen über Urlaube, Heimatstädte und Husky-Rennen. Erst spät, beinahe durch Zufall, erkannte ich am Nebentisch meine Freundin Franzi (und sie mich). Franzi war mit Freunden mit dem gleichen Plan nach Finkenwerder übergesetzt. Ich kenne den Obsthof Quast von ihr und dachte verzückt, als wir in die Hofeinfahrt rollten: Die nächste Tour müssten wir zwei gemeinsam machen, das Alte Land geht immer. Im Herbst nämlich, sind die Äpfel reif, im Sommer fährt man unterm schattigen Blätterdach die Alleen entlang.

Nicht weit vom Obsthof Quast liegt das Bilderbuch-Städtchen Jork. Busweise, so schien es uns, kehrten hier die Reisegruppen ein, bewunderten niedliche Backstein-Häuser. Wir dagegen radelten weiter an den Obstbäumen entlang.


Das Alte Land um Jork herum gilt als eines der größten Obstanbaugebiete Europas. Letztes Jahr im Herbst machte ich ein Apfel-Chutney mit Äpfeln aus dem Alten Land, die mir eine Freundin vermacht hatte. Eine Bekannte pflegte eine Apfelbaum-Patenschaft und teilte ihre Ernte großzügig. Ich denke seit dem ebenfalls darüber nach, ebenso wie ich immer wieder mit dem Gedanken an einen Schrebergarten spiele (es wäre so schön! Aber nein, zu aufwendig…) oder meinen Vater um seinen weitläufigen Nutzgarten beneide. Sämtliche Versuche auf dem Balkon neben dem Elbtunnel irgend etwas zu züchten habe ich verworfen und vertraue lieber auf die frische Luft auf der anderen Elbseite. Vielleicht im Herbst, eine Apfel-Patenschaft, mal sehen…

Von Jork radeln wir nach Buxtehude, dem Ziel unserer kleinen Radtour. Buxtehude ist ein ebenso beschauliches Städtchen wie Jork, jedoch etwas größer. Buxtehude ist die Heimat von Hase und Igel, was ihr den Beinamen ‘Märchenstadt‘ eingebracht hat. An diesem Tag allerdings begrüßten uns in der Innenstadt eine Autoschau, Holzekohlegrills und Bierbuden. Dennoch: Glücklich und zufrieden kehrten wir am Ende zurück nach Hamburg. Von Buxtehude nahmen wir für den Rückweg die S-Bahn, die mich und mein Fahrrad direkt vor die Haustür brachte. 

Am Ende hatten wir recht behalten: Der Tag begann grau und frisch, am späten Nachmittag jedoch hielten wir die Gesichter in die Sonne und standen in leichten Shirts auf dem Bahnsteig in Buxtehude. In Hamburg braucht es ein wenig Vertrauen, was das Wetter betrifft. Ein herrlicher Ausflug, von denen in der Art noch viele folgen sollen.