Rezept: Fenchel-Ingwer-Tee & Selbstdisziplin

Mir geht es derzeit wieder häufig im Magen rum. Auf der Suche nach Linderung bin ich über ein Tee-Rezept gestolpert - und über einige kluge Talks und Schriften zum Thema Selbstdisziplin. Der Tee hilft bei Blähungen und entfacht (im ayurvedischen Sinne) das Verdauungsfeuer - und sorgt damit für einen erholsamen Schlaf. Ruhe - das hilft am Ende auch bei der Selbstbeherrschung.

Rezept: Fenchel-Ingwer-Kardamom-Tee

Rezepte für Selbstdisziplin

Selbstdisziplin: Wo liegt eigentlich das Problem? Weshalb fällt es mir so schwer, mich zu beherrschen, wenn ich doch weiß, welchen Vorteil es bringt? Diese Fragen stelle ich mir immer dann, wenn ich mich mal wieder zu irgendwas nicht aufraffen kann, mein Kopf mir aber sagt: Ich sollte. Ich sollte: weniger Kaffee trinken, weniger Alkohol trinken, weniger Süßigkeiten essen, weniger Milch trinken. Also einfach weniger das, was meinem Magen Schwierigkeiten bereitet, und mehr das, was ihm Freude macht. Aber Kaffee ist lecker, Alkohol auch, und Süßes sowieso - sagt mein Appetit, besonders in Stress-Situationen.

Es fällt dem Mensch nicht leicht, sich in der Gegenwart für etwas zu entscheiden, das sich erst in der Zukunft auswirkt (und gegen etwas anders). Dan Ariely sagt: 

„In the future we are wonderful people. We will be patient, we will not procrastinate, we will take the medication on time, we will exercise (...). The problem is that we never will get to live in that future. We always live in the present and in the present we are not exactly that wonderful people.“ 

It's not just me! Ich bin beruhigt und fühle mIch doch ertappt. Mein Kopf weiß, dass weniger mehr ist. Habe ich jedoch erst einmal angefangen, Ausnahmen zu machen, finde ich jeden Tag einen Grund, weshalb ich gerade jetzt einen Kaffee, einen Wein oder viel Süßes brauche (bei Schokolade und Tomaten fällt die Abstinenz erstaunlicherweise gar nicht schwer, außer in Italien).

Der Mensch ist also nicht dafür gemacht ist, sich für etwas einzusetzen, das sich erst in der Zukunft auswirkt. Die Motivation muss also aus anderer Richtung kommen. Glücklicherweise gibt es dafür einige Rezepte --> 

--> Reward Substitution: Man ersetzt das ferne Ziel in der Zukunft durch etwas in der Gegenwart, das einen jetzt schon motiviert. Meine Ayurveda-Beraterin empfahl mir mal, gegen meine Magenprobleme Kartoffelsaft zu trinken. Bah. Das Zeug schmeckt dermaßen widerlich. Nach der Prozedur gönnte ich mir jedes Mal eine Tasse meines Lieblingstees, so gelange es mir besser, mich zu motivieren, als 'nur' mit der Aussicht auf einen gesunden Magen.

--> Commitment Devices (Dan Ariely nennt sie Self-Control Contracts): Das ist das Ulysses-Beispiel (ich lasse mich an den Mast binden, damit nichts passiert). Ich bin ein großer Freund davon. Ich lasse regelmäßig meine Kreditkarte zu Hause, um mein Portemonnaie zu schonen. Ich habe keine Süßigkeiten im Haus, weil ich dann nicht in die Versuchung komme, welche zu essen.

 Doch genau da wird es schwierig: Greift diese Technik nicht, fällt es mir schwer, mich zu beherrschen. Die Snackbox im Büro, Kuchen von Geburtstagskindern oder Leute, die fragen: „Möchtest du auch ein Bier?“. Das hat auch Daniel Goldstein festgestellt. Er sagt über Commitment Devices: Sie erinnerten einen daran, dass es einem an Selbst-Disziplin mangelt, obendrein würde man immer eine Ausrede finden - So wie ich.

Das Ideal bleibt die Selbstbeherrschung ohne Hilfsmittel. Den Kaffee vor sich haben, aber ihn nicht trinken. Sarah, die Mutter meines Mentor-Kinds Lucas, hat ihren Sohn so erzogen: Die Wohnung ist voller Süßigkeiten, und Lucas weiß, dass er jeden Tag eine bestimmte Anzahl nehmen darf - aber nicht mehr. Ich war beeindruckt, als ich dies zum ersten Mal sah. Wie man dort hin kommt? Durch Übung vermutlich, viel Übung.


Fenchel-Ingwer-Tee

Fenchel-Ingwer-Tee ist natürlich kein Rezept für mehr Selbstdisziplin, trotzdem hilft er mir dabei - und zwar, indem er mich beruhigt und mir hilft, mich zu fokussieren. Geht es mir gut, habe ich Selbstdisziplin. Fühle ich mich unwohl, fehlt sie mir. Das liegt daran, dass ich mir dann schnell unendlich leid tue, und das Gefühl habe, jetzt - wann, wenn nicht jetzt! - habe ich etwas wirklich Tolles verdient. 

Es ist vermutlich das dezente Aroma aus Fenchel und Kardamom, was den Tee so bekömmlich macht. Eine leichte Ingwer-Note (ich verwende weniger als im ursprünglichen Rezept) rundet den Tee ab. Statt Fenchel-Tee aus dem Supermarkt übergieße ich einfach einen Teelöffel voll Fenchelsamen mit heißem Wasser. Die Farbe! Auch toll. 

Fenchel wirkt krampflösend und ich vermute dies ist das Geheimnis der entspannenden Wirkung. Auch das Ritual wirkt förderlich: Ich trinke jeden Abend vor dem Zubettgehen einen warmen Tee. Das Ritual signalisiert mir und meinem Körper, dass es Zeit ist, runterzufahren. Wer den Tee ebenfalls versuchen möchte, rechts folgt das Rezept.

Für eine Tasse Fenchel-Ingwer-Tee braucht man:

  • 1 TL Fenchelsamen
  • ein Stück frischen Ingwer, je nach Belieben
  • Samen aus einer Kardamom-Kapsel, gemörsert

So einfach ist die Zubereitung:

  • Alles in ein Teesieb, mit kochendem Wasser übergießen und kurz ziehen lassen (ca. 5 Minuten), dann abseihen.
  • Telefon aus, Buch aufklappen, Tee trinken. 

Gute Nacht!