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Freunde besuchen in Flower Mound, Texas. 

Würde ich hier leben wollen? Eher nein. Dabei speist man auch hier vorzüglich: Steaks, Schmorgerichte aus dem Crock Pot: Man muss sie nur selbst kochen. Abseits davon gibt es Starbucks, Taco Bell, Jack in the Box und Applebee's. Spaß hatte ich trotzdem!

Fort Worth: Stockyards

Mein Reiseführer sagt: „Fort Worth hat sich noch etwas vom ursprünglichen Wilden Westen bewahrt. Davon zeugt in eindrucksvoller Weise das ebenso stimmungsvolle wie anregende Viertel Stockyards.“ Die Stadt war in den 1870er Jahren eine wichtige Station auf dem Chisholm Trail, auf dem Viehherden in Richtung Kansas getrieben wurden. Die Gebäude der Stockyards wurden restauriert und zur Sightseeing Attraktion umgebaut. 

Wie so oft an solchen Orten handelt es sich um eine eigentümliche Mischung aus historisch bedeutenden Gebäuden, teilweise nachgestellter Wild West-Idylle mit Souvenir-Shops, Fast Food-Restaurants und Country Music. In der Arena finden noch heute Rodeos statt, wie derzeit The American Semi-Finals, die einen daran erinnern, welch ein Charme bis noch vor circa 50 Jahren durch diesen Ort geweht sein muss.

Fort Worth: Ich mit Inka & Noam (und Nadav, der das Foto machte) bei der Stockyard Station.

Wir besuchten den Streichelzoo, liefen die Straße und die alte Stockyard Station entlang, warfen einen Blick in die Arena und gönnten uns zum Abschluss einen Cheeseburger bei Love Shack, einem  Imbiss mit entspanntem Ambiente, schlechtem Kaffee und einer anfangs gelangweilten, am Ende lächelnden Latina als Bedienung. Wer wissen möchte, was vom Wilden Westen übrig blieb, sollte den Stockyards einen Besuch abstatten.

Fort Worth: The Modern

Viele beschrieben mir Dallas / Forth Worth vor allem als große Stadt in der Wüste, so als sei dort nichts, was sich anzusehen lohne. Zu meiner Überraschung sah ich, Dallas bzw. Fort Worth beherberge mit The Modern die zweitgrößte Sammlung zeitgenössischer Kunst (nach dem Museum of Modern Art in New York). Kunst! Also beluden wir an einem sonnigen, aber kalten Dienstag das Auto und fuhren nach Fort Worth. Inka und ich, zwei Nordlichter in Texas, hatten allerdings nicht bedacht, dass es am Tag zuvor geschneit hatte. Von The Modern sah ich so viel:

Wir suchten nach Alternativen - selbst für den Zoo zeigten wir uns offen (so hätte wenigstens der kleine Noam etwas vom Ausflug gehabt), doch nichts hatte offen. Um nicht völlig tatenlos zu sein, tranken wir bei Starbucks eine Caffè Latte, dann setzten uns ins Auto und fuhren zurück nach Flower Mound.

Für seinen Dallas-Besuch wählt man besser eine Zeit mit verlässlicher Wetterlage, zum Beispiel den Sommer. 

Shopping Mall, Kino & Malerei

Und bei Wintereinbruch? Da geht man shoppen, vergnügt sich Zuhause - oder man schlägt bei Painting with a Twist auf. „Wir malen so ein Bild:“, hatte Inka mir gesagt sie und schickte mir einen Screenshot vom Werbeplakat. Das Motiv gefiel mir zwar nicht so sehr, ich war jedoch neugierig, ob das Konzept aufgeht: Unter Anleitung soll es einem gelingen, binnen weniger Stunden ein ordentliches Bild in Acryl auf Leinwand zu fabrizieren. 

Painting with a Twist

Der Mini-Workshop hatte gut 30 Teilnehmerinnen und ein paar Teilnehmer. Auch hier, ähnlich wie beim Stadtrundgang durch Chinatown in San Francisco, eine nette Mischung aus Freunden, Paaren mit Jahrestagen, Junggesellinnen-Abschieden und ersten Dates. Die Witze waren platt - wir malten „50 shades of green“ - doch die Atmosphäre war lustig. Beeindruckend war, wie viele Versionen von grünblauen Türen am Ende zu Tage traten. Tatsächlich, nach wenigen Stunden fuhren wir mit einem ordentlichen Bild nach Hause. 

Mein Bild mit blauer Tür ziert jetzt das Jimdo-Appartement in San Francisco. Beinahe mit Liebe schleusten es die Mitarbeiter des Security Checks am Flughafen in Dallas / Fort Worth durch die Sicherheitskontrolle. Mitgenommen aus Flower Mound habe ich ansonsten: Erinnerungen an herrliche Steaks mit Salat, Sonne, Schnee und Eis. An die scheue Whippet-Hündin Fay, die sich erst am Abend traute, sich auf das Sofa neben mich zu kuscheln. An Bagels und Kaffee am Morgen. An viel Zeit und tolle Gespräche mit Inka und Nadav. An gelöschte Blogeinträge durch kleine Kinder-Hände und Freudentaumel im Streichelzoo. Leben in Flower Mound? Eher nicht. Zu Besuch? Immer wieder!