Rezept: Ein Pastinakensüppchen: Frohes Fest!

"Eat, drink and be merry. For tomorrow we may diet.", habe ich kürzlich irgendwo gelesen. An jeder Ecke Kekse, Schokolade, Glühwein. Nicht einfach für eine, die darauf eigentlich verzichten sollte. Um Weihnachten im Zaum zu halten, folgt hier ein leichtes Pastinakensüppchen.

Ein Pastinakensüppchen mit Cashews

Weihnachten: Ein Fest der Familie

Also begab ich mich am 23.12.2014 mit der Mitfahrgelegenheit auf die Fahrt ins schöne Oldenburg. Der Fahrer war Sänger in einer Metal Band, während der Fahrt jedoch lief Cannonball von Damien Rice, ganz entspannt. In Oldenburg angekommen wurden wir gleich von einem Radfahrer gegängelt (wir standen auf dem Radweg). Oldenburg braucht kein Ordnungsamt, sage ich gerne, das übernehmen die Oldenburger selbst: Ich fühlte mich zuhause. Abgesehen vom spießigen Ambiente ist Weihnachten bei uns eine relativ entspannte Angelegenheit. Wir schenken uns nämlich nichts mehr. 

„Wohl dem, der Weihnachten ganz ohne Geschenke auskommt, einzig beseelt vom Duft der Gans.

Für alle anderen heißt es dieser Tage: Auf in den Kampf.“, sagt das Zeit-Magazin.

Auf Geschenke zu verzichten entschieden wir, glaube ich, letztes Jahr. Wir haben uns trotzdem lieb. Darum geht es ja: Zeit mit den Lieben zu verbringen - und darum, gemeinsam zu kochen. Die US-Amerikaner haben dafür Thanksgiving, wir haben Weihnachten.

Es bedeutet auch nicht, dass ich meinen Liebsten nicht gerne eine Freude bereite, nicht gerne schenke. Es geht eher darum, das Schenken als Selbstzweck zu umgehen. Ich erspare mir das Kopfzerbrechen ("Was schenke ich einem, der schon alles hat?") und konzentriere mich auf das, was wirklich wichtig ist: den Austausch untereinander. Kochen tun wir, weil es Spaß macht, und weil es sich beim Essen oder beim Verdauungsspaziergang viel leichter redet. Denn Weihnachten hat sich verändert mit den Jahren: Mein Bruder und ich sind erwachsen, wir wohnen alle in unterschiedlichen Städten (Oldenburg, Berlin, Hamburg). Wir sehen uns nicht mehr so häufig. Die Weihnachtsfeiertage sind oftmals die einzigen Tage im Jahr, an denen wir alle zusammenkommen. 

Weihnachten ist die Zeit der Nostalgie, heißt es. Es ist der letzte Rest Kindheit. Als wir noch schenkten, ergab sich daraus der ein oder andere Konflikt. So bekam ich jedes Jahr von meinem Vater einen Kasten Mon Chérie geschenkt, aus der tiefsten Überzeugung, ich würde sie lieben. Er hatte nicht unrecht: Ich liebte sie, als ich dreizehn oder vierzehn war. 

Weihachten: Das Aufrechterhalten alter Rituale

Eines dieser Rituale bei uns ist der Baum: Meine Familie väterlicherseits kommt aus dem Ammerland: Förster und Sägewerk-Besitzer. Das bedeutet, bei uns wird der Baum selbst aus dem Wald geholt. Früher haben wir dies mit einem großen Fest verbunden ("Tannenbaumschlagen") und sind mit Freunden in den Wald gefahren. Erst wurde geackert, dann gabs Glühwein aus Thermoskannen, Kekse und Gegrilltes. Das Fest gibt es heute nicht mehr, mittlerweile werden andere Feste gefeiert. Eine Zeit lang versuchten wir, es aufrecht zu erhalten (was schön ist, soll fortbestehen!), doch die Zeiten änderten sich: Meine Mutter starb 2002, Freundeskreise änderten sich, und mit ihnen die Bedürfnisse und die gemeinsamen Rituale. Die Tannen im Wald sind jetzt 20 Meter hoch. Den Baum holen wir jedoch immer noch direkt aus dem Wald, nur müssen wir jetzt länger suchen, bis wir ein kleineres Exemplar gefunden haben. Der Baum piekst, und erinnert daran, dass er eigentlich kein Deko-Objekt ist.

Noch so ein Ritual: Wir schmücken am Abend vorher. Früher bei einem Glas Rotwein, heute beim Tee - aber immer mit Musik. Es gibt zwei Alben, die ich an Weihnachten höre: King von Belly und eine Song-Sammlung, die mir meine Freundin Franzi aus Leipzig einmal gemacht hat. Die CD war ein Geburtstagsgeschenk und enthält somit neben Weihnachtsliedern auch ein paar italienische Schmachtfetzen und zeitlose Stücke. Wie beispielsweise dieses hier:

Weihnachten hat auch immer etwas von Klassentreffen. Die meisten verbringen ja Weihnachten zumindest teilweise bei den Eltern. Auf einmal kann man beim Einkaufen im Supermarkt („Wir haben keine Butter!“) wieder dem Schwarm von früher begegnen. Es ist nostalgisch, und ein bisschen gruselig - so wie Klassentreffen allgemein sind.

Ich spüre die Nostalgie dieses Jahr vermutlich besonders intensiv, da ich weiß, dass es das letzte Jahr Weihnachten in der Wohnung sein, in der ich meine Kindheit verbracht habe. Mein Vater zieht im April um. Ich finde das gut (ich habe es angeregt), empfinde aber so etwas wie Abschiedsschmerz: Die letzte Bastion der Kindheit fällt. Ich bin dieses Jahr 36 geworden. Vermutlich ist es an der Zeit.

Eigentlich ging es ja ums Essen

Ein Festmahl gehört zu Weihnachten ebenso wie der Baum. Einziges Problem: In der Regel ist es zu viel des Guten. Ganz gleich ob die Mengen (wie viele Gänge müssen es sein?) oder einfach die Anzahl der Mahlzeiten: Weihnachten bedeutet bei vielen Essen im Überfluss (und Mitgefühl für diejenigen, denen es anders geht). 

Auch bei uns ist das so. Weihnachten beginnt bei uns um 16:45 Uhr bei meiner 94jährigen Oma im Altersheim. Um 17:30 Uhr gibt es dort den Klassiker gestresster Hausfrauen: Bockwurst und Kartoffelsalat. Ein Brocken. 

Die zweite Feier findet bei uns Zuhause statt. Um 19:30 Uhr, wenn die Oma ermattet von der Anstrengung des Tages ins Bett sinkt, werden bei uns die nächsten Töpfe auf den Tisch getragen. Es gibt nur eine Vorgabe: Möglichst leicht soll es sein, und etwas Besonderes. Als Vorspeise serviere ich ein leichtes Pastinakensüppchen. Das Rezept habe ich von der großartigen Martha Stewart. Als Hauptgericht serviert Ute, die Freundin meines Vaters, eine Putenkeule mit Klößen und Rosenkohl. Ein (fast) klassisches Weihnachtsessen mit ayurvedischer Einleitung. Die Nachspeise heben wir uns für den ersten Weihnachtstag auf. Dies wird das erste Weihnachtsfest ohne Völlerei und ohne Geschenke. Ich freue mich darauf! 

Die Weihnachtstafel mit Kerzen beleuchtet.
Ein leichtes Pastinakensüppchen.
Der festlich gedeckte Tisch.
Der Weihnachtsbaum. Frisch aus dem eigenen Wald.

Und am Ende nehme ich doch ein paar Gegenstände mit nach Hause: Ein Messerset, das Geburtstagsgeschenk meines Bruders; zwei alte Industrielampen aus dem Sägewerk, drei Tischdecken und einige Teelicht-Gläser. Mein Vater wird sich in den nächsten drei Monaten vereinzeln müssen, und ich nutze die Gelegenheit, um noch ein paar Erinnerungsstücke einzusammeln. Der Nostalgie halber:

„Die Menschen geraten heute in nostalgische Verzückung über Dinge,

aus denen sie sich früher gar nicht soviel gemacht haben.“ (Verfasser unbekannt)

Frohe Weihnachten!

Ein Pastinakensüppchen

Zutaten:

  • 4 Pastinaken
  • 1 Möhre
  • 1 Kartoffel
  • 1 Apfel
  • Hühnerbrühe
  • 1 TL Cumin
  • 1 Cup Cashews
  • Frische Petersilie

Zubereitung:

  1. Die Pastinaken, Möhre, Kartoffel und Apfel schälen und würfeln.
  2. Öl erhitzen und das Cumin-Pulver leicht andünsten, bis sich das Aroma entwickelt.
  3. Möhre, Kartoffel und Apfel hinzugeben und ebenfalls leicht andünsten.
  4. Hühnerbrühe oder Wasser angießen.
  5. Nach ca. 5 Minuten die Pastinaken hinzugeben und noch etwas Flüssigkeit angießen. Je nach der gewünschten Konsistenz der Suppe sollte entweder das Gemüse nur eben bedeckt sein oder eben mehr. Die Suppe sollte ca. 20 Minuten auf kleiner Flamme köcheln.
  6. Cashews anrösten und gut die Hälfte der Cashews zur Suppe geben.
  7. Die Suppe mit dem Zauberstab pürieren.
  8. Im Anschluss etwas Sahne angießen und die Suppe abschmecken.
  9. Mit frischer Petersilie und ein paar gerösteten, gehackten Cashews garnieren.

Frohe Weihnachten!