Stadt #4: Ein November-Tag in Hamburg

Das Wetter ist herbstlich grau. Ich mag November nicht besonders: Alle Blätter fallen runter, es wird schmuddelig und jede Freude auf Weihnachten erscheint verfrüht. Was tun? Erst mal raus aufs Rad.

Hamburg in sonnigem Grau: Ganz schön eigentlich!

Erst kürzlich war ich mit dem Freizeit Netzwerk Hamburg in St. Georg. Für mich bedeutet dies immer einen kleinen Ausflug innerhalb Hamburgs - dies gilt übrigens für alle Stadteile, die nicht innerhalb von 30 Min mit dem Rad zu erreichen sind. Perfekt also für einen Tag wie heute. 

Beim kleinen Portugiesen Caravela gönne ich mir einen Galão und freue mich auf Portugal. In etwas mehr als einer Woche geht's los, und wie es aussieht, werde ich sogar surfen! Ein paar Meter weiter, im Lagerhaus, gibt viel Gedöns und zauberhafte Kleider. Ich mochte den Laden immer gerne, weil ich ein Faible dafür habe, schöne Dinge mit einem Café zu verbinden. Ich werde nicht fündig - das war zum Glück auch nicht das Ziel . Ich ziehe weiter zur Bibliothek.

Mit der Satteltasche voller Bücher schaue ich beim einzigen afghanischen Tandoor-Bäcker Hamburgs vorbei. Den kenne ich auch erst seit meiner Stadtteil-Tour vor ein paar Wochen. An der Strassenecke bekamen wir von einem Kunden gleich eine Kostprobe geschenkt: Köstlich und noch lauwarm. Man greift sich das Fladenbrot und befüllt sich die Tüte mit so vielen, wie man möchte. Ein Fladenbrot kostet 80 Cent. Ich entdeckte in der Vitrine noch etwas, das wie Hummus aussah, erfuhr jedoch, dass es sich um eine afghanische Frühstücksspezialität handelte. Es gelang der Frau hinter der Vitrine zwar nicht, genau zu erklären, worum es sich handelte, aber, so sagte sie, warm, mit etwas Öl, Zucker, und Hühnchen schmecke es köstlich. Ich nahm „es“ mit und glaube mittlerweile, dass es sich  um das hier handelt. Wer hätte das gedacht: Meine Hand greift zielsicher zu Porridge. 

Was machen Frauen sonst noch so an freien, verkaufsoffenen Tagen? Richtig, sie fahren zu Ikea. Heute erfülle ich das Klischee. Hamburg hat ja jetzt einen City-Ikea. Es gab viel Geschrei, am Ende kam Ikea trotzdem. Ob das ein Fluch oder ein Segen ist, wird sich zeigen. Tatsächlich habe ich nicht sehr viele Ikea-Gegenstände zu Hause, und ich meide Ikea, wenn es möglich ist - zu wuselig ist es mir dort, zu aufgeregt. Und: Was braucht man schon wirklich? Heute brauche ich etwas, und zwar Halterungen für unsere Gardinenstange. Also radele ich von St. Georg, vorbei am Michel, über die Reeperbahn, nach Altona. Gäbe es Ikea hier nicht, wäre es vermutlich Obi geworden.

Nun ist es kurz vor sechs und ich sitze auf dem Sofa und trinke einen würzigen Chai-Tee. Im Dunkeln, denn es ja Herbst. Ich übe mich im Nichtstun. Wie schwer mir das fällt, merkt man daran, dass währenddessen dieser Text entsteht. Ich übe noch…

Eine Stunde später stehe ich in der Küche: Hummus in der Ayurveda-Variante und zwei Tandoor-Fladenbrote werde ich mit zur Halloween-Party von Freunden nehmen. Die Linsensuppe ist für mich. Ich habe das Bedürfnis Tempo rauszunehmen. Ich mag Trockenes nicht, mein Körper verlangt nach sämigen Suppen, Haferschleim und Milchreis. Also koche ich Suppe nach einem ägyptischen Rezept.

Das Hummus-Rezept ist das Leckerste, das mir bislang begegnet ist. Mit Kokosmilch, Paprika und ein paar Kräutern schmeckt die Kichererbsen-Paste regelrecht erfrischend. Das Rezept stammt von Miram Hospedar.

Nun ist es 02:34. Wir sind früh zurück gekommen von der Halloween-Feier: Mein Hals ist rauh, die Stimme kratzt und die Müdigkeit griff um sich. Kostüme habe ich, wie so oft, versäumt zu fotografieren. Das passiert mir auch oft beim Essen. Morgen ist Samstag und Marktzeit. Auch da gibt's wieder Feines zu erleben, in Hamburg, im November.