Reise: Över't platte Land nach St.-Peter-Ording

Breiter Sandstrand, Dünen, Deiche und Schafe. Manchmal brauche ich das. Nur den Wind in den Ohren, oder das Knistern der Flussläufe in den Salzwiesen. Könnte ich hier leben? Eher nein.

Viel Watt bei St.-Peter-Ording

Einsam ist es in St.-Peter-Ording nicht. Aufgrund der Weite verteilt sich alles nur gut. Und so befindet man sich mitten unter Menschen, merkt aber kaum etwas davon. Anders als in Hamburg: Da ist man unter Menschen und merkt immer etwas davon. Um der Stadt zu entkommen, schnappten Daniel und ich uns für zwei Tage ein Carsharing-Auto und fuhren nach St.-Peter-Ording - SPO sagen Kenner. Wahrscheinlich das Kennzeichen. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir das Dithmarschener Land. Bekannt ist die Region für Kohl und Bier. Wir aßen Kuchen und Krabben.

Herrliche Torten im Café Koog kurz vorm Eidersperrwerk

Das Café Kroog, kurz vorm Eidersperrwerk, ist eine Empfehlung meiner Freundin Franzi. Franzi pries das Café als kleinen Landgasthof, idyllisch, mit hervorragenden Torten. Es war der erste Moment des Tages, an dem wir, im Strandkorb sitzend, über weite Wiesen blickten und nichts hörten, außer Vogelgezwitscher in der Ferne, ein paar Geräusche vom Hof und das Rauschen der Blätter im Wind. Wir waren kurz vor der regulären Koffietied eingetroffen und hatten in einem ruhigen Garten Platz genommen. Wenige Zeit später füllte sich das Café Koog mit Gästen und es wurde deutlich, dass dies kein Geheimtipp war. Kein Wunder: Das Ambiente ist idyllisch und die Kuchen sind köstlich.

Die Betreiber, ein Geschwisterpaar, waren nach ein paar Jahren in der Großstadt Hamburg zurückgekehrt auf den Hof, den sie nun mit einem Café, einer Ferienwohnung und einem Hofladen bewirtschaften. Das Café bietet neben Kaffee und Kuchen auch Frühstück, herzhafte Snacks und kleine Mitbringsel zum Verkauf an.

Ein ähnliches Konzept gibt es auch im Hofladen: Er wirkt wie ein uriger Tante Emma-Laden, bei dem man alles bekommt, was der Mensch braucht. Und das kleine Extra, das schön ist. aber eigentlich überflüssig: Pflanzen und Deko. Ich besorgte einen Hokkaido und einen Butternut Kürbis, zwei Haken für unseren Kleiderschrank und ein Röschen für die Hochzeit einer Freundin am Samstag, das wir fortan durchs Dithmarschener Land fuhren.

Café Kroog kurz vorm Eidersperrwerk
Café Kroog kurz vorm Eidersperrwerk

St.-Peter-Ording: Weite Wattlandschaft in Böhl

Vom Eidersperrwerk nach St.-Peter-Ording ist es ein Katzensprung. Wir suchten uns einen Campingplatz und bauten unser Zelt auf. Für ein kleines Zelt in der Nebensaison zahlten wir beim Camping Silbermöwe circa 16 €. Die Dauercamper schlurften am Morgen in Bademänteln über das Gelände und nahmen Neuankömmlinge wie uns als willkommene Abwechslung gastfreundschaftlich auf. „Was ist das denn?“, fragte eine Dame in den Waschräumen skeptisch, als ich meine Ohrstöpsel reinigte. Als ich erklärte, winkte sie ab: „Ach was, da nehme ich einfach mein Hörgerät raus.“

Der Campingplatz liegt im Ortsteil Böhl, ganz in der Nähe des Strandes. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, fuhren wir direkt an den Strand. Der Wattboden erwärmt sich schnell, und so konnte man bei den ohnehin sommerlichen Temperaturen noch barfuss laufen. Der Strand bei St.-Peter-Ording beeindruckt vor allem durch seine Weite: Hier hat man Platz. Sicherlich war es klug, einen Tag vor dem landesweiten Feiertag, aufzubrechen. Meine Vermutung ist jedoch: Selbst, wenn man nicht alleine ist am Strand, so bleibt man doch weitestgehend für sich.

St.-Peter-Ording: Strandabschnitt im Ortsteil Böhl
St.-Peter-Ording: Strandabschnitt im Ortsteil Böhl

Am Abend fuhren wir ins Stadtzentrum von SPO. Foursquare, der kleine Freund der Städter, empfahl uns die Friesenkate  und traf damit eine gute Wahl. Das Ambiente war scheußlich, doch die Facebook-Seite verrät, dass dies eines der letzten familiengeführten Restaurants in der Stadt ist - und dass es seinen Betrieb an dieser Stelle zum Ende des Jahres einstellen wird. Wir können also froh sein, hier noch  gespeist zu haben, bevor der Pachtvertrag des Restaurants ausläuft: Mein Knurrhahn-Filet schmeckte köstlich, überraschenderweise waren sogar die Beilagen relativ leicht und bekömmlich. Statt Bratkartoffeln gab es gegrilltes Gemüse und Rosmarinkartoffeln.

Davon ab hat SPO den typischen Charme eines Touristen-Ortes mit den üblichen Verdächtigen. Am Strand tummelt sich das Volk bei Gosch, nippt am Weisswein und erzählt sich Anekdoten. Auch der Strandpavillon am Ende des Steges zeigt: SPO ist ein kleiner Ableger Sylts am Festland. Wir kehrten hier nach einem nächtlichen Gang an den Strand für einen Tee und eine Whisky ein. Und wieder einmal genossen wir die Ruhe des letzten Gastes, hinter dem die Tore verschlossen werden. 

Am Freitagmorgen packten wir das Zelt zusammen und frühstückten im Strandhaus in St.-Peter-Ording. Das Café ist an ein Hotel angeschlossen ist, man speist mit den Gästen. Regionale Käse, leckeres Brot und Brötchen, und eine kleine Müsli-Bar stehen bereit. Getränke sind im Preis inbegriffen, jedoch betrifft dies nur Tee und Filterkaffee. Insgesamt ist der Preis ist mit 14,50 EUR pro Person wirklich happig. Es mag an meiner Abneigung gegenüber Brunch im Allgemeinen liegen, jedenfalls ärgerte ich mich, dass wir nicht einfach beim Bäcker nebenan gehalten hatten, der ebenfalls gut besucht war. Nach dem Frühstück spazierten wir direkt zum Strand. 

Ein Mops mit heißer Luft am Strand in SPO
Ein Mops mit heißer Luft am Strand in SPO

Nach dem Strandspaziergang kehrten wir im Strandpavillion Silbermöwe auf einen Kaffee ein. Die Silbermöwe, das verrät die Menükarte, wurde bekannt unter dem Namen 'Strandperle' in der ARD Windsurfer-Serie 'Gegen den Wind'. Das war Ende der 90er Jahre. Mittlerweile verbindet man einen anderen Sport viel stärker mit SPO: Das Kite-Surfen. Auf dem Wasser war niemand, dafür war der Wind zu sanft und die Wellen zu seicht an diesem Tag.

Der Westerhever Leuchtturm

Westerhever Leuchtturm: Salzwiesen für Hund und Schaf.

In Westerhever schauten wir uns den aus der Jever-Werbung bekannten Leuchtturm an. Von außen, wohlgemerkt. Man kann dort drinnen heiraten, darauf waren wir jedoch nicht aus. Den Leuchtturm erschließt man sich über einen ca. 2 km langen Rundwanderweg, der durch die Salzwiesen führt. Auf den ersten Blick wirkt der Weg etwas unmotiviert (als Besucher versteht man nicht, weshalb einen der Weg nach rechts führt, wenn doch der Leuchtturm geradeaus liegt), er lohnt sich aber. 

Die Salzwiesen an der Nordsee stehen unter Naturschutz - man darf sie also nicht direkt betreten und Hunde müssen angeleint werden. Das Gebiet um den Leuchtturm umfasst ca. 246 Hektar Salzwiesen. Viel Fläche für Zugvögel, Insekten und Schlickkrebse.

In den Sommermonaten ist für den Rückweg vom Leuchtturm der alte Stockenstieg geöffnet - früher war dies der einzige Zugang zum Festland. Wer diesen Pfad vom Leuchtturm zum Deich läuft, kann sich ausmalen, wie einsam das Leben und wie rau das Klima hier sein konnte. Wir spazierten zurück zum Auto, kauften in der Schäferei am Parkplatz ein paar Postkarten und fuhren über Büsum zurück in die Großstadt. Ich bin sicher, wir werden wieder kommen.