Hamburch Kinners: Tipps für ein Wochenende in der Schatzstadt.

Der Herbst kommt. Für mich heißt das dieses Wochenende: Raus in die Blätter. Und ins Kino. Es ist Filmfest-Zeit. Und Ruhe. Doch wo findet man die in Hamburg?

Gar nicht!, behaupten viele. Ich glaube, sie täuschen sich: Es gibt in und bei Hamburg viele Möglichkeiten schnell ins kleine Grüne zu flüchten. Ich persönlich finde ein köstliches Essen in einem entspannten Restaurant ebenso wohltuend wie einen Spaziergang im Park oder an der Elbe. Das Wetter an diesem Wochenende war großartig: Sonnig, verhältnismäßig warm, ein wahres Spätsommer-Wochenende. Los ging's am Freitag, da habe ich ja noch gearbeitet:

Freitag: Die Woche abschütteln

Mein Magen hielt mich bereits die ganze Woche auf Trab. Ich nahm mir deshalb, die Woche am Freitag ruhig auspendeln zu lassen. In den Tag startete ich früh, um 6h30, und gönnte mir als erstes eine kleine Massage mit Ayurveda-Öl, eine erfrischende Dusche und knackige 15 Minuten Yoga. 

Mein Freitag bei Jimdo war voll, aber kurz. Um 18 Uhr stand ich bereits in unserer Küche und röstete Gewürze für Garam Masala. Draußen war es herbstlich, drinnen roch es nach Zimt. Ich bereitete mir ein Kitchari - magenfreundlich, wärmend, und leicht.

Daniel war im Kino, ich lauschte Michael Ondaatjes Divisadero und räumte auf. Es gibt Momente, da tue ich das gerne: Aufräumen. Ganz nebenbei ordne ich auf diese Weise auch meine Gedanken. Die meisten Menschen brauchen etwas, das den Feierabend einläutet. Am besten ist, man tut etwas, dann fällt der Übergang leichter - so wie Sport, ins Kino gehen, oder eben aufräumen.

Samstag: Der Stadt entfliehen, im Kinosessel versinken, backen

Am Samstag schliefen Daniel und ich erst aus und frühstückten dann entspannt im Café Mimosa in St. Pauli. Ich liebe dieses Café: Ein kleines, gemütliches und herrlich unaufgeregtes Café mit gutem Kaffee und hausgemachten Kuchen. Die Klientel ist ebenso lässig wie das Café Mimosa selbst. Wir gönnten uns ein kleines Frühstück und frische Brioche. Ich blätterte in der Süddeutschen Zeitung und las von einer finnischen Studie, die belegt: Die Evolution bestimmt die Partnerwahl. Frauen suchen gleichaltrige oder ältere Männer, Männer suchen (immer) Frauen im gebärfähigen Alter (25). Daniel ist 37 und sagt: „Ich vergesse immer, dass du ja gar nicht so viel jünger bist als ich.“

Vom Café Mimosa liefen wir zur Sternschanze und stiegen in die S-Bahn nach Aumühle. Ich wünschte mir Blätter und Wald, und so machten wir uns auf zum Sachsenwald. Der Sachsenwald ist mit knapp 70 km² Schleswig-Holsteins größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Er gehört also eigentlich nicht zu Hamburg, ist jedoch von dort schnell zu erreichen: In ca. 30 Minuten erreicht man per S-Bahn die Endstation der S 21 Aumühle und steht quasi im Wald. Es gibt Wanderwege und Spaßprogramm: Einen Schmetterlingsgarten, ein Eisenbahnmuseum, eine Minigolfanlage, einen Klettergarten. Wir jedoch hielten uns an Bucheckern und Eicheln und spazierten nur durch das Laub. 


Zurück zuhause backte ich einen Apfel-Streuselkuchen nach ayurvedischem Rezept und ass ein Kitchari. Am Abend begaben wir uns wieder unter Menschen: Im Passage-Kino in der Hamburger Innenstadt sahen wir uns anlässlich des Hamburger Filmfestes den Film Incompresa von Asia Argento an. Mir sagte die Regisseurin nichts, Daniel jedoch kannte aus seiner Zeit in Italien einige Skandalgeschichten. Der Film erzählt aus der Sicht eines 9jährigen Mädchens (Aria), wie es ist, mit exzentrischen Eltern aufzuwachsen. Autobiographisch vermutlich, denn Asia selbst ist das Kind einer Schauspielerin und eines Horror-Film-Produzenten. Der Film ist schrill, etwas zu schrill für meinen Geschmack, aber er lässt keinen Zweifel, dass ein solches Setting für ein junges Mädchen eine beinahe nicht zu bewältigende Herausforderung darstellt.

Sonntag: Joggen, Pancakes & Freunde treffen

Der Sonntagmorgen begrüsste mich mit einer Luft, wie ich sie vom Lissabonner Herbst kenne: Frisch, sonnig, und die Luft deutet darauf hin, dass es noch einmal warm werden wird. Ich zog meine Laufsachen an und radelte zum Volkspark, der mit dem Rad 5 Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt. Man könnte auch laufen, ich mag jedoch nicht gerne an Straßen laufen und genieße die kurze Radfahrt als Aufwärm-Übung. Der Volkspark ist für mich in Hamburg die schnellste Möglichkeit in den Wald zu kommen. Man hört zwar - anders als im Sachsenwald - den Lärm der Stadt, hat jedoch den Duft von Nadelbäumen und Laub in der Nase. Das Wegenetz ist gut verzweigt und so kann man, je nach Laune, einsame oder belebte Strecken laufen. 


Zum Frühstück machten wir Pancakes mit gedünsteten Äpfel und Ahornsirup. Das Rezept stammt aus meinem Anti-Reflux-Kochbuch, ist aber auch im Netz zu finden. Sobald ich ein Lieblingsrezept gefunden habe, wird man auch bei mir ein Pancake-Rezept finden.

Während Daniel den Nachmittag mit Fussball verbrachte, traf ich ich einen alten Freund aus Leipzig, der auf dem Rückweg von Blumenthal Richtung Leipzig war. Wir probierten alkoholfreies Sagres (nicht empfehlenswert) auf dem Schulterblatt und amüsierten uns über das Schaulaufen, das man hier stets beobachten kann, sobald ein paar Sonnenstrahlen auf das Pflaster scheinen. 

Am Abend kehrten wir noch einmal in die Schanze zurück. Da der Filmfest-Film, den wir uns ansehen wollten, im 3001-Kino ausverkauft war, trafen wir uns zum Essen mit Freunden im Alten Mädchen, in der Nachbarschaft der Ratsherren-Brauerei. Das Restaurant bietet neben Ratsherren-Bier eine breite Palette internationaler Biere. Die Küche ist bodenständig, aber kommt in neuem Gewand. Alles bio, natürlich, und global inspiriert. Mein 'Anglerpott' war tatsächlich ein Pott und er erinnerte mich mit seinem Curry-Apfelsud an eine Tom Yum Talay. Auch das frisch gebackene Brot, das es dazu gab, war äußerst schmackhaft und hatte eine tolle Konsistenz hat. Einfach lecker!

Ich ass zum Nachtisch ein Stück spanische Mandeltorte (scheinbar ist der ganze Mittelmeerraum auf diesen Kuchen spezialisiert), das ebenfalls sehr gut geschmeckt hat.

Der 'Anglerpott' im Alten Mädchen

Ein entspanntes Wochenende in Hamburg beinhaltet für mich also eine gute Mischung aus Ruhe, Natur, urbanem Flair in kleinen Dosen und köstlichem Essen. In Hamburg findet man dies ohne Schwierigkeit, ebenso wie in Leipzig, Berlin, oder ... ach, so viele wundervolle Städte auf diesem Planeten!