Stadt #1: Lisboa - die kleine Metropole

2007 habe ich für einige Monate in Lissabon gelebt. Könnte ich es mir noch einmal vorstellen? Aber immer! Die kleine Metropole hat alles, was das Herz begehrt: Gutes Essen, eine entspannte Atmosphäre, Kreativität, Urbanität. Ich liebe Lissabon!

Lissabon - Lisboa - ist selbst bei Regen schön

Ich kenne Lissabon eigentlich nur im Herbst, Winter und Frühling. Und das ist schon schön. Es kann kalt werden - sehr kalt - und doch hat man das Gefühl, die Sonne küsst einen hier öfter als im Norden Deutschlands. Im Herbst: An jeder Ecke Maronen-Verkäufer, Röstaroma und Nebel in der Stadt. Im Winter: traumhafte Weihnachtsbeleuchtung und dennoch im Freien sitzen. 

Die Stadt ist überschaubar, doch der Einfluss der ehemaligen Kolonien macht Lissabon zu einer kleinen, bunten Metropole. Lissabon erinnert mich an Leipzig: Kreatives Potenzial, der Wille, etwas zu bewegen, tiefen entspannt, ein Großteil der Bevölkerung hat zu wenig Geld.

Das Meer ist nicht weit, und manch ein Portugiese springt nach der Arbeit oder am Wochenende ins Auto und stützt sich danach in die Wellen an der Costa Caparica oder in Guincho. Vieles läuft schwerlich in Lissabon, doch wer zu Besuch ist, spürt davon wenig.

Lieblingsplätze

  • MIRADOURO SÃO PEDRO DE ALCÂNTARA
    In der Nähe des Elevador da Glória. Ich mag ihn, weil er einen schönen Blick über die Stadt gibt, und weil das Café auch im Winter geöffnet ist.
  • MIRADOURO SANTA CATARINA
    In der Nähe des Elevador da Bica. Besonders passend für ein entspanntes Bier zum Feierabend mit Blick über den Tejo. Es gibt einen kleinen Kiosk, oder man kehrt vorher bei Mini Preço ein und nimmt sich ein Six-Pack Superbock (Mini) mit.
  • LX FACTORY
    Ein Areal auf einem alten Industriegelände in Alcântara, R. Rodrigues de Faria 103, mit Läden, Cafés, Restaurants und Kunst. Wer Urbanes mag, ist hier richtig aufgehoben. Am Wochenende finden zB Flohmärkte statt.
  • JARDIM DAS OLIVEIRAS (CENTRO CULTURAL DE BELEM)
    Ich mag ihn, weil er eine Oase der Ruhe in der Nähe der turbulenten Sightseeing Spots (Pastelaria Belém, Monasteiro, Torre de Belém) ist. Man sitzt hier, direkt neben der großen Straße, aber erhöht und fast in Ruhe zwischen Olivenbäumen und Strelizien. Es gibt ein Café, man kann dort Platz nehmen oder im Gras.
  • PRAIA DE CARCAVELOS
    Mein liebster Stadtstrand diesseits des Tejo, ganz einfach zu erreichen per S-Bahn (comboio) von Cais do Sodré aus. Es dauert etwa 20 Minuten, plus ein paar Minuten Fussmarsch. Café trinken, auf Wasser schauen, manchmal surfen welche.
  • PRAIA DE FONTE DA TELHA
     Mein liebster Strand jenseits des Tejo. Hier kann man die Stadt hinter sich lassen. Am Ende der Küstenstraße befindet sich ein Café mit leckerem Toast und entspannter Musik. Strandspaziergänge währen ewig.

Manchmal, da ist es aber einfach der Blick über die Stadt am Morgen oder Abend, der mich glücklich macht. Man spürt, wie die Wärme sich entfaltet oder die Stadt nach einem warmen Tag abkühlt. Die "weiße Stadt" wird Lissabon auch genannt, aufgrund der reflektierenden Fliesen, die im Sommer die Hitze abwehren.


Nada vi até hoje algo melhor que a língua portuguesa.

Warm und weich klingt die portugiesische Sprache. Bis heute habe ich nichts Schöneres gehört, behauptet das anonyme Zitat. Portugiesisch, dachte ich anfangs, wird leicht sein, wenn man, wie ich, andere romanische Sprachen spricht. Die Nasale sind für deutsche Zungen jedoch gar nicht so einfach auszusprechen und die Anzahl der Konsonanten hat nicht selten dazu geführt, dass mein Gegenüber vermutete, ich spräche Polnisch. Im Gegensatz zum Spanisch oder Italienisch strahlt europäisches Portugiesisch Ruhe aus - Man stelle sich vor, man sitzt in der Herbst-Sonne Lissabons und erinnert sich an den Sommer, das könnte dann so aussehen, wie in diesem Clip, in dem die hübsche Dame die Miradouros im besten Licht aufsucht:

In Lisboa trinkt man den Espresso als café oder bica. Ich trinke morgens am liebsten Méia de Leite, halb Milch, halb café. Den Klassiker, Galão, gibt es sogar in Hamburg an jeder Ecke. Tagsüber streift man durch die Stadtteile - Bairro Alto, Estrela, Santos, Alcântara, Campo de Ourique - und erkundet Kunst, Design und Klamotten, beispielsweise an der Rua São Bento oder im Zentrum. 

Abends geht es zum Sonnenuntergang auf den Miradouro Sta. Catarina, zum Aperitif gibt es Portwein, man speist Fisch im Cantinho do Bem Estar im Bairro Alto und zieht dann weiter in Richtung Cais do Sodré, an die Rua Nova do Carvalho, die die New York Times so treffend beschreibt. 

Essen & Trinken

  • PASTELARIA DE BELÉM: Rua de Belém N°84-92.
  • Wirklich die besten, die ich bislang gegessen habe. Anstellen lohnt sich also. Am besten nimmt man sich ein Tütchen mit (am Tresen: 'to go'/'para levar' ) und verspeist sie bei einem Café im Jardim de Oliveiras des Centro Cultural de Belém, nur wenige Schritte entfernt. 
  • LEITARIA CAMPONEZA. Rua dos Sapateiros N°155. 
    In einer Seitenstraße der Baixa Chiado. Perfekt für einen leckeren Milchkaffee vor dem Bummel durch die Stadt.
  • OS TIBETANOS. Rua do Salitre 117 (Principe Real). Tibetanisch-vegetarische Küche, in der Hauptsaison am besten reservieren oder früh kommen.
  • A CEVICHERIA. Rua Dom Pedro (Principe Real)
    Peruanisch-portugiesisch, wunderschön und köstlich. So gut, dass ich dem Restaurant einen ganzen Artikel gewidmet habe.

5 TIPPS außer der Reihe

  1. TIMEOUT LISBOA
    sagt einem, was los ist. Konzerte, Tipps. Gibt's am Kiosk. Oder online.
  2. BUSSE HÄLT MAN AN, INDEM MAN DEN ARM RAUS HÄLT.
    Kein Problem, wenn man nicht allein an der Haltestelle steht. Irgendeiner hält den Arm schon raus.  Öffentlicher Nahverkehr ist übrigens top in Lissabon. Man wartet selten lang, wenn man weiß, wie man die Busse zum Halten bringt. Da fahre sogar ich gern, die sonst ungern aufs Rad verzichtet.
  3. DAS PORTWEIN-INSTITUT (INSTITUTO DO VINHO DO PORTO E DOURO)
    Ein Touri-Ding, klar. Es geht allerdings nichts über einen trockenen, weißen Portwein als Aperitif. Hier gibt es eine schier unglaubliche Auswahl. Dann kann man weiter ziehen ins Bairro Alto oder nach Sta. Catarina zum Abendessen. 
  4. SONNTAGS IST DER EINTRITT IN MUSEEN GRATIS.
    Es ist entsprechend voll. Wer preiswert unterwegs sein möchte, kann sich dennoch ins Getümmel stürzen und viel mitnehmen.
  5. MERCADO DE CAMPO DE OURIQUE, Rua Coelho da Rocha. Ein schöner Lebensmittelmarkt im Stadtteil Campo de Ourique, mit Lebensmittelständen und kleine Bistros und Restaurants. Wer Gemüse und Kaffee mag, kann am Mittelmeer glücklich werden, sage ich gerne.

Und nun? Los geht's! Flüge gibt's bei TAP & Co. Und dann heißt es schon bald: Bemvindo ao aeroporto de Lisboa, wie im Clip.