REISEN

Für mich bedeutet Reisen immer auch die Suche nach einem anderen Alltag, nach der Möglichkeit eines anderen Lebens. Hier einkaufen? Zum Friseur gehen? Meine Miete zahlen, aufräumen und zum Sport gehen? 

Das war nicht immer so. Lange ging es mir vor allem darum, in Bewegung zu sein, andere Orte aufzusaugen. „... ja, und davor bin ich zwei Jahre durch die Gegend gereist.“ - erst heute habe ich so einen Satz wieder gehört. Eine Weltreise, auswandern, das macht heute ja jeder.

Auch ich wollte das: Anfang 2000 wollte ich mit meiner Freundin Svenja das Länderdreieck Vietnam-Laos-Kambodscha bereisen, mit dem Rucksack und einer Kamera bepackt. Als Teenagerin hatte ich den Traum, Dokumentarfilme zu machen. Ich wollte dokumentieren, wie sich der Blick des Touristen auf das Land, das er bereist, im Laufe einer solchen Reise ändert. Zu der Reise kam es nie, weil ich das Geld in andere Dinge investiert habe (in Kurzfilme-Projekte zum Beispiel).

Spannend finde ich die Frage noch immer. Die Motive für das Reisen sind vermutlich so vielfältig wie die Reisenden selbst. Flucht vor dem Alltag in der vertrauten Atmosphäre des französischen Fischerdorfs, wo man jedes Jahr hin fährt. Abstand gewinnen durch einen Surfurlaub an der Algarve. Neue Perspektiven gewinnen durch eine Rucksack-Tour durch Guatemala. Beeindruckende Natur sehen wie die Halong-Bucht in Vietnam. All inclusive auf Mallora, Kinderbetreuung inbegriffen. Eine Kreuzfahrt. Irritation als Programm durch einen Ausflug in die abgelegendsten Ecken der Welt. Nur Tourist möchte keiner so richtig sein.

Ich liebe es, fernab von meinem eigenen Alltag, scheinbar normale Dinge zu tun: im Supermarkt, beim Friseur, auf dem Markt, stelle ich mir die Frage: „Könnte ich hier leben?“. In San Francisco ging ich schwimmen im öffentlichen Pool um die Ecke, fuhr auf den Markt, kaufte eine Telefon-Karte und machte Yoga. In Lissabon arbeitete ich eine Woche aus einem Co-Working-Space in Alcântara, kaufte Jogginghosen als Pyjama-Ersatz um die frischen Januar-Nächte zu überstehen und traf mich mit alten Freunden aus Erasmus-Zeiten. 

Meist versuche ich bei Freunden oder Bekannten zu übernachten - wie bei Swen und Doreen damals in Ho Chí Minh City, oder bei Mariekije und Grit in Betty's Bay - oder ich nutze Netzwerke, die eine Brücke schlagen, z. B. Couchsurfing (in Lissabon, Groningen), Airbnb (in Lissabon, Berlin, Kopenhagen) oder auf noch ganz anderen Wegen (über wg-gesucht.de in Barcelona bei einer Deutschen im schönen Grácia).

Je öfter man seinen Lebensmittelpunkt ändert, desto leichter scheint es zu fallen. Damit meine ich nicht, dass einem ein Abschied nicht schwer fällt. Ich meine: Man hat das Bewusstsein, dass das Neue auch Chancen birgt, man kann sich leichter vorstellen auch anderswo leben zu können, weil man die Erfahrung bereits gemacht hat.

Auf geht's!



Reise: Lebensträume // Bucket List

Kürzlich las ich NEON, die Zeitschrift für Leute, die eine Parmesan-Reibe besitzen. Der Titel hatte mich angesprochen: „Was tun auf der Welt?“, fragte die NEON und lieferte gleich ein paar Vorschläge. Angesichts dessen, dass meine Oma Annegret meinen Tanten, meinem Bruder und mir nach ihrem Tod letzten Herbst eine Summe vererbte, die zu klein ist, um sich eine Immobilie zu kaufen, und zu groß ist, um sie zu ignorieren, stellt sich die Frage unter ganz neuen Voraussetzungen. Wäre ich Anfang 20, Single und joblos, wäre die Antwort klar: Auf geht's, Weltreise! Doch heute...?


mehr lesen

Meine Tipps für Langstreckenflüge

Langstreckenflüge - so überstehst du sie!

Ich mag keine Langstreckenflüge. Ich habe keine Angst vor dem Flug an sich, fürchte aber Austrocknung, Thrombose, Langeweile und Bewegungsmangel. Statt eines 12 Stunden-Flugs, steige ich lieber zwischen durch einmal um und vertrete mir am Flughafen die Beine. In Dubai stieg ich bei Zwischenstopp zwischen meinem Flug von Kapstadt nach Hamburg in den Swimmingpool und unter die Dusche. Welche Tipps ich außerdem beherzige, damit ich nicht wie eine verschrumpelte Dame dem Flieger entsteige, erfahrt Ihr hier.


mehr lesen