Rezept: Grundrezept Weisse Pizza

Ich bin derzeit im schönen Oldenburg und helfe meinem Vater beim Umzug. Nach circa 40 Jahren verlässt er die Wohnung, in der ich aufgewachsen bin und zieht aufs Land. Alles muss raus. Auch die Lebensmittel. Perfektes Timing für das klassische Restessen Pizza!

Was derzeit in der Roggemannstraße 25 geschieht, bestätigt wieder einmal meine Vermutung: Zu viel Platz bedeutet, man häuft unnötig Zeug an. Ich habe diesbezüglich zweierlei Dinge gelernt: Kinder-Bilder und Fotos aufzuheben lohnt sich immer! Das sind wirklich süße Erinnerungen, die am Ende kaum Platz wegnehmen. Alles andere kann weg. Kinder-Bücher? Wer liest die noch. Meine alte Blockflöte? Eine schöne Erinnerung, aber haben möchte ich die nicht mehr. Geschirr? Ich bin erstaunt, wie stark die Erinnerung an Gegenstände geknüpft ist: Gläser, die ich mit Sommer im Garten verbinde. Möchte ich die Dinge behalten? Nein, danke. Ich finde sie nicht schön, sie wecken nur schöne Erinnerungen.

Noch etwas ist mir aufgefallen: Auch die Angewohnheit, für etwas neu Angeschafftes einen alten Gegenstand zu entsorgen hat Vorteile. Wie oft habe ich mir in den letzten Tagen die Frage gestellt: Wie viele Salatschüsseln braucht der Mensch? Je nach Standpunkt lautet die Antwort irgendetwas zwischen 0 und 10. Ich habe einen Schüssel-Tick und habe mir glücklicherweise vor Jahren ein Schüssel-Kauf-Verbot auferlegt. Aus einfachem Grund: Ich habe Schüsseln in nahezu jeder Größe. Ein paar nur, nicht zu viele. Blicke ich auf die hohen Regale in unserer Speisekammer in der Roggemannstraße bin ich froh darüber.

Süsse Erinnerungen: Kinderbilder und Fotos

Meine Eltern haben offenbar alles aufgehoben. Ab der ersten Klasse oder noch früher. Es hat tatsächlich etwas, alte Fotos durchzusehen, analog statt auf dem Bildschirm. Sie erinnern mich an sorgsam gestaltete Zimmer (die ich halbjährlich umgestrichen und umgeräumt habe), an meine erste WG in Hamburg, an Kurzfilm-Projekte als Teenager, an Faschingsfeiern und Urlaube. 

Die ganze Räumerei birgt auch viele Erinnerungen an meine Mutter, die 2002 starb. Mein Vater verglich den Prozess mit einer Schiv'a: Für eine Woche kommt die Familie zusammen und nimmt Abschied. Viele der Dinge, die wir raus geräumt haben, sind Dinge, die meine Mutter angeschafft hat. Ihr Stil prägte die Auslage, die wir am Montag dem Sperrmüll übergeben haben. Ich habe so etwas schon ein paar Mal gemacht: So ein Abschied berührt das Herz. All die Dinge, die nun keiner mehr will,  und die leider auch nicht wertvoll sind. Aufwendige Patchwork-Decken, die meine Mutter in stundenlanger Arbeit nähte, verkaufte ich damals über eBay für 5 € das Stück und war froh, sie los zu sein (Wie viele Patchwork-Decken braucht der Mensch?). Sofern es der Aufwand zuließ, habe ich gern verschenkt - so glaubte ich zu wissen, dass sich am Ende noch jemand freut. Sei es Geschirr an das Studentenwerk in Leipzig, Sofas an einen Studentenclub, Schränke meiner Oma an eine junge Familie aus Teneriffa, oder wie diesmal unzählige Tonkarton-Bögen und Passepartout-Pappe an die Kunstschule Klex, bei der ich als Kind vermutlich auch mal einen Kurs gemacht habe. 

Da auch der Kühlschrank morgen entsorgt wird, gibt es Reste. Was eignet sich da besser als Pizza? Aus dem Laptop trällern Noah and The Whale, und ich bekomme Gelegenheit, das Rezept von Franny's auszuprobieren - dank Internet, denn mein neues Kochbuch ist ja in Hamburg.

Weisse Pizza mit Pastinake, Fenchel und Paprika

Ich habe natürlich keine Jakobsmuscheln wie im legendären Rezept. Damit würde es sicher noch besser schmecken. 

Prinzipiell geht es mir bei diesem Rezept um Folgendes: Möchte man eine aromatische, sämige weiße Sauce für eine Pizza machen, benötigt man mindestens diese Zutaten: Weißwein, eine halbe weiße Zwiebel und Crème Fraîche bzw. Schmand. Pizza ist offen für nahezu alles andere. Je nach dem, was die Küche hergibt, kann man mit Kräutern und Gewürzen verfeinern. Entscheidender ist der Faktor Zeit: Der Pizzateig sollte einen Tag vorab zubereitet werden.

Zutaten für 2 große Pizzen:

  • Für den Teig:
    • 1/2 Päckchen Hefe
    • ca. 4 Kaffeetassen voll Mehl
    • 1-2 TL Salz
    • Etwas Zucker
    • 2 Eßlöffel Öl
  • Für die weiße Sauce:
    • 1 1/4 Tassen Weißwein
    • ca. 200g Crème Fraîche bzw. Schmand
    • Getrocknete Kräuter (Rosmarin, Basilikum, Petersilie) - oder noch besser: Frische Kräuter
    • Belag nach Wahl oder entsprechend dem, was der Kühlschrank hergibt.

Zubereitung (Achtung: Der Pizzateig sollte am Tag vorher zubereitet werden!):

  1. Am Tag vor dem Pizza-Essen:
    1. Für den Teig ein halbes Päckchen Hefe in einem Schälchen mit lauwarmem Wasser auflösen.
    2. Salz, 2 Eßlöffel Öl und etwas Zucker hinzfügen.
    3. Das Mehl nach und nach einrühren und solange kneten, bis alles zu einem Teig verbunden ist. 20 Minuten an einem warmen Ort (beispielsweise im Ofen, nur bei Licht, ohne Temperatur) gehen lassen.
    4. Den Teig ca. 10 Minuten (!) kneten, bis ein glatter, elastischer Teig entsteht.
    5. Den Teig zu einer Kugel formen, mit Öl einschmieren, und, in einer Frischhaltefolie, über Nacht im Kühlschrank gehen ruhen lassen.
  2. Am Tag des Pizza-Essens:
    1. 4-5 Stunden, bevor der Teig verarbeitet werden soll, sollte man ihn aus dem Kühlschrank nehmen, damit er langsam wieder Zimmertemperatur erlangt.
    2. Den Teig dann kurz durchkneten, in die gewünschte Menge teilen, kurz flach drücken und beiseite stellen, bis er weiter verarbeitet werden soll. 
    3. Dann kann der Teig ausgerollt werden. Ich steche den Teig in der Regel ein paar Mal mit einer Gabel ein, damit sich beim Backen weniger Blasen bilden.
    4. Während der Teig auf seinen Einsatz wartet: Den Belag und die Zwiebel vorbereiten bzw. zerkleinern.
    5. In Öl den Belag und die Zwiebel mit den getrockneten Gewürzen andünsten und mit Weißwein löschen.
    6. Den Belag im Sud ca. 10 Minuten garen bzw. solange, bis er fast gar ist.
    7. Den Belag entfernen und den Sud kurz aufkochen lassen, dann bei mittlerer Hitze sanft köcheln lassen (ca. 20 Minuten).
    8. Crème Fraîche bzw. Schmand hinzugeben und den Sud weitere ca. 10 Minuten köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit um ca. 1/4 reduziert hat.
    9. Die Pizzen ausrollen.
    10. Den Sud auf dem Pizza-Teig verteilen und mit dem Belag bestreuen. Je nach Belieben etwas Käse hinzufügen.
    11. Ab in den Ofen für 15-20 Minuten, bis die Pizza gold-braun ist.
    12. Aus dem Ofen holen, mit etwas Öl beträufeln und mit frischen Kräutern bestreuen, falls welche zur Hand sind. 

… und: genießen!!

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