Reise: "If in doubt, paddle out": 3 Tage surfen in Arrifana

Lohnt sich das überhaupt? Ich habe es ausprobiert und meine: Drei Tage sind besser als Nichts. Genau genommen lohnt sich Arrifana auch für (noch) kürzere Zeit und auch für andere Dinge als surfen - zum Beispiel wandern.

Aldos Surf Lodge wurde mir von meiner Freundin Franzi empfohlen. Sie hatte den Tipp von ihren Nachbarn Johannna und Mark. „Wenn du surfen lernen willst, dann dort!“, sagte Franzi: „Der Kurs ist super, die beiden [Aldo & Sarah] sind supernett und schaffen es, dass es dir schnell gelingt, auf dem Board zu stehen.“ Okay, dachte ich, und buchte einen Anfänger-Kurs im September 2013. Ich war begeistert und teile seit dem Franzis Einschätzung. Ich nahm mir vor, zukünftig jedes Jahr mindestens eine Woche surfend zu verbringen. Das mit den Vorsätzen ist ja so eine Sache, insofern freue ich mich, dass es mir dieses Jahr zumindest für drei Tage noch einmal gelungen ist.

Von der Qualität des Surfkurses schwärmen nicht nur die Schüler: Auch Surflehrer António - „Tó“ - lobte die Professionalität mit der Aldo seine Surfschule betreibt. Der Südafrikaner lebt mit seiner Frau Sarah seit acht Jahren in Portugal. Die Surfschule ist lizensiert von der Federação Portuguesa de Surf, dem portugiesischen Surfverband. Die Surflehrer sind fest angestellt, zu guten Konditionen. Sicherheit und Professionalität werden groß geschrieben. Das sei nicht überall so, sagte Tó, es sei eher die Ausnahme. Vermutlich ist dies einer der Gründe, weshalb die Arrifana Surf Lodge zu den 10 besten Surfschulen des Landes zählt.

„Your Home away from Home“ nennen Aldo und Sarah ihr Angebot und das trifft es: Ein professioneller Surfkurs eingebettet in ein familiäres Ambiente mit köstlichem Essen, das die Gastgeber gleich mit servieren. Der Aufenthaltsraum erinnert an ein großes WG-Wohnzimmer und die Atmosphäre ist auch so. Es sind nie mehr als 10 Leute in der Lodge, es bleibt also überschaubar, selbst wenn das Haus ausgebucht ist. In der Nachsaison kann es schon mal vorkommen, dass man - wie Daniel und ich - zu zweit dort ist. Die offene Küche mit Babyfon am Herd und einem gefüllten Kühlschrank, aus dem man sich frei bedienen darf, zeigt, dass Kochen und Essen eine zentrale Bedeutung hat. Sarah bereitet Lunchpakete für Surftage und stellt sich auf (alle) Vorlieben der Gäste ein. Sie ist eine großartige Köchin, die leichte Appetizer ebenso zubereitet wie deftige Kost für hungrige Surfschüler.


Bisweilen fühlt man sich so zu Hause, dass man beim Abräumen und Aufräumen der Küche helfen möchte. Hier jedoch zieht Sarah eine Grenze. „Your Home away from Home“ kommt mit der Herzlichkeit und Offenheit des eigenen Zuhauses, nicht jedoch mit den Verpflichtungen. Es ist schließlich Urlaubszeit und als Gast zahlt man für diese Erfahrung - einen unschlagbaren Preis übrigens (ca. 250€ in der Neben- und ca. 495€ in der Hochsaison für eine Woche Surfkurs inklusive Übernachtung und Vollverpflegung).

Wie üblich erwachte ich am Morgen früh und als erste in der oberen Etage, schlurfte in die Küche und bereitete mir ein ayurvedisches Frühstück mit dem, was Sarahs Frühstücksbuffet bereit hielt. Ruby, die alte Boxer-Dame, war in der Regel die zweite, die kurz darauf an die Balkon-Tür klopfte und um Einlass bat. Um 8:30 Uhr weckte ich Daniel, um 9 Uhr standen die drei Kids von Aldo & Sarah im Raum, schauten YouTube-Videos oder verteilten pinke Haargummis untereinander. Um 9:30 Uhr kam António, wir sprangen in den Bus, und fuhren zum Strand: Auf geht's, let's go surfing!

Surfen und Wandern an der Costa Vicentina

Portugal hält eine Reihe wunderschöner Strände bereit. Ich habe letztes Jahr bereits davon geschwärmt. Bereits letztes Jahr hatte ich auch die Webseite der Initative Rota Vicentina entdeckt. Das gesamte Netz der Wanderwege der Rota Vicentina - ca. 350 km Wegstrecke - führt vom Cabo São Vicente bis nach Santiago de Cacém.  Ich nahm mir damals vor, irgendwann einen Teil der Strecke zu laufen, konzentrierte ich mich aber auch dieses Mal auf das Surfen. Daniel jedoch bekam im Restaurante à Praia in Arrifana einen Wanderführer gegen Spende und den Tipp von Tó, die Route zu erkunden, während wir surfen gingen. Wir teilten  uns sozusagen auf:

Costa Vicentina: Surfen und Wandern. Arrifana Beach.

Sonst ist ja Yoga und Surfen eher die Verbindung der Stunde. Zahlreiche Surf-Schulen bieten diese Kombination im Sommer an - und tatsächlich wärmten Tó und ich uns für das Surfen mit Asanas aus dem Ashtanga-Yoga auf. Yoga schult Kraft, Gleichgewicht und Koordination und dehnt die Muskeln und eignet sich damit bestens zur Vorbereitung für eine Surf-Session. Yoga bringt einen in Einklang mit sich selbst, surfen und wandern bringt einen in Einklang mit der Natur. Auf unterschiedliche Weise freilich: Schaut man auf die Bilder, die Daniel von seinen Wanderungen mitgebracht hat, erkennt man, dass Wandern dem Auge mehr Abwechslung bietet, als das Surfen. Ich habe aber auch die Momente auf dem Board sitzend, auf die Welle wartend, mit Blick auf die Küste und das Meer, als sehr entspannend empfunden.

Wir surften und wanderten an der Praia de Arrifana und an der Praia do Burgau, die genau genommen nicht mehr zur Costa Vicentina zählt. Ich könnte zahlreiche weitere Strände in der Region empfehlen, die einfach wundervoll sind: Carrapateira, Zambujeira do Mar, Amoreira. 

Praia de Arrifana: Aufwärmen vor dem Surfen
Rota Vicentina: Praia de Arrifana
Rota Vicentina: Praia de Arrifana
Rota Vicentina: Praia de Arrifana

Rota Vicentina: Praia de Arrifana
Rota Vicentina: Praia de Arrifana

Arrifana ist der Strand, der am dichtesten an der Lodge liegt (ca. 20 Minuten läuft man). Die Lage ist traumhaft, der Strand selbst ist überschaubar. Es gibt ein Restaurant und einem kleinen Surf-Shop. In den Wintermonaten, wenn beides geschlossen ist, sagte Tó, kann es hier einsam werden für Surfer.

Das Restaurante à Praia bietet in den Sommer-Monaten Dinner-Events und kleine Konzerte, jetzt im November ist der Kreis der Gäste klein und die Atmosphäre familiär: Surfer wärmen sich beim Tee oder Kaffee auf. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus oder surft zusammen.

Die Dinner-Events im Sommer habe ich als stressig in Erinnerung. Eine Vielzahl von Gästen sollte hier innerhalb kurzer Zeit bedient werden, was an jenem Abend nicht gelang. Es war laut, Gerichte wurden vertauscht und nacheinander ausgeliefert, so dass einige der Gäste an der Tafel hungrig warteten, während andere aßen oder bereits fertig waren. All dies war eingebettet in die bunte, relaxte Szenerie aus Reggae-Musik, Surfer-Shorts und rosa Sonnenuntergänge. Damals diagnostizierte ich, dass der Coolness-Faktor dem Service-Gedanken im Weg steht - ein Phänomen, das mir ansonsten eher in Großstädten begegnet ist. Heute glaube ich, dass der Unterschied zwischen der familiären Atmosphäre jetzt und den turbulenten Sommer-Monaten die Ursache war, und nicht der Coolness-Faktor. Die Jungs und Mädels waren angesichts der Enge des Areals und der Anzahl der Gäste schlicht überfordert. Das Essen ist gut, die Leute freundlich, und der Blick auf das Meer und den Strand unbezahlbar.

Wer mehr Inspiration sucht, kann sie hier finden:

Surfen

Wandern


Wie kommt man nach Arrifana?

Man erreicht Arrifana - wie wir - von Lisboa kommend mit den Überlandbussen von Rede Expressos ab dem Busbahnhof Sete Rios. Die Fahrt dauert fast vier Stunden und trotz eines kleinen Päuschens zwischen Flug und Busfahrt waren wir bei der Ankunft in Aljezur um 21:20 Uhr ordentlich geplättet. Von der Landschaft hat man um diese Uhrzeit wenig, umso mehr genoss ich die Kombination aus fahren und Musik hören. Fahren und Musik hören ist eine meiner liebsten Kombinationen zweier sich optimal ergänzenden Tätigkeiten. Ich könnte dies einfach stundenlang tun.

Man kann naturlich auch ein Auto mieten und ist dann deutlich schneller. Da ich aber surfen will, brauche ich kein Auto vor Ort. Selbst Zug fahren geht, die Verbindungen sind aber schlechter als mit dem Bus, es sei denn, man gelangt irgendwie nach Odemira, von wo aus es eine direkte Verbindung nach Lisboa gibt. Schneller noch geht die Anreise übrigens über Faro.

Fazit: Eine kleine Auszeit vom Alltag lohnt sich immer.

Der Mensch entspannt sowieso am besten, indem er etwas tut. Warum also nicht surfen oder wandern? Bei Sarah und Aldo bekommt man darüber hinaus noch die Gelegenheit, zu erleben, was wirkungsvolle Kundenbindung bedeutet: Ich kenne niemanden, der nicht gerne noch einmal wieder käme, in die Arrifana Surf Lodge. Auch Daniel war begeistert und wird vermutlich noch anderen davon erzählen.