"Komm, ich zeig dir den Osten!"

Seit ich wieder in Hamburg wohne, habe ich sporadisch das Gefühl, ich muss den Hamburgern mal zeigen, dass Hamburg grün ist, aber Leipzig grüner. Könnte ich in Leipzig leben? Na klar!

Nicht täuschen lassen. Dies ist Wolkenstein (Erzgebirge) - nicht weit von Leipzig
Nicht täuschen lassen. Dies ist Wolkenstein (Erzgebirge) - nicht weit von Leipzig

Leipzig zeigt man am besten im Sommer. Also habe ich meinen Liebsten überredet zu einem Ausflug in den Osten. Da war der noch nie. Daniel ist ein Multikulti-Wessi: Geboren in Valparaíso, aufgewachsen in Westdeutschland. Meine Leipziger Freunde sagten, sie hätten in der Kindheit schon viel für Pablo Neruda getanzt, und freuten sich auf unseren Besuch. 

Ob Leipzig tatsächlich grüner ist als Hamburg, weiß ich natürlich nicht. Die Hamburger betonen einfach gerne, dass ihre Stadt so grün ist. Fragt man mich jedoch nach einer grünen Stadt, denke ich and die Stadt, die ich im Park durchqueren kann - und das ist Leipzig. Der grüne Gürtel zieht sich einmal quer durch die Stadt. Niemand muss tageintagaus die gleiche Strecke joggen.


LEIPZIG UND DIE SEEN

Meistens weht eine frische Brise in Hamburg. Kommt unverhofft die Hitze, sitze ich am Elbstrand und sehne mich nach Leipzigs Seenlandschaft. Leipzig hat sich aus alten Baugruben ein Neuseenland gebaut. Für mich gibt es im Sommer nichts Entspannteres als nach der Arbeit durch den schattigen Auenwald an den See zu radeln und ins Wasser zu springen. Entspannt in zwei Minuten. Die Füsse in die Elbe halten ist nicht das Gleiche. Das ist der Moment, wo mir Leipzig fehlt in Hamburg.

Auch Daniel und mich zieht es an diesem Wochenende an den See. Der Anlass ist das TH?NK-Festival, das am Nordufer des Cospudener Sees einen Tag lang Freunde der elektronischen Musik vesammelt. Viel von Leipzig gesehen haben wir an diesem Wochenende im Grunde nicht - aber das Wesentliche. Das Festival lohnt sich, es ist klein aber fein. Der Cospudener See, immer wieder schön - obgleich der Markkleeberger See mein heimlicher Favorit bleibt.

Das Think! Festival am Cospudener See in Leipzig

DIE BÖHMISCHE SCHWEIZ

Noch etwas, was ich in Hamburg vermisse, ist Höhe. Deshalb zieht es mich regelmäßig nicht nur an den See, sondern ins Gebirge. Kurz waren wir nicht sicher, ob Sommer und 33°C im Schatten die beste Zeit zum Wandern ist, tatsächlich entpuppte sich das Vorhaben als Glücksgriff. Unter dem Blätterdach der böhmisch-sächsischen Schweiz lief es angenehm, beinahe erfrischend.

Ich suchte für Daniel und mich einen 6stündigen Rundweg zum Prebischtor raus: ein Naturschauspiel, ein bißchen Ausland, ganz viel Osten. Ich bin die Tour aus dem Wanderführer Sächsische Schweiz im Herbst schon einmal gelaufen und war damals begeistert. Mein persönlicher Höhepunkt ist die Edmundsklamm: Nach einer halbwegs anstrengenden Tagestour fällt man in die kühle Schlucht, erfrischt die Knöchel im 13°C kalten Wasser und lässt sich dann mit dem Kahn gemächlich zurück nach Hrensko bringen. Kulturprogramm inklusive: Die Steuermänner reihen Anekdoten über Steinformationen zusammen, in einer Art, wie Loriot sie nicht hätte besser beschreiben können. 

Die Edmundsklamm, wo die Kamnitz Richtung Elbe fließt.
Die Edmundsklamm, wo die Kamnitz Richtung Elbe fließt.
Gebirge. Entspannungs fürs Auge.
Gebirge. Entspannungs fürs Auge.

Zurück in Hrensko springen wir gerade noch rechtzeitig in die S-Bahn nach Dresden. Von dort geht es zurück nach Leipzig, wo wir verschwitzt, übermüdet und zufrieden bei Freunden von mir zum Grillen aufschlagen. Die Abkühlung folgt in Form von Gewitter, Regengüssen und einer wohlverdienten Dusche. Das ist nichts im Vergleich zum Wasser der kühlen Kamnitz - aber in der Schwüle ist es Gold wert!